Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Die Flauschigkeitsfrage

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Bastelauto, Lkws vor dem Börsengang und Erfolgen bei Thyssenkrupp.

Auch so kann ein Fahrzeug aussehen: Die Karosserie besteht aus Kunststoff, sämtliche Außenflächen werden mit Solarzellen umhüllt. Was man sonst noch braucht, damit das Ding sich fortbewegt, wird auf dem Markt zusammengekauft - wobei: wer Lenkung, Unterböden und die Radkästen liefern könnte, steht im Moment noch gar nicht fest.

Was klingt wie ein Do-it-yourself-Auto aus dem Baumarkt, ist in Wahrheit eine neue heiße Wette in der deutschen Elektromobilität. Sono Motors heißt das Start-up aus München, das mit geringsten Mitteln für eine bessere Welt sorgen will. Auf diesem Weg sind die drei jungen Solarexperten, die Sono 2016 gründeten, schon ein paar wichtige Schritte vorangekommen: Der Börsengang an der Nasdaq brachte eine Milliardenbewertung, erfahrene Automanager wie Thomas Hausch (ehemals Daimler, Nissan), Wilko Stark (ebenfalls Daimler) und Martina Buchhauser (Volvo Cars) verstärken Vorstand und Aufsichtsrat.

Wie es mit dem Bastelauto jetzt weitergehen soll und warum die Gründer um Laurin Hahn insgeheim vielleicht doch gar keine Autos verkaufen wollen, sondern ganz andere Pläne verfolgen, ist eine spannende Geschichte. Hier können Sie sie nachlesen: "Die Autofirma, die keine sein will." 

Furchtlose Kreative: Jona Christians und Laurin Hahn tüfteln an einem Auto mit Solarzellen.

Furchtlose Kreative: Jona Christians und Laurin Hahn tüfteln an einem Auto mit Solarzellen.

Foto: Sono Motors

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Kampf gegen Corona: Im Einzelhandel gilt ab sofort 2G. Nach den heutigen Beschlüssen von Bund und Ländern dürfen nur noch geimpfte oder genesene Kunden in Geschäften stöbern sowie Kinos oder Restaurants besuchen. Für Läden des täglichen Bedarfs gelten die Regeln nicht. Auch das Silvesterfeuerwerk fällt aus.

  • Kampf der Lieferdienste: In der Gunst der Kunden liegt der Berliner Schnelllieferdienst Flink (rasende Radler in Pink) nun vor seinem Konkurrenten Gorillas (Radler in Schwarz). Die Expansion beflügeln soll eine Finanzierungsrunde, deren exakte Höhe heute bekannt wurde: Danach hat Flink 560 Millionen Dollar erhalten. Auch Rewe ist investiert.

  • Rekord in der Spac-Welt: Platz eins unter den höchstbewerteten Unternehmen in einer Börsenhülle hält seit heute Grab - ein Essenslieferdienst! Das südostasiatische Unternehmen wird seit der Verschmelzung mit dem Börsenmantel Altimeter Growth mit 40 Milliarden Dollar bewertet. Der Gang an die Nasdaq steht bevor. Ach ja: Die Fahrer rasen per Auto, Moped oder Fahrrad und tragen Grün.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz ist kein typisches Alphatier. Die 1,63 Meter große Schwäbin fährt am liebsten Vespa und führt statt mit Dominanz lieber mit Überzeugung. Ihrer Durchsetzungskraft im maroden Essener Stahlkonzern tut das bislang keinen Abbruch. Merz und ihr Team sanieren unbeirrbar, jetzt zeigen sich Erfolge. Auf dem Kapitalmarkttag verkündete die CEO heute anspruchsvolle Ziele: Höhere Gewinnspannen, mehr Wachstum und sogar Dividenden will sie künftig wieder zahlen.

  • Und noch einmal Auto: In ein paar Tagen geht der Lkw-Bauer Daimler Truck an die Börse. CEO Martin Daum hat dem Konzern ein radikales Sparprogramm verordnet. Doch die Investoren interessiert vor allem die Elektrostrategie. Deren Erfolg ist ungewiss. Meine Kollegen Lukas Heiny, Margret Hucko und Michael Freitag haben aufgeschrieben, woran das liegt.  

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Furchtlos kreativ zu sein wie die Gründer von Sono Motors - das wäre in den ermüdenden, angstbesetzten Monaten der Pandemie wahrlich ein schönes Ziel. Wenn Sie auch zu denen gehören, die sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen können, jetzt noch auf zündende Ideen zu kommen, empfehle ich Ihnen die Tipps der beiden Coaches Susan Peppercorn und Maren Gube aus dem Harvard Business manager. Sie erläutern, wie sich Stresshormone austricksen lassen und das Blickfeld wieder frei wird. Etwa, indem Sie Ihr eigener Disruptor werden und zu erwartende Brüche im Kopf schon einmal vorplanen. Und es geht noch mehr: "Vier Wege, um unter Stress kreativ zu bleiben."  

Liefert Führung: Generalmajor Oliver Kohl, Leiter der Bundeswehrakademie in Hamburg

Liefert Führung: Generalmajor Oliver Kohl, Leiter der Bundeswehrakademie in Hamburg

Foto: Michael Gundelach / Bundeswehr

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Seit Carsten Breuer, Generalmajor des Heeres, vor zwei Tagen an die Spitze des neuen Corona-Krisenstabs im Bundeskanzleramt berufen wurde, drängt sich Managementpraktikerinnen und -praktikern im Kern eine Frage auf: Was kann er denn so, der "Corona-General", was unsereins nicht kann? Meine Kollegin Maren Hoffmann hat diese Frage an die Bundeswehr weitergereicht. Anstelle Breuers, der aktuell natürlich alle Hände voll zu tun hat, antwortete ihr ein anderer Generalmajor: Oliver Kohl, der Leiter der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.

    Im ausführlichen Interview hält der Militär der für ihre augenzwinkernden Fragen in der mm-Redaktion geschätzten Journalistin sehr lange sehr sachlich stand. Kohl erläutert die hohe "Ungewissheitskompetenz" der Bundeswehr, zitiert Immanuel Kant und führt aus, warum "einfach mal machen" gerade in der Krise keine gute Idee ist. Meine Lieblingspassage ist allerdings der Moment, in dem die beiden diskutieren, ob moderne Führungskräfte es ihren Leuten nicht auch mal ein bisschen "flauschig" machen können.

    Aber lesen Sie selbst. Und dann ab vor den Fernseher, wo sich die Bundeswehr heute ausnahmsweise mal ziemlich flauschig zeigen darf: Wenn das Stabsmusikkorps beim Großen Zapfenstreich zu Ehren der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkels Lieblingshits bläst.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn