Kai Lange

Der Mittwoch im Überblick Schutzwall für Sartorius, Party für Kunstsammler

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Erfolgsrezept des Börsenstars Sartorius, einem Zukauf aus der Not bei Siemens Energy und einem 100-Millionen-Showdown unter Sammlern.

Der Pharma- und Biotechspezialist Sartorius aus Göttingen hat eine atemberaubende Erfolgsgeschichte an der Börse hinter sich. Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg hat die kleine Familienfirma seit seinem Amtsantritt 2003 in ein globales Schwergewicht verwandelt - weil er sie früher als andere konsequent auf die Biotechrevolution ausgerichtet hat. Neue, aus lebenden Zellkulturen destillierte Wirkstoffe eröffneten damals neue Möglichkeiten im Kampf gegen Erkrankungen: Es war der Beginn des Biotechbooms, der die Pharmawelt grundlegend verändert hat.

Inzwischen bedient Sartorius mit seinen Technologien die komplette Prozesskette, von der Entwicklung neuer Wirkstoffe bis zur späteren Produktion. Die Göttinger sind begehrter Partner von Biotech-Start-ups wie auch von globalen Pharmariesen. Der Umsatz von Sartorius hat sich seit 2003 verachtfacht, der Gewinn verhundertfacht. Der Aktienkurs schoss zwischen Frühjahr 2003 und März 2022 um mehr als 20.000 Prozent in die Höhe.

Seitdem hat auch Sartorius unter dem allgemeinen Börsenabschwung gelitten. Doch Kreuzburg hält an seinem Ziel fest, den Umsatz bis 2025 auf fünf Milliarden Euro hochzuschrauben. Dass Sartorius noch nicht von einer Übernahmemaschine wie dem US-Riesen Danaher gefressen wurde, hat mit einem alten Streit des Gründerclans zu tun. Gründer-Enkel Horst Sartorius zog damals erfolgreich eine Abwehrmauer gegen Übernahmen hoch - und verschaffte dem Topmanager Kreuzburg alle nötigen Freiheiten. Wie lange die Brandmauer bei Sartorius noch hält und wie Kreuzburg die Erfolgsgeschichte weiterschreiben will, lesen Sie in unserem ausführlichen Report.

Top-Performer: Joachim Kreuzburg ist der Architekt des Aufschwungs bei Sartorius

Top-Performer: Joachim Kreuzburg ist der Architekt des Aufschwungs bei Sartorius

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Roman Pawlowski für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Siemens Energy plant Komplettübernahme von Siemens Gamesa: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch prüft die vollständige Übernahme der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa. Derzeit hält Siemens Energy 67 Prozent an dem spanischen Unternehmen, das seit vielen Monaten mit Problemen kämpft. Eine Komplettübernahme durch Siemens sowie ein Delisting von der Börse könnten den Weg für eine Sanierung von Siemens Gamesa frei machen. Auch ein Verkauf des Onshore-Windkraftgeschäfts ist dabei eine Option.

  • Milliardär Klaus-Michael Kühne liebäugelt mit Sitz im Lufthansa-Aufsichtsrat: Mit einem Anteil von mehr als 10 Prozent ist der Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne zum zweitgrößten Aktionär der Lufthansa aufgestiegen. Damit steigen auch die Chancen, einen Vertreter in den Aufsichtsrat zu entsenden. Man wäre einem Angebot des aktuellen Aufsichtsrates der Lufthansa nicht abgeneigt, ließ Kühne durch seinen Vertrauten Karl Gernandt schon mal vorsorglich mitteilen.

  • Türkei blockiert Nato-Beitritt von Finnland und Schweden: Finnland und Schweden streben in die Nato, doch die Türkei hat im Nato-Rat den Beginn des offiziellen Aufnahmeverfahrens und der Beitrittsgespräche vorerst blockiert. Die Türkei wirft der finnischen und schwedischen Regierung vor, die kurdische Arbeiterpartei PKK zu unterstützen. Wie die Türkei von einem Veto abgehalten werden kann und welchen Preis das Bündnis dafür an die Türkei zahlen muss, bleibt offen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • US-Notenbank will Inflation notfalls "aggressiv" bekämpfen: Fed-Chef Jerome Powell will den Leitzins so lange heraufsetzen, bis die Inflation von derzeit rund 8 Prozent in den USA wieder unter Kontrolle ist. Es müsse "klare und überzeugende" Anzeichen dafür geben, dass der Preisauftrieb nachlasse, sagte Powell. Falls es nicht dazu komme, werde die US-Notenbank auch ein aggressiveres Vorgehen prüfen. Bereits im Juni und im Juli könnte die Fed den Leitzins um jeweils einen halben Prozentpunkt weiter erhöhen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Auktionatorin Cheyenne Westphal: Die 100 Millionen Dollar fest im Blick

Auktionatorin Cheyenne Westphal: Die 100 Millionen Dollar fest im Blick

Foto: Monika Hoefler / Phillips
  • Die Jagd auf das 100-Millionen-Dollar-Kunstwerk: Heute Abend kommt beim "Philips Contemporary Art Sale" in New York ein Werk des 1988 verstorbenen Street-Art-Künstlers Jean-Michel Basquiat unter den Hammer. Der Schätzpreis liegt bei 70 Millionen Dollar: Es ist gut möglich, dass der Zuschlag erst bei mehr als 100 Millionen Dollar erteilt wird. 2022 könnte ein Rekordjahr für den Auktionsmarkt werden, sagt Cheyenne Westphal, Global Chairwoman beim Versteigerer Phillips. Im Interview mit unserem Kollegen Mark Böschen spricht Westphal darüber, wie neue Ultrareiche und Krypto-Multimillionäre den Kunstmarkt verändern – und welche Künstler ähnlich wie Basquiat in die Top-Ränge aufsteigen. Falls Sie heute Abend nicht selbst bei der Auktion zugegen sind, lesen Sie hier alles, was Sie wissen müssen.

Herzlich, Ihr Kai Lange