Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Kein Stau am Himmel

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem deutschen Überflieger im Silicon Valley, dem Zulassungsboom von E-Fahrzeugen in Europa und dem Comeback einer Piano-Legende.

Was braucht es, damit die Menschen effizient, leise, sicher, schnell und Stau-frei vorankommen? Ein aerodynamisch ausgeklügeltes Individualflugzeug. So lautet jedenfalls die Antwort von Google-Gründer Larry Page und dem gebürtigen Solinger Hightech-Innovator Sebastian Thrun.

Mithilfe von Pages schier unerschöpflichem Privatvermögen soll ihre gemeinsame Vision vom Verkehr in der dritten Dimension wahr werden. Als Chef der Firma Kitty Hawk hat Thrun inzwischen drei verschiedene Flugmodelle entwickelt und erprobt, zugelassen ist noch keines. Den Marktstart erhofft man sich für 2025, womit Thrun langsamer als die Flugtaxi-Konkurrenz sein dürfte. Allerdings soll Kitty Hawk auch von Anfang an autonom fliegen – der Zwischenschritt mit einem menschlich gesteuerten Modell wäre ihm einfach zu langsam. Die futuristischen Flieger sollen schließlich nicht nur in seiner Wahlheimat Kalifornien Pkws überflüssig machen und die endlosen Staus auflösen, sondern die individuelle Mobilität weltweit revolutionieren.

Den Transformer des Luftraums und Überflieger aus dem Silicon Valley  hat mein Kollege Michael Kröher porträtiert.

Innovator: Schon bei Google sorgte Sebastian Thrun für die Moonshot-Projekte – jetzt will er wieder abheben

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Foto: PR

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Der Zulassungsboom von Elektroautos ebbt in Europa nicht ab. Eine neue Marktstudie zeigt, dass von Januar bis August in 18 westeuropäischen Ländern 644.000 reine Elektroautos und 681.000 Plugin-Hybride verkauft wurden. Damit hat sich die Zahl der Neuzulassungen von E-Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Außerdem zeigt die Analyse, dass Volkswagen seinem Ziel der Elektro-Marktführerschaft  zumindest in Europa näher kommt. Zwar war Teslas Model 3 das mit Abstand meistverkaufte E-Mobil, zusammengenommen liegen VWs ID.3 und ID.4 aber an der Spitze. Die Zahlen finden Sie hier im Überblick.

  • Auch in den USA bekommt Tesla einen Dämpfer ab. Auf dem Aktionärstreffen muss sich das Management um CEO Elon Musk ungewohnter Kritik stellen. Nach mehreren Beschwerden wegen Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz fordert eine zunehmende Zahl der Aktionäre eine Lösung. Kritik entzündet sich auch an der Vergütung der Verwaltungsratsmitglieder.

  • Während die steigenden Energiepreise nach Schätzung der Internationalen Energieagentur weltweit zu einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Erholung führen könnten, haben die US-Banken die Corona-Krise offenbar hinter sich gelassen. Sie melden durchweg kräftige Gewinnsprünge für das abgelaufene Quartal.

  • Der türkische Präsident Erdoğan hat sich erneut in die Personalpolitik der Notenbank eingemischt und drei Top-Banker entlassen. Damit will er offenbar den Weg für neue Zinssenkungen ebnen. Die Finanzmärkte zeigten sich wenig angetan: Die Landeswährung Lira stürzt auf ein historisches Tief.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die milliardenschwere Investmentgesellschaft Ethic hat zwei prominente Partner gewonnen: Herzogin Meghan und Prinz Harry sind bei dem Fintech eingestiegen. Damit wollen sie nachhaltige Investments populärer machen und insbesondere jüngere Menschen zur Wahl grüner Kapitalanlagen bewegen.

  • Das Machtgefüge bei Bertelsmann wird neu sortiert. Mit dem Abdanken der Verlegerwitwe Liz Mohn hat ihr ältester Sohn Christoph Mohn die Rolle des Familiensprechers übernommen. Gleichzeitig wächst die Macht von Vorstandschef Thomas Rabe. Die neuen Bertels-Männer. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Sound und Status: Die teuren Bösendorfer-Konzertflügel sind wieder begehrt, nicht nur bei Klaviervirtuosen, auch bei Stars wie US-Rapper Drake

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Foto:

Jason Schmidt / trunkarchive.com

  • So traditionsreich und wohlklingend der Firmenname, so miserabel waren lange die wirtschaftlichen Ergebnisse der Wiener Klaviermanufaktur Bösendorfer. Die Firma ist der weltweit älteste Hersteller von Premiuminstrumenten, berühmt durch Komponisten wie Franz Liszt und Johannes Brahms. Angesichts übermächtiger Konkurrenz ist es verwunderlich, dass die Firma nicht ihren berühmten Pianisten ins Grab gefolgt ist. Stattdessen kämpft sie sich zurück an die Spitze – dank der Schützenhilfe eines japanischen Weltkonzerns. Der steuert die Traditionsmarke nun in die digitale Moderne. 

Herzlich, Ihre Corinna Scheying