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Christoph Rottwilm

Der Freitag im Überblick Klein-Klein in Walldorf

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit den Nöten des SAP-Chefs, dem Abgang des Tui-Chefs und den Plänen des Henkel-Chefs.

SAP-Chef Christian Klein soll Europas wichtigsten Tech-Konzern eigentlich von alten Problemen befreien und in eine strahlende Zukunft führen, aber momentan geht er vielen im Unternehmen vor allem auf die Nerven. Klein sei detailversessen und mische sich ständig in Dinge ein, die eigentlich auf niedrigeren Ebenen bearbeitet werden müssten, berichtet Kollegin Christina Kyriasoglou. Wer vom SAP-Chef Charisma, Inspiration sowie strategischen Weitblick erwarte, werde enttäuscht. Stattdessen gebe es auf Walldorfs Führungsfluren immer öfter Temperamentsausbrüche. Und obendrein lasse sich Klein bei der Personalauswahl allzu oft von persönlichen Kontakten leiten, anstatt von objektiven Beurteilungskriterien.

An der SAP-Spitze ist das nicht das einzige Führungsproblem. Aufsichtsratschef Hasso Plattner steht seit geraumer Zeit in der Kritik, weil er seine Amtszeit wie einen Kaugummi in die Länge zieht und auch sonst gern den Alleingang wählt. Dabei gäbe es eigentlich große Aufgaben zu bewältigen: SAP muss zukunftsfähig gemacht werden. Das einträgliche Lizenzgeschäft soll einem tragfähigen Cloud-Business weichen. Zudem gilt es, die Hinterlassenschaften von Klein-Vorgänger Bill McDermott aufzuräumen, der in seinen nahezu zehn Jahren an der SAP-Spitze in einer regelrechten Übernahme-Bonanza mehr als 30 Firmen akquirierte.

Die Investoren bezweifeln schon länger, dass Klein und seinem Vorstandsteam der Schwenk gelingen wird. Der Aktienkurs ist im Dauertiefflug. Was jedoch für SAP noch fataler enden könnte: Wie Kollegin Kyriasoglou in ihrer ausführlichen Unternehmensanalyse berichtet , laufen dem einst gefeierten Tech-Konzern inzwischen vermehrt auch die Talente davon.

Führungsproblem: SAP-Chef Christian Klein und Aufsichtsratschef Hasso Plattner sollten den Konzern eigentlich zukunftsfähig machen

Führungsproblem: SAP-Chef Christian Klein und Aufsichtsratschef Hasso Plattner sollten den Konzern eigentlich zukunftsfähig machen

Foto: Uwe Anspach / dpa / picture alliance

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Über die eigenartige Ausstiegsklausel, die Tui-Chef Friedrich Joussen seinem Aufsichtsratschef Dieter Zetsche abgerungen hatte, haben wir unlängst ausführlich berichtet . Jetzt macht der Chef des Touristikkonzerns ernst und zieht diese lukrative Option: Wie Tui am Freitagmorgen mitteilte, legt Joussen zum 30. September sein Amt nieder , Nachfolger wird Finanzvorstand Sebastian Ebel. Investoren hatten schon vor Wochen das Vertrauen verloren und die Tui-Aktie auf Talfahrt geschickt. Am Freitag verlor das Papier erneut deutlich.

  • Bereits vor einigen Tagen sorgte der amerikanische Hedgefonds Bridgewater Associates mit Wetten auf einen Einbruch der Aktienkurse großer europäischer Unternehmen für Schlagzeilen. Jetzt hat Bridgewater diese sogenannten Short-Positionen noch einmal vergrößert. Wie eine Analyse des manager magazin zeigt, setzt der weltgrößte Hedgefonds insgesamt rund 10,5 Milliarden Dollar auf Kursrückschläge europäischer Großkonzerne. Auf der Liste der Firmen, die Bridgewater ins Visier genommen hat, befinden sich auch prominente deutsche Namen wie SAP, BASF, Siemens oder Bayer.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Anfang 2020 übernahm Carsten Knobel den Chefposten bei Henkel. Dann brach die Corona-Pandemie aus, später überfiel Russland die Ukraine und die Inflationsraten schossen in die Höhe. Solche Herausforderungen habe er nicht erwartet, sagt Knobel wenig überraschend im Interview mit unserem Kollegen Thomas Werres . In dem Gespräch erläutert der Henkel-Chef seinen Umgang mit diesen Problemen, seine Strategie und Wachstumspläne und die Frage, warum er, wie schon seine Vorgänger, erneut versucht, den Kosmetikbereich des Konsumgüterkonzerns zu retten, anstatt die Sparte einfach zu verkaufen.

  • Das Geschehen am Markt für Kryptowährungen polarisiert die Gemüter wie kaum ein anderer Bereich des Finanzmarktes. Auch der aktuelle Crash von Bitcoin, Ether und Co sorgt wieder für viel Häme. Nicht wenige Kritiker sagen dem Sektor bereits sein Ende voraus. Doch unser Experte Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, ist anderer Meinung: In einem Gastbeitrag erklärt er, warum es sich beim Absturz der Kryptowährungen aus seiner Sicht um eine gesunde Bereinigung handelt.

Das Beste aus dem "Economist":

  • An den Börsen ist es turbulent wie lange nicht, vor allem Tech-Aktien stehen seit Monaten unter großem Druck. Doch der japanische Tech-Investor Softbank hält unbeirrt am geplanten Börsengang des britischen Chipdesigners Arm fest. Wie kaum ein anderes Unternehmen wird Arm umworben, von Investoren, von Konkurrenten, selbst von der Politik in Großbritannien, wo manch einer eine strategische Bedeutung bei der Chipfirma zu erkennen glaubt. Die Gründe und Hintergründe der besonderen Rolle, die Arm am weltweiten Chipmarkt spielt, haben die Kollegen vom "Economist" analysiert: Alle wollen Arm .

  • Auch die ausufernden Preise für Lebensmittel und Energie, die vielerorts den Menschen das Leben schwer machen, beschäftigen die Kollegen vom "Economist". Die Entwicklung falle in eine unglückliche Zeit, so ihre Einschätzung, denn zugleich seien viele Regierungen bereits viel zu verschuldet, um für Entlastung zu sorgen. Die Folge, so die düstere Prognose des "Economist" , könnten Unruhen und Aufstände in vielen Ländern rund um den Globus sein.

Meine Empfehlung für den Abend:

Elektroauto von Nio: Chinesische Hersteller greifen in Europa an

Elektroauto von Nio: Chinesische Hersteller greifen in Europa an

Foto: STAFF / REUTERS
  • Angriff auf Europas Autohersteller auf deren ureigenstem Markt: Volkswagen, Mercedes, BMW oder Renault können die Nachfrage nach Elektroautos auf dem alten Kontinent mangels Teilenachschubs kaum bedienen. Die junge Konkurrenz aus Fernost sieht darin eine Gelegenheit, Marktanteile zu erobern. Chinesische Firmen wie Nio, BYD oder Great Wall stoßen in die Lücke und drängen zunehmend ins europäische Geschäft. Wie die Newcomer dabei vorgehen, was diese Attacke für die hiesigen Hersteller bedeutet und welche Rolle Autovermieter in dem Szenario spielen – das alles erklären die Kollegen Margret Hucko und Sven Clausen im neuen Podcast auf manager-magazin.de.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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