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Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Spurwechsel bei Carrera und der Fehler eines Techfonds-Stars

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Start-up-Strategie der Telekom, einem Spurwechsel bei Carrera und dem verhängnisvollen Fehler eines Techfonds-Stars.

Im Herbst 2021 hatte Telekom-Chef Tim Höttges eine verrückte Idee. Er wollte aus dem ehemaligen Bonner Staatskonzern ein cooles, glamouröses Unternehmen machen. Die Deutsche Telekom, ein lässiger Big Player inmitten der aufregenden Start-up-Welt: Dieses Ziel hatte Höttges vor Augen, als er mit dem weltgrößten Techaktionär Softbank eine weit reichende Kooperation verkündete.

Die Telekom, so die Idee, sollte ihre weltweit mehr als 240 Millionen Mobilfunkkunden zu den jungen Unternehmen treiben, welche die Softbank seit Jahren finanziert. Start-ups wie die britische Smartphone-Bank Revolut, der Berliner Elektroscooteranbieter Tier oder der Nachhilfe-Anbieter GoStudent sollten dadurch noch schneller wachsen. Die Hoffnung von Höttges: Die Telekom setzt ihre Vertriebspower aus tausenden Telekom-Läden ein – und verdient am Wachstum der gehypten Start-ups mit.

Der Crash in der Tech-Branche hat diese Pläne vorerst zunichtegemacht. Viele Start-ups wachsen nicht mehr in hohem Tempo, sondern haben in den Überlebensmodus geschaltet. Die Vermarktungserfolge der Telekom mit ihren Pilotprojekt-Partnern wie Tier, Revolut und GoStudent blieben zudem weit hinter den Erwartungen zurück. Wie Telekom-Chef Höttges seine Start-up-Strategie doch noch retten will, beschreibt unsere Kollegin Mirjam Hecking in ihrer Hintergrundstory auf manager-magazin.de.

Ehemaliges Dream-Team: Telekom-Chef Tim Höttges (l.) und der damalige Softbank-COO Marcelo Claure hatten große Pläne

Ehemaliges Dream-Team: Telekom-Chef Tim Höttges (l.) und der damalige Softbank-COO Marcelo Claure hatten große Pläne

Foto:

Andreas Rentz / Getty Images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Krankenkassen-Beiträge steigen auf Rekordniveau: Auf die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen kommen im nächsten Jahr höhere Beiträge zu. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag dürfte um 0,3 Prozentpunkte auf dann 1,6 Prozent steigen, kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Dienstag an. Zusammen mit dem allgemeinen Beitragssatz von derzeit 14,6 Prozent müssten dann 16,2 Prozent vom Bruttolohn für die Krankenversicherung gezahlt werden. Das ist so viel wie nie zuvor.

  • Inflation drückt Konsumlaune auf Rekordtief: Die hohe Inflation sowie der Krieg in der Ukraine haben die Konsumstimmung in Deutschland auf ein Rekordtief gedrückt. Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung meldete für Juli einen Index-Stand von 27,4 Punkten. Das ist das niedrigste Niveau seit Beginn der Umfrage im Jahr 1991. Vor allem der Anstieg der Lebenshaltungskosten von derzeit knapp acht Prozent drücke schwer auf die Stimmung der Verbraucher, teilte die GfK mit.

Die Personalie des Tages:

  • Fondsmanager Jan Beckers gehört zu den Stars der deutschen Techszene. Sein im Jahr 2019 aufgelegter Fonds BIT Global Internet Leaders hatte seinen Kurs zeitweise mehr als versechsfacht. Doch seit dem Hoch im November 2021 sind viele Tech-Werte eingebrochen, und Beckers Fonds hat sich zeitweise halbiert. Dabei hatte Beckers wie andere Fondsmanager auch versucht, seinen Fonds durch Termingeschäfte vor Kurseinbrüchen zu schützen – doch diese Absicherungsgeschäfte haben nicht funktioniert. Beobachter sprechen von "handwerklichen Fehlern" des Fondsmanagements, Tennisfreunde würden von einem "unforced error" sprechen. Wie Beckers den Rückschlag wegstecken und den Fonds künftig besser absichern will, erklärt unser Kollege Mark Böschen auf manager-magazin.de.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Sanktionen gegen Russland wirken doch: Dank der hohen Einnahmen durch seine Öl- und Gasimporte hat Russland derzeit mehr Geld als genug. Die US-Ratingagentur Moody´s hat dennoch heute den Zahlungsausfall Russlands erklärt, weil Moskau wegen der Sanktionen des Westens einige Zinszahlungen auf russische Staatsanleihen nicht rechtzeitig zahlen konnte. Die internationalen Wirtschaftssanktionen zwingen Russland zwar nicht kurzfristig in die Pleite. Dennoch schwächen die Strafmaßnahmen Russlands Energieriesen Gazprom und Rosneft langfristig erheblich, wie unsere Kollegin Anna Driftschröer recherchiert hat. Besonders schwer treffen Gazprom und Rosneft derzeit die Einfuhrverbote: Es fehlen Materialien, Logistik und Arbeitskräfte, die für Wartung und Ausbau von Feldern und Raffinerien nötig sind. Zudem stehen nach dem Rückzug westlicher Partner wie Shell, BP und ExxonMobil wichtige Zukunftsprojekte auf der Kippe. Russland ist noch lange nicht pleite, aber die Sanktionen bereiten jetzt schon Schmerzen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Carrera-Revell-Chef Stefan Krings

Carrera-Revell-Chef Stefan Krings

Foto: Robert Ratzer
  • Carrera soll erneut verkauft werden: Spurwechsel, überholen, beschleunigen – aber bloß nicht aus der nächsten Kurve fliegen: Beim Wettrennen auf der Carrera-Bahn gewinnen in der Regel diejenigen, die ihr Plastikauto nur in Ausnahmefällen wieder per Hand auf die Bahn setzen müssen. Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Quantum Capital Partners hat offenbar den Spaß am Rennauto-Spezialisten Carrera verloren: Obwohl Corona-Lockdown und Homeschooling den Umsatz um fast 30 Prozent nach oben getrieben haben, will der Eigentümer wohl verkaufen. Scheinbar geht die Sorge um, dass steigende Rohstoffkosten sowie die schwierige Lage im Produktionsstandort China Carrera erneut aus der Kurve tragen könnten. Wie Carrera-Revell-Chef Stefan Krings in dieser Situation den Spurwechsel meistern will, berichtet unsere Kollegin Hannah Steinharter auf manager-magazin.de.

    Herzlich, Ihr Kai Lange

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