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Christoph Rottwilm

Der Mittwoch im Überblick Rallye am Devisenmarkt und Rausch am Chipmarkt

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Dollar statt Euro, Dominik Asam statt Luca Mucic und Certare statt Lufthansa.

Bundeskanzler Olaf Scholz versucht sich in diesen Tagen als Meister der Spannung. Auch nach der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg, wo die Regierungsmitglieder über Entlastungen für die inflationsgeplagten Bürger beraten wollten, bleibt er im Ungefähren. Ein "sehr präzises, ein sehr maßgeschneidertes Entlastungspaket" werde es geben, so Scholz im Anschluss an die Klausur. Details? Immer noch Fehlanzeige.

Dabei nimmt der Handlungsdruck auf die Koalition laufend zu. Gestern schon meldeten die Statistiker einen erneuten Anstieg der Inflationsrate in Deutschland auf 7,9 Prozent. Heute kamen die Daten für den Euro-Raum dazu, mit der gleichen Tendenz: Im gesamten Währungsgebiet ist die Preissteigerungsrate im August auf 9,1 Prozent geklettert. Ein neuer Rekordwert.

Die Blicke richten sich angesichts der steigenden Preise allerdings nicht nur auf den Kanzler, sondern auch auf Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank. Kritiker werfen Lagarde und Kollegen seit Langem vor, zu zögerlich auf den Inflationsanstieg zu reagieren. Um nachzubessern, müssen die Zentralbanker bei ihrer kommenden Sitzung im September nun womöglich sogar einen großen Zinsschritt vornehmen. Doch anders als bei der US-Notenbank Fed, deren Chef Jerome Powell entschlossenes Handeln schon in Aussicht gestellt hat, ist der Spielraum der EZB begrenzt.

Zögern hier, Handeln dort. Die Folge dieser Asymmetrie beeinflusst schon heute die Weltwirtschaft. Zu sehen ist das am Devisenmarkt. Während der Euro immer mehr an Wert verliert, wird der US-Dollar seit nun einem Jahr immer wertvoller. Aktueller Tauschwert: eins zu eins. Diese signifikante Verschiebung des Wechselkurses ist kaum zu überschätzen. Welche Folgen die Dollar-Rallye für Unternehmen, Konsumenten und Geldanleger, und wie es mit dem Wechselkurs vermutlich weitergeht, haben wir in einem Übersichtsstück auf manager-magazin.de zusammengefasst.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Von Airbus zu SAP: Dominik Asam wird Finanzchef in Walldorf

Von Airbus zu SAP: Dominik Asam wird Finanzchef in Walldorf

Foto: REGIS DUVIGNAU / REUTERS
  • Der Softwarekonzern SAP hat einen neuen Finanzchef gefunden. Dominik Asam, bisher CFO beim Flugzeugbauer Airbus, soll ab März 2023 das Finanzressort des Walldorfer Konzerns führen. Er tritt die Nachfolge von Luka Mucic an, der SAP verlässt, obwohl er eigentlich noch ganz gern geblieben wäre, wie wir Ihnen jüngst berichtet hatten .

  • Die Lufthansa wollte gemeinsam mit der Reederei MSC bei der staatlichen italienischen Airline ITA einsteigen, und eigentlich galten die beiden Partner auch als Favoriten für den Zuschlag. Doch Überraschung: Die Regierung in Rom hat sich anders entschieden. Sie bevorzugt den US-Investor Certares, hinter dem die US-Airline Delta und die niederländische KLM stehen. Die Lufthansa geht in diesem Bieterkampf also leer aus.

  • Der schwedische Bezahldienst Klarna galt noch vor wenigen Monaten als das wertvollste Start-up Europas. Zinswende und Börsencrash haben die Start-up-Szene jedoch kräftig durchgeschüttelt – und Zweifel bei den Investoren geweckt. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde wurde Klarna mit mehr als 80 Prozent weniger bewertet als noch im Winter. Nun gab Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski bekannt, dass das Unternehmen im ersten Halbjahr seinen operativen Verlust auf 580 Millionen Euro verdreifacht hat. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, hatte Klarna bereits angekündigt, 10 Prozent des Personals zu feuern.

  • Probleme auch bei einem deutschen Fintech: Unzer nämlich, in Besitz des Finanzinvestors KKR. Die Heidelberger wollen in der Nach-Wirecard-Ära zum deutschen Payment-Champion aufsteigen. Nur haben sie es lange mit der Geldwäschebekämpfung zu lasch genommen. Wir haben neulich schon über drohende Strafen berichtet . Nun hat die Bafin sogar ein Neukundenverbot verhängt und umfangreiche Geschäfte mit Scheinfirmen enttarnt. Oder anders: Der Staat verbietet Unzer zu wachsen, bis die Dinge geklärt sind.

  • Und schließlich: In den Frankfurter Büroräumen der US-Investmentbank J.P. Morgan hat es eine Razzia gegeben. Der Grund: Cum-ex. Der Hintergrund: hier.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Für viele Unternehmen stehen Preisverhandlungen mit ihren Energieversorgern an. Die werden härter als jemals zuvor, oft geht es um die Existenz. Wie sollen die Firmen also bei den Verhandlungen vorgehen? Worauf ist zu achten? Und was ist zu vermeiden? Kollege Helmut Reich hat diese Fragen den Verhandlungs- und Energiemarktexperten René Schumann und Daniel Drexlin-Runde von der Negotiation Advisory Group gestellt. Das Interview finden Sie auf manager-magazin.de.

  • Die Koblenzer Rennradschmiede Canyon hatte große Pläne, als der Adidas-Investor GBL die Firma übernommen hatte. Doch so richtig ist daraus trotz Fahrradbooms nichts geworden, der Chef musste gehen. Nun ist ein neuer da – und die Investoren planen einen Neustart . Übrigens mit prominenten neuen Co-Geldgebern: Erik Zabel, immerhin sattelfest, und der US-Basketballsuperstar LeBron James sollen für Glamour sorgen.

Meine Empfehlung für den Abend:

Unauffällig und gewöhnlich: ASML ist ein Schlüsselkonzern der Chipindustrie

Unauffällig und gewöhnlich: ASML ist ein Schlüsselkonzern der Chipindustrie

Foto:

Bryan Derballa / The New York Times / Redux / laif

  • "Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln", lautet eine bekannte Weisheit des legendären Börsianers André Kostolany. Der aktuelle "Goldrausch" spielt sich am Chipmarkt ab, wo Halbleiter so knapp sind, dass deswegen schon ganze Fabriken zeitweise stillgelegt werden mussten. Ein Unternehmen, das die "Schaufeln" in diesem Boom produziert, ist ASML. Der niederländische Konzern stellt jene Maschinen her, die zur Chipproduktion benötigt werden, und ist damit das "wichtigste Unternehmen, von dem man nie gehört hat", so die "New York Times". Nun, ganz unbekannt ist ASML natürlich nicht – als wertvollster Techkonzern Europas. Wie ASML das geschafft hat? "Dank Weitblick, Durchhaltevermögen und der Konzentration auf ein schmales aber lukratives Segment", schreibt Kollegin Mirjam Hecking. Und Spoiler: Zwei berühmte deutsche Mittelständler waren in entscheidender Weise auch an dem Aufstieg beteiligt. Die ausführliche Recherche über den ungewöhnlichen Tech-Konzern finden Sie auf manager-magazin.de .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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