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Marleen Gründel

Der Freitag im Überblick Siemens Energy und das Himmelfahrtskommando

Marleen Gründel
Von Marleen Gründel Redakteurin manager magazin
Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer erfolglosen Energiewende, einer gefährlichen App und einem optimistischen Ökonomen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

diverse Gewinnwarnungen, hohe Verluste und ein zunehmender Kapitalbedarf haben Siemens Energy in einen Schadensfall der deutschen Industrie verwandelt. Seit dem Börsengang im September 2020 ist die Marktkapitalisierung um 42 Prozent auf rund neun Milliarden Euro gesunken. Dabei ist das, was Siemens Energy anbietet, von Turbinen für Gaskraftwerke über Umspannwerke und Hochspannungsutensilien bis hin zu Windkraftanlagen, in Zeiten der Energiewende so nötig wie nie zuvor.

Vor allem die Windkrafttochter Siemens Gamesa belastet das Geschäft. Während die Windparkbetreiber riesige Gewinne einfahren, schreibt der Windradhersteller desaströse Zahlen, wie gestern bei der Bilanzvorlage einmal mehr deutlich wurde. Verantwortlich dafür sind zum einen die Onshore-Windräder, die sich Siemens Energy 2017 mit der Mehrheitsübernahme der spanischen Gamesa einverleibte – einer der wohl größten Fehlkäufe des damaligen Siemens-Chefs Joe Kaeser. Zum anderen aber auch eine folgenschwere Vertragsgestaltung, die ein Durchreichen der drastisch angestiegenen Stahlpreise verhindert. Gleichzeitig hat sich auch der Preiskampf mit chinesischen Anbietern, die ihre Anlagen bis zu 30 Prozent billiger anbieten, extrem verschärft.

Unser Kollege Martin Noé ist tief eingetaucht in die Geschichte und Gegenwart des Konzerns und beschreibt in einem Inside-Report die Gründe für den Niedergang von Siemens Energy , warum Vorstandschef Christian Bruch die defizitäre Windkrafttochter trotz allem vollständig integrieren will und warum die Regierung in Berlin ein Interesse daran hat, ihm bei der Sanierung zu helfen .

Guter und erfahrener Manager: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch ist die letzte Hoffnung von Siemens-Chef Roland Busch

Guter und erfahrener Manager: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch ist die letzte Hoffnung von Siemens-Chef Roland Busch

Foto: Daniel Hofer / DER SPIEGEL

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Apple erreicht Börsenrekord: Am Donnerstag ist der Börsenwert des iPhone-Konzerns um sagenhafte 191 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist der höchste Zuwachs, den jemals ein Konzern an der Börse binnen eines Tages erreicht hat. Eigentlich legte die Apple-Aktie im Zuge des weltweiten Kursfeuerwerks, das die Börsen infolge des abnehmenden Inflationsdrucks in den USA zündeten, gestern nur um knapp 9 Prozent zu. Doch bei einer Marktkapitalisierung von rund 2,15 Billionen Dollar wirkt sich so ein Kurssprung eben ungleich stärker aus. Apple hat nun mit einem Börsenwert von 2,3 Billionen Dollar seine Position als teuerstes Unternehmen der Welt gefestigt.

  • FTX stellt Insolvenzantrag: Die Kryptobörse hat nach den gescheiterten Rettungsversuchen in den USA Gläubigerschutz beantragt. Gleichzeitig ist FTX-Gründer Sam Bankman-Fried von seinem Posten als Vorstandschef zurückgetreten. Zuvor hatte die Wertpapieraufsicht bereits das Vermögen der auf den Bahamas ansässigen Kryptoplattform eingefroren. FTX war am vergangenen Sonntag nach enormen Mittelabzügen in Liquiditätsnot geraten.

  • Twitter droht Pleite: Kaum zwei Wochen nach der Übernahme des Kurznachrichtendienstes durch Elon Musk warnt der neue Chef die verbliebenen Mitarbeiter offenbar vor einer Zahlungsunfähigkeit des Konzerns. Der reichste Mensch der Welt macht dafür auch einen Umsatzeinbruch verantwortlich, der eingetreten war, weil einige große Werbekunden ihre Anzeigen auf Twitter ausgesetzt hatten.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Verstaatlichung von Uniper: Seit Ende September ist klar, dass der Bund den schwer angeschlagenen Gasversorger übernehmen wird. Der Staatseinstieg soll nach Informationen unseres Kollegen Dietmar Student noch vor Weihnachten abgeschlossen werden . Zudem ist der Headhunter Egon Zehnder mit der Suche nach geeigneten Aufsichtsräten beauftragt. Und auch im Vorstand zeichnet sich ein Umbau ab.

  • Die Sucht-App Tiktok: Keine andere App wächst so rasant wie die chinesische Kurzvideoplattform. Und kein anderer Dienst saugt gleichzeitig so viele Daten seiner User ab und verstärkt damit offensichtlich den Suchtcharakter. Für unseren wöchentlichen Podcast "Das Thema" hat unsere Tiktok-Expertin Mirjam Hecking mit unserem Chefredakteur Sven Clausen über die Gefahren der App gesprochen. Hören Sie doch mal rein! Dazu möchte ich Ihnen hier auch noch einmal die umfangreiche Analyse von Mirjam Hecking über die unheimliche Techmacht Tiktok  ans Herz legen.

App mit Suchtpotenzial: Rund 90 Minuten verbringen die zumeist weiblichen Nutzerinnen auf Tiktok – pro Tag wohlgemerkt

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Foto: Jon Kopaloff / Getty Images

Die besten Originaltexte aus dem aktuellen "Economist":

Der Veranstaltungstipp des Tages:

  • Ein letztes Mal möchten wir Sie auf "Mentale Stärke im Berufsleben" aufmerksam machen, den aktuellen Kurs unserer Kollegen von manage › forward. Sie möchten Stress und Krisen souverän im Wissen um Ihre eigene Stärke angehen und dabei Kraft aus vielen unterschiedlichen Lebensbereichen und Ressourcen ziehen? Dann schauen Sie hier, wie der Kurs Ihnen dabei helfen kann. Die Anmeldung ist nur noch heute bis 23.59 Uhr möglich. Und nicht vergessen: Der-Tag-Leser erhalten mit dem Code DERTAG50 50 Euro Rabatt.

Meine Empfehlung für den Abend:

Es wird hart: Der Konflikt zwischen China und den USA bereitet Ökonom Olivier Blanchard große Sorgen

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Foto:

Thomas Pirot für manager magazin

  • Inflation ist beherrschbar: Auch wenn die US-Inflationsrate zuletzt den vierten Monat in Folge gesunken ist, liegt sie mit 7,7 Prozent noch immer deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der US-Notenbank Fed. Doch ein Ende ist laut Starökonom Olivier Blanchard bereits in Sicht: "Schon Ende 2023 wird die Teuerungsrate sowohl in den USA als auch in Europa wieder bei 2,5 bis 3 Prozent liegen", erklärt der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds im Interview mit unseren Kollegen Christian Schütte und Mark Böschen. Wer seiner Meinung nach für die hohe Inflation verantwortlich ist, erfahren Sie hier . Spoiler: Es ist nicht Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende, Ihre Marleen Gründel

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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