Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Öko statt Öl und Liebe zum Job

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Ölmulti auf dem Weg zur Nachhaltigkeit, einer krachenden Niederlage für Bayer und drei Fragen, mit denen Sie herausfinden, ob Sie den richtigen Job haben.

In Wesseling bei Köln lässt sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ölriesen Shell besichtigen. Aus der riesigen Raffinerie, die Erdöl zu Benzin und Kerosin veredelt, strömt Dampf, Lärm und Schwefelgeruch. Gleich daneben, in einem unauffälligen Flachbau, produziert Shell Wasserstoff und damit das Erdöl der Zukunft. Der "Refhyne I" ist einer der ersten größeren funktionstüchtigen Elektrolyseure der Welt.

Öko statt Öl: Europas größter Mineralölkonzern hat den Umbau zum grünen Konzern beschlossen. Die Raffinerie in Wesseling soll 2025 außer Betrieb gehen. Doch mit dem schon totgesagten, stinkenden Raffineriegeschäft verdient Shell derzeit Milliarden Euro. Die kriegsbedingte Energiekrise verschafft den Traditionalisten im Konzern Gehör, die es mit dem Ausstieg aus fossilen Energien nicht so eilig haben.

Mit den rekordhohen Ölpreisen brechen alte Grabenkämpfe wieder auf. Der Weg vom Klimasünder zum Klimaschützer ist für "Big Oil" besonders weit, und der Wandel fällt noch heute schwer. Das alte Geschäft funktioniert einfach zu gut. Zwischen Antreibern und Bremsern tummeln sich auch Renditejäger, die eine Aufspaltung von Shell in einen schmutzigen und einen sauberen Teil fordern. Was dieses Kräftemessen für den Umbau des Öl-Multis bedeutet und wann Shell wirklich bei den Erneuerbaren Energien ankommt, beschreibt unsere Kollegin Kirsten Bialdiga in ihrer Story "Shell und der zögerliche Abschied von den Tank-Milliarden".

Ausgelodert: Die Fackel soll in der Shell-Raffinerie am Standort Wesseling 2025 erlöschen. Ein Wasserstoff-Elektrolyseur wird das neue Herzstück der Anlage

Ausgelodert: Die Fackel soll in der Shell-Raffinerie am Standort Wesseling 2025 erlöschen. Ein Wasserstoff-Elektrolyseur wird das neue Herzstück der Anlage

Foto: Christoph Hardt / Geisler-Fotopress / dpa / picture alliance

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Minderjähriger mit eigener Firmengruppe: Mit 13 der erste Job, mit 15 das erste Unternehmen und mit 17 gleich mehrere GmbHs gegründet: Patrick Scherzinger mischt von seinem Zimmer aus im Business mit und gehört zu den jüngsten Unternehmern Deutschlands. Statt Computerspiele zu spielen, beschloss er, Webseiten zu gestalten: "Mir reichte die virtuelle Welt nicht mehr – ich wollte im richtigen Leben gewinnen", erzählt der 17-Jährige heute. Unsere Kollegin Sina Osterholt hat mit dem erfolgreichen Frühstarter gesprochen. Ihr Portrait über Patrick Scherzinger finden Sie hier.

Die Personalie des Tages:

  • Mercedes holt neuen Chefstrategen: Mercedes-Benz will sich künftig offenbar noch stärker am chinesischen Markt orientieren: Ab Juli übernimmt der Hongkonger Paul Gao die neu geschaffene Funktion als Chief Strategy Officer des Unternehmens. Zuletzt war Gao als Senior Partner bei McKinsey in Hongkong tätig, wo er multinationale und chinesische Automobilunternehmen beriet. Der Ex-Berater wird Mercedes-Eigengewächs Carolin Strauß vor die Nase gesetzt, die erst zum Jahreswechsel als Strategiechefin eingesetzt wurde.

Meine Empfehlung für den Abend:

Für immer mit Tinte verewigt: Die Wiener Fotografin Zara Pfeifer tauchte für ihre Serie "Good Street!" in die Welt der Fernfahrer ein.

Für immer mit Tinte verewigt: Die Wiener Fotografin Zara Pfeifer tauchte für ihre Serie "Good Street!" in die Welt der Fernfahrer ein.

Foto: Zara Pfeifer / Connected Archive
  • Ist es Liebe oder ein Job? Raten Sie mal spontan: Was sind die schlagkräftigsten drei Faktoren für Mitarbeiterbindung und Engagement? Eine Erhebung, für die 50.000 Erwerbstätige befragt wurden, zeigt: Es ist nicht die Bezahlung, nicht die tolle Kantine, nicht die sympathischen Kollegen. All diese Faktoren sind relevant. Aber keiner war so signifikant wie die Antworten auf die folgenden drei Fragen: War ich vergangene Woche jeden Tag mit Freude bei der Arbeit? Hatte ich jeden Tag die Möglichkeit, meine Stärken einzusetzen? Gibt mir die Arbeit Gelegenheit, das zu tun, was ich gut kann und was ich liebe? Der Bestseller-Autor Marcus Buckingham hat im Harvard Business manager aufgeschrieben, wie Unternehmen Jobs so gestalten, dass sie mehr Freude machen. Seinen Text "Lieben Sie Ihre Arbeit?" finden Sie hier.

Herzlich, Ihr Kai Lange