Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit Panikattacken statt Work-Life-Balance

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit psychischen Problemen von Highperformern, neuen Vorschriften aus China und Verbrauchersorgen wegen Strafzinsen.

Träumen Sie davon, weniger zu arbeiten, aber nicht weniger zu verdienen? Dann sollten Sie Ihrem Chef oder Ihrer Chefin die jüngsten Erkenntnisse aus einem Arbeitszeit-Experiment aus Island zeigen: Die Teilnehmer reduzierten ihre Wochenarbeitszeit von 40 auf 36 oder 35 Stunden. Dadurch fühlten sie sich nicht nur weniger gestresst und seltener Burn-out-gefährdet. Auch blieb ihre Produktivität gleich oder verbesserte sich sogar. Damit könnte der Traum vieler Angestellter für Arbeitgeber eigentlich eine attraktive Option werden.

Man könnte meinen, dass Konzepte guter Work-Life-Balance in der "New Work"-Welt bereits gelebt würden. Doch meine Kolleginnen Sonja Banze und Christina Kyriasoglou zeichnen ein völlig anderes Bild von der Start-up-Szene. Sie erleben Gründer am Limit, Topleister, die vom Druck der Investoren getrieben am Belastungslimit ackern. Über allem der Silicon-Valley-Spirit, wo Essen und Schlafen als Zeitverschwendung gelten und auch mal mit Microdosing an der eigenen Leistungssteigerung geschraubt wird. Mentale Probleme, wie Panikattacken, von welchen etwa Einhorn-Gründer Philip Siefer berichtet, sind da nicht verwunderlich. Sich aber Hilfe zu holen, gilt in der Szene nach wie vor als großes Stigma. Über das "work hard, play hard", die Ängste der Jungunternehmer und wie sie damit fertigwerden, berichten meine Kolleginnen hier: Wie Highperformer mit Panikattacken und Überforderung umgehen 

Philip Siefer (r.) hat "gestanden": Der Einhorn-Gründer war einer der Ersten, der offen über seine Panikattacken redete. Danach haben er und sein Mitgründer Waldemar Zeiler (l.) umgesteuert.

Philip Siefer (r.) hat "gestanden": Der Einhorn-Gründer war einer der Ersten, der offen über seine Panikattacken redete. Danach haben er und sein Mitgründer Waldemar Zeiler (l.) umgesteuert.

Foto: Verena Brandt

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Kahlschlag im Filialnetz der Commerzbank wird konkreter: 340 Zweigstellen will die Bank bundesweit bis 2022 schließen, viele davon noch im laufenden Jahr. Konzernchef Manfred Knof will bis Ende 2024 außerdem die Arbeitsstellen von etwa 39.500 auf 32.000 drücken.

  • Während die zunehmende Nutzung digitaler Angebote bei den Banken Jobs kostet, beschert sie der Post einen Boom. Dank des florierenden Online-Handels steuert die Deutsche Post auf Rekordkurs und hebt ihre Jahresprognose erneut an.

  • Die deutschen Premiumhersteller haben im ersten Halbjahr deutlich mehr Autos verkauft. Dabei hat BMW mit 1,34 Millionen abgesetzten Fahrzeugen die Spitzenposition von Mercedes-Benz zurückerobert. Auch bei E-Autos liegen die Münchener vorn.

  • China hat eine deutlich schärfere Kontrolle von an ausländischen Börsen notierten chinesischen Unternehmen angekündigt. Aus Gründen des Datenschutzes, heißt es offiziell. Für die Firmen und Investoren hat das weitreichende Folgen – wie erst vor wenigen Tagen der Fahrdienstvermittler Didi Chuxing zu spüren bekam, nachdem die Firma gegen den Willen der Cyber-Aufsicht an die New Yorker Börse gegangen war.

Didi-Präsidentin Jean Liu: Pekings Download-Verbot für die Didi-App hat die Aktien um 25 Prozent einbrechen lassen

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Foto: KIM KYUNG-HOON / REUTERS

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Immer mehr Familienunternehmen lassen ihre Geschäftsführer von einem Beirat kontrollieren. Die Aufsichtsgremien sind ihnen Berater, Coaches, Impulsgeber. Doch was in den Gremien häufig fehlt, ist digitale Expertise. Restrukturierungsexperte Ulvi Aydin erklärt, was für den Job wichtig ist und warum "Friends, Family and Fools" keine geeignete Besetzung sind. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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