Christoph Rottwilm

Der Tag im Überblick Chemieunterricht für Autofahrer

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit zu wenig Harnstoff für Dieselautos, einem 70-Milliarden-Zukauf von Microsoft und zu vielen vertanen Möglichkeiten im Projektmanagement.

CH4N2O – wer im Chemieunterricht aufgepasst hat, weiß, was sich dahinter verbirgt. Die Verbindung von Ammoniak und Kohlendioxid nennt sich Harnstoff. Es ist eine wässrige Chemikalie, ohne die Millionen Autos nicht fahren können: Harnstoff wird benutzt, um die Abgase von Dieselmotoren zu reinigen. Der Verband der Autoindustrie besitzt die Marke, unter der das Mittel in Deutschland vermarktet wird: AdBlue.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil AdBlue momentan extrem knapp ist, und weil die Preise dafür deshalb bereits explosionsartig in die Höhe geschossen sind. Seit Monaten macht das Schlagwort Mangelwirtschaft die Runde, die Chipkrise etwa macht Autoherstellern und anderen Branchen zu schaffen. Den Mangel an Harnstoff bekommen neben Logistikunternehmen aber auch Privatleute unmittelbar zu spüren. Viele Firmen haben bereits Notvorräte angelegt. Der ADAC befürchtete schon die Stilllegung von Millionen Autos, doch er rät, Ruhe zu bewahren: Hamsterkäufe, so der Autoclub, könnten die Harnstoff-Krise noch verschärfen.

Warum Harnstoff knapp ist und ob sich die Lage bald wieder entspannt, hat meine Kollegin Maren Jensen recherchiert.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Mehr Macht, mehr Geld: Karriere-Peak für Telekom-CEO Timotheus Höttges

Mehr Macht, mehr Geld: Karriere-Peak für Telekom-CEO Timotheus Höttges

Foto:

Oliver Berg / dpa

  • Telekom-Chef ganz oben: Timotheus Höttges hat den ehemaligen Staatskonzern aus der Stagnation befreit und befindet sich auf dem Gipfel seiner Macht, schreibt mein Kollege Philipp Alvarez. Belohnung: Kürzlich erhielt Höttges eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Dabei musste Noch-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner, der in Kürze durch Post-CEO Frank Appel ersetzt werden soll, heftig um den Topmanager werben: Höttges erhielt offenbar eine stattliche Gehaltserhöhung .

  • Comeback für Bosch: Vor drei Jahren verabschiedete sich der Zulieferkonzern aus dem Markt für Batteriezellen – nun steht er vor einem Comeback. Wie meine Kollegen Margret Hucko und Michael Freitag berichten, will Bosch gemeinsam mit Volkswagen Maschinen für die Batteriezellenproduktion herstellen. Am Montag unterschrieben beide Firmen eine Absichtserklärung – im zweiten Halbjahr soll die neu gegründete Allianz richtig starten .

  • Riesendeal in der Gaming-Branche: Für sagenhaft anmutende 70 Milliarden US-Dollar kauft Microsoft den Videospielehersteller Activision Blizzard. Microsoft baut die Spielekonsole XBox, Activision steht für Hits wie "Call of Duty", "Overwatch" und "Candy Crush". Investoren finden offenbar, dass die Verbindung vor allem für Activision Sinn ergibt – die Aktie schoß in die Höhe, während das Microsoft-Papier deutlich nachgab.

  • Hohe Nachfrage nach Lastwagen: Die LKW-Hersteller Traton verbuchte im vergangenen Jahr deutlich mehr Bestellungen. In der zweiten Jahreshälfte wurde die VW-Tochter allerdings wie alle LKW-Hersteller von der Chipkrsie ausgebremst, der Absatz stieg deswegen nur um ein gutes Drittel. Härter traf die Chipkrise Konkurrent Daimler Truck. Das Unternehmen konnte seinen Absatz 2021 um ein Fünftel steigern, blieb aber wegen der Chipkrise unter dem Vorkrisenniveau.

  • Weiterer Abgang bei Curevac: Seit 16 Jahren arbeitet Mariola Fotin-Mleczek für die Biotechfirma aus Tübingen, zuletzt als Technologiechefin – doch nun ist Schluss. Die Polin will in ihre Heimat zurückkehren, um dort ein Unternehmen aufzubauen. Bei Curevac steht also die Neubesetzung eines Spitzenpostens an. Wieder mal.

Abreise in die Heimat: Mariola Fotin-Mleczek verlässt Curevac

Abreise in die Heimat: Mariola Fotin-Mleczek verlässt Curevac

Foto: CureVac

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Sie kennen es vielleicht auch: Immer mehr Arbeit in Unternehmen wird in Projekten erledigt. Schon 2017 schätzten Experten, dass der Wert projektorientierter Wirtschaftsaktivitäten weltweit von damals zwölf Billionen US-Dollar auf 20 Billionen US-Dollar im Jahr 2027 ansteigen würde. Das Problem ist nur: Lediglich ein Drittel aller Projekte enden mit einem Erfolg. Der Rest: Zeitverschwendung, Geldgräber, vertane Möglichkeiten. Wie es besser laufen kann, beschreibt Management-Dozent Antonio Nieto-Rodriguez in der Titelgeschichte des neuen Harvard Business managers. Seine These: Unternehmen brauchen einen neuen Projektmanagementansatz, der traditionelle und agile Methoden kombiniert. Nur so können sie bestehen im: Zeitalter der Projekte. 

  • Und auch heute noch einmal der Hinweis: Diesen Newsletter können Sie jetzt auch hören. Unseren "Der Tag"-Podcast finden Sie täglich ab 18 Uhr auf manager-magazin.de und überall, wo es Podcasts gibt, zum Beispiel bei Spotify  und Apple . Hören Sie gerne rein.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm