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Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Strauchelnde Gasversorger und lukrative Börsengänge

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem düsteren Ausblick eines Gasversorgers, dem verlockenden Ausblick eines Autobauers und dem emissionsfreien Ausblick in die Luftfahrtbranche

Es ist so etwas wie die Frage der Woche: Liefert Russland wieder Gas oder nicht? Am kommenden Donnerstag sollen die alljährlichen Wartungsarbeiten an der Gaspipeline Nord Stream 1 nach elf Tagen abgeschlossen sein. So lautet zumindest der Plan. Doch derzeit sieht es nicht danach aus, dass ab diesem Zeitpunkt auch wirklich wieder russisches Gas durch die Pipeline nach Deutschland fließt.

Der russische Staatskonzern Gazprom macht die künftige Lieferung von dem Erhalt einer Verdichterturbine abhängig, die von Siemens Energy in Kanada gewartet wurde und bisher wegen der Sanktionen nicht an Russland zurückgegeben werden durfte. Der kanadische Premier Justin Trudeau hat sich inzwischen aber dafür entschieden, das Aggregat zumindest an Deutschland zu übergeben. Russischen Medienberichten zufolge soll die Turbine am Sonntag mit dem Flugzeug nach Deutschland gebracht worden sein. Nun könnte es noch weitere fünf bis sieben Tage dauern, bis die Turbine in Russland ankommt – falls es keine Probleme mit der Logistik oder dem Zoll gibt.

Für Egbert Laege, den neuen Chef der ehemaligen Gazprom-Tochter Gazprom Germania, wird es damit immer schwieriger, seine Aufgabe zu erfüllen: die Versorgung von Unternehmen und Haushalten mit ausreichend Energie. Laege hat im April quasi von jetzt auf gleich einen der aktuell wichtigsten Jobs des Landes übernommen, als der russische Staatskonzern seine Deutschland-Tochter ohne Vorwarnung abstieß. Unsere Kollegin Kirsten Bialdiga hat mit ihm gesprochen und berichtet, wie der erfahrene Energiemanager nun das Chaos verhindern will und warum er trotz aller Zuversicht mit dem Schlimmsten rechnet: "Wir müssen uns für das Szenarion wappnen, dass gar nichts mehr geht." 

Mangelverwalter: Energiehändler Egbert Laege ist eine der Schlüsselpersonen der aktuellen Lage

Mangelverwalter: Energiehändler Egbert Laege ist eine der Schlüsselpersonen der aktuellen Lage

Foto: Jeibmann Photographik

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Uniper und die Geldnot: Auch beim größten deutschen Importeur von russischem Erdgas spitzt sich die Lage weiter zu. Der Gasversorger Uniper hat nun eine Kreditlinie der staatlichen Förderbank KfW über zwei Milliarden Euro in Anspruch genommen. Wie lange das Geld reichen wird, um den Konzern zu stabilisieren, hängt von der weiteren Entwicklung des Gaspreises ab. Uniper leidet unter den extrem hohen Preisen. Der Energieversorger muss am teuren Spotmarkt Gas zukaufen, um die Verpflichtungen gegenüber seinen Kunden zu erfüllen, und macht damit hohe Verluste. Derzeit laufen Gespräche über eine staatliche Rettung des Unternehmens.

  • Porsche und die Renditen: Noch immer steht die endgültige Entscheidung über einen Porsche-Börsengang aus. Das hängt unter anderem auch davon ab, ob sich genügend Investoren für den Sportwagenbauer finden. An zu niedrigen Renditezielen soll es jedenfalls nicht scheitern, Finanzvorstand Lutz Meschke lockt Kapitalgeber auf einer Investorenveranstaltung mit langfristigen Umsatzrenditen von mehr als 20 Prozent. Margen von Morgen – genau das Richtige für eine Roadshow.

  • GSK und der Börsengang: Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) hat seine Konsumgütersparte heute unter dem Kunstnamen Haleon an die Börse gebracht. Es war zwar der größte Börsengang auf dem Londoner Parkett seit rund einem Jahrzehnt, mit rund 37 Milliarden Euro ist die Bewertung jedoch deutlich niedriger als von Analysten erwartet. GSK hat seinen Anteil an Haleon mit dem Börsengang von 68 auf 14 Prozent reduziert, größter Anteilseigner ist der US-Pharmakonzern Pfizer.

  • H&M und der Krieg: Der schwedische Modekonzern zieht sich aus Russland zurück. Nachdem bereits etliche Händler das Land verlassen haben, will nun auch H&M sein Geschäft komplett aufgeben, erklärte Vorstandschefin Helena Helmersson den "unausweichlichen" Schritt. Bereits unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte die Modekette ihre Filialen in Russland geschlossen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Italien und die Zinsen: Am Donnerstag wird die Europäische Zentralbank wohl endlich damit beginnen, im Kampf gegen die grassierende Inflation die Leitzinsen anzuheben. Italien, einer der am höchsten verschuldeten Staaten der Welt, könnte das allerdings bis an den Rand der Staatspleite führen. Nun verschärft auch noch die Regierungskrise rund um Ministerpräsident Mario Draghi die Situation. Unser Kolumnist Henrik Müller zeigt auf, warum die prekäre Lage in Italien uns alle angeht: "Alles hängt an Draghi."

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Frauen und die Führungsqualitäten: Weisheit und Mitgefühl sind einer aktuellen Studie des weltweit tätigen Beratungsunternehmens Potential Project die zwei wichtigsten Eigenschaften einer Führungskraft. Und diese Eigenschaften beherrschen Frauen der Untersuchung zufolge doppelt so gut wie Männer. Unsere Kollegen vom Harvard Business manager haben die Ergebnisse der Studie zusammengefasst und berichten auch darüber, welches Geschlecht in den Unternehmen höhere Kosten verursacht: "Frauen im Vorteil." 

Meine Empfehlung für den Abend:

Fliegen ohne Emissionen: Alternative Antriebsarten sind noch zu unausgereift, die Branche setzt daher auf synthetische Kraftstoffe

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Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa
  • Flugzeuge und die CO2-Emissionen: Bis 2050 will die Europäische Union klimaneutral werden, Deutschland will dieses Ziel bereits 2045 erreichen. Auch die Luftfahrtbranche muss daher ihre CO2-Emissionen deutlich reduzieren – und das bei steigender Nachfrage. Alternative Antriebsarten wie Wasserstoffjets oder Elektroflugzeuge stecken allerdings noch in der frühen Entwicklung. Hoffnungsträger sind die sogenannten Sustainable Aviation Fuels, also synthetische Kraftstoffe, die ohne die Verwendung von fossilen Energiequellen hergestellt und in den heutigen Flugzeugturbinen verbrannt werden können. Wir haben uns einmal angeschaut, wie diese Treibstoffe funktionieren und vor welchen Problemen Hersteller und Fluggesellschaften noch stehen: "Wie die Luftfahrt sauber werden will."

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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