Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit viel Heimarbeit bei Siemens

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit mehr Heimarbeit bei Siemens, einem merkwürdigen Kredit von Ex-Wirecard-Chef Braun und bizarren Anlagetipps von Prominenten via Twitter.

geht es Ihnen wie mir und vielen meiner Kollegen beim manager magazin? Sitzen auch Sie noch immer im Homeoffice, vermutlich ebenfalls seit Anfang März, kennen viele Ihrer Kollegen nur noch aus Online-Meetings oder vom Telefon? Ein Ausnahmezustand, der allmählich zur Normalität zu werden scheint.

Genau so sehen es offenbar mehr und mehr Großkonzerne in Deutschland - und finden es gut. Vor einigen Tagen machten bereits Äußerungen von Oliver Bäte (55) die Runde. Der Chef des Allianz-Konzerns werde selbst künftig teilweise von zu Hause arbeiten, dort sei er "manchmal erheblich produktiver", so Bäte. Das gilt offensichtlich auch für einen Großteil der übrigen weltweit knapp 150.000 Allianz-Mitarbeiter: Bäte will die Büroflächen auf längere Sicht um ein Drittel reduzieren - und die Hälfte der Reisekosten einsparen.

Ein Beispiel, das Schule zu machen scheint. Am heutigen Donnerstag gab Siemens bekannt, dass man über die Corona-Pandemie hinaus im großen Stil an der Heimarbeit festhalten wolle. Einem Vorstandsbeschluss zufolge sollen künftig mehr als die Hälfte der weltweit rund 240.000 Siemens-Mitarbeiter zwei bis drei Tage pro Woche nicht mehr ins Büro oder ins Werk kommen müssen. Für Roland Busch (55), der bei Siemens davorsteht, den Chefposten von Joe Kaeser (63) zu übernehmen, handelt es sich dabei um nicht weniger als "eine Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur. Damit verbunden ist auch ein anderer Führungsstil, der sich an Ergebnissen orientiert, nicht an der Präsenz im Büro."

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Ein Anlageratschlag zum Kauf von Bitcoins, gesendet von Microsoft-Gründer Bill Gates (64), von New Yorks Ex-Bürgermeister und Medienunternehmer Michael Bloomberg (78) oder gar von Ex-US-Präsident Barack Obama (58)? Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter konnten sich in der Nacht zum Donnerstag über solche fragwürdigen Krypto-Tipps wundern, doch die kamen nicht wirklich von den prominenten Absendern. Unbekannte hatten sich in zahlreiche Twitteraccounts berühmter Nutzer gehackt und die Botschaften in deren Namen verbreitet. An dem Coup waren vermutlich auch Twitter-Mitarbeiter beteiligt - ein Super-GAU für das Unternehmen, zumal im US-Wahlkampfjahr.

  • Im Streit um die russisch-deutsche Gaspipeline Nord Stream 2 setzen die USA auf Konfrontation. Beteiligten Firmen wie der BASF-Tochter Wintershall Dea oder Uniper drohen sie nun offen mit Sanktionen.

  • Sagt Ihnen der Firmenname "Stellantis" etwas? Nein? Das ist okay, denn es gibt ihn momentan noch gar nicht. Fiat Chrysler und die Opel-Mutter PSA haben sich diesen Namen für die Holding ausgesucht, die nach der Fusion beider Unternehmen über dem dann entstandenen Großkonzern stehen soll. "Stellantis" also, abgeleitet vom lateinischen Wort "Stella" für "Stern". Die Verbindung zur Astronomie fange den wahren Geist des Optimismus, der Energie und der Erneuerung ein, der dieser Fusion zugrunde liege. Ab 2021 wird sich zeigen, ob diese Zuversicht berechtigt ist.

Meine Empfehlung für den Abend:

Huawei-Stand auf einer Messe in Asien.

Huawei-Stand auf einer Messe in Asien.

Foto: Aly Song/ REUTERS
  • Großbritanniens Premier Boris Johnson (56) schloss vor wenigen Tagen den chinesischen Konzern Huawei von den Plänen der Briten für ein schnelles 5G-Mobilfunknetz aus. Das lenkt den Blick auch auf andere Länder wie Deutschland, die ebenfalls entscheiden müssen, wie sie den Konzern aus Fernost auf dem Weg in die telekommunikative Zukunft behandeln wollen. Zeitgleich sorgen die Chinesen mit ihrem neuen sogenannten "Sicherheitsgesetz" für Hongkong weltweit für Empörung, fachen den Streit mit den USA wieder an, die spontan mit Sanktionen gegen die Volksrepublik reagierten.
    Die Frage, die über alldem schwebt, lautet: Ablehnung oder Kooperation - wie soll der Westen mit China und dort ansässigen ernst zu nehmenden Playern wie Huawei langfristig umgehen? Einer, der Antworten darauf hat, ist Politikberater Mikko Huotari (38), Chef der Denkfabrik Merics in Berlin. Im Gespräch mit meinem Kollegen Christian Schütte  hat er einige davon verraten.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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