Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit einem spac-takulären Börsentrend

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Milliardengeschäft der Spac-Börsengänge, der skurrilen Führungstruppe von Playmobil und dem Absturz der Beraterikone McKinsey.

Der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Stefan Krause tut es, Ex-Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier ebenfalls, dazu noch Rocket-Internet-Vormann Oliver Samwer, der deutsche Investor Christian Angermayer sowie eine illustrie Reihe mehr oder weniger schillernder Wall-Street-Größen: Sie alle mischen mit beim neuen "Spac"-Boom. In den USA ist das Geschäft in den vergangenen Monaten geradezu explodiert, nun schwappt der Trend auch nach Europa. Als ganz besonderer Auswuchs des aktuellen Börsenhypes.

Das Prinzip dahinter ist schnell erklärt: Eine Spac, kurz für "Special Purpose Acquisition Company", ist eine leere Firmenhülle, die nur gegründet wurde, um erstens an die Börse gebracht zu werden, dort zweitens Kapital einzusammeln, und dann drittens ein oder mehrere andere Unternehmen zu schlucken.

Und warum dabei so viele Promis mitmachen? Das ist noch einfacher erklärt: Sie wittern ein schnelles Milliardengeschäft. Das wichtigste über die Vorteile und Risiken des neuen Geschäfts erfahren Sie in unserem Überblick.

Trendsetter: Milliardär Richard Branson brachte seine Raumfahrtfirma Virgin Galactic bereits 2019 per Spac an die New Yorker Börse

Trendsetter: Milliardär Richard Branson brachte seine Raumfahrtfirma Virgin Galactic bereits 2019 per Spac an die New Yorker Börse

Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Die VW-Tochter Porsche verschärft ihr Sparprogramm und will bis 2025 nicht nur sechs, sondern gleich zehn Milliarden Euro einsparen. Zugleich bleibt Porsche-Chef Oliver Blume bei zweistelligen Renditezielen. Für die ausführlichen Hintergründe des möglichen Börsengangs der Sportwagenfirma, der beschleunigten Elektrooffensive und des Umbaus des gesamten Volkswagen-Konzerns empfehle ich Ihnen gerne noch einmal unseren Inside-Report zur Lektüre: Wie Volkswagen zur Techcompany wird. 

  • Dass es seit Monaten keine Veranstaltungen mehr gibt und die Gastronomie dicht ist, wird auch für Deutschlands Bierbrauer zum Problem. Obwohl ihnen Einnahmen fehlen, erhalten sie kaum staatliche Hilfe. Ihre Verbände warnen nun vor Insolvenzen.

  • Boeing hat schon wieder Ärger: Infolge eines Triebwerkausfalls waren am Samstag unweit von Denver große Flugzeugteile als Trümmer vom Himmel in Wohngebiete gestürzt. Bei einer Maschine des Typs 777 hatte während des Flugs ein Triebwerk Feuer gefangen. Japan hat den Flugzeugtyp umgehend aus dem Verkehr gezogen, die US-Luftfahrtbehörde FAA prüft ebensolche Konsequenzen.

  • Noch am Sonntag flog der Bitcoin-Kurs über seine neue Bestmarke von 58.000 US-Dollar. Unter den Anheizern des Kaufrauschs war einmal mehr Elon Musk, der lax getwittert hatte, in Zeiten von Negativzinsen würde sich "nur ein Narr nicht nach Alternativen umschauen". Die neue Woche beginnt aber mit einer recht harten Landung für die Kryptowährung, binnen Stunden büßte sie rund 10 Prozent ein.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Sehstörung: Die Geschäfte laufen nicht, die Mitarbeiter werden überwacht

Sehstörung: Die Geschäfte laufen nicht, die Mitarbeiter werden überwacht

Foto: Daniel Delang
  • Seit 2015, dem Todesjahr des langjährigen Patrons und Inhabers Horst Brandstätter, regiert bei Playmobil das Chaos. Absurde Machtkämpfe, Druck und Planlosigkeit beschäftigen und beschädigen Deutschlands bekanntesten Spielwarenhersteller. Schuld daran ist die wohl skurrilste Führungstruppe der Republik. Mittendrin die Sekretärin des verstorbenen Inhabers, die als Testamentsvollstreckerin darüber wachen soll, dass alles so bleibt, wie es ist ( – was alles nur immer schlimmer macht). Mein Kollege Martin Mehringer hat das irre Regiment bei Playmobil durchleuchtet. 

  • MacKenzie Scott hat an der Seite von Jeff Bezos den Aufstieg von Amazon begleitet, ohne ins Rampenlicht zu drängen. Selbst als Anfang 2019 ein aberwitziger Skandal um eine Affäre ihres Mannes und nachfolgend die "teuerste Scheidung der Welt" sie global bekannt machte, blieb sie unsichtbar, zurückgezogen, privat. Eine Schriftstellerin und Mutter von vier Kindern mit einem Vermögen von rund 60 Milliarden Dollar. Nun verschenkt sie alles, "bis der Safe leer ist". Wer ist diese Frau? Und was treibt sie an? Unseren Abonnentinnen und Abonnenten bieten wir gerne das Porträt über die Big Spenderin  aus dem aktuellen "SPIEGEL" an.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Seit Jahren hangelt sich die nach wie vor dominierende Unternehmensberatung McKinsey von Skandal zu Skandal. Zuletzt schlossen die Meckies einen 600-Millionen-Dollar-Vergleich, um die Opioidaffäre zumindest großteils zu beenden. Doch der Ärger ist damit keineswegs vorüber. Ihre Arbeit für US-Pharmakonzerne, an deren opioidhaltigen Tabletten viele Menschen starben, hat die weltgrößte Unternehmensberatung (rund 10 Milliarden Dollar Umsatz) in eine tiefe Krise gestürzt. Der Ruf, ihr wichtigstes Kapital, ist ramponiert. Die Stimmung vieler Partner, so ein Insider, sei "auf dem Gefrierpunkt". Immer lauter wird die Forderung nach einschneidenden Reformen. Mein Kollege Dietmar Student beschreibt den Absturz der Ikone McKinsey. 

  • Apropos: Bis sich Unternehmen solch ein glanzvolles Image wie McKinsey erarbeitet haben, dauert es oft Jahre. Um es zu ruinieren, reichen dagegen manchmal nur wenige Tage. Häufig wird die Fallhöhe unterschätzt, die ein hohes Renommee bedeutet. Mittlerweile setzt sich unter Managern die Einsicht durch, dass Reputation nicht dem Zufall überlassen bleiben muss, sondern betriebswirtschaftlich gesteuert werden kann. Wie Führungskräfte das Reputationskapital ihres Unternehmens schützen können, erläutert Finanzprofessor Matthias Meitner im Harvard Business manager. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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