Oliver Hollenstein

Der Tag im Überblick Mutige Investoren und bleibende Narben

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute geht es um Narben, mit denen man leben muss, mutige Investoren und falsche Subventionen.

Seinen kleinen Konferenzraum in der Kölner City hat Christopher Freiherr von Oppenheim mit Schwarz-Weiß-Fotos jahrtausendealter Statuen dekoriert. Die entdeckte sein Vorfahr, der Hobbyarchäologe Max von Oppenheim, im Wüstensand von Tell Halaf in Syrien. Die Bilder sind eine Reminiszenz an die Familienhistorie des Hausherrn. Deren dunkelstes Kapitel brach 2009 an, als Sal. Oppenheim, das Bankhaus der Familie, implodierte.

Das manager magazin hatte das Missmanagement des Kölner Bankiersgeschlechts und auch die Rolle Christopher von Oppenheims in zahlreichen Beiträgen aufgedeckt. Wohl auch deswegen hat der Freiherr lange mit sich gerungen, ob er mit uns sprechen möchte. Am Ende diskutierte er zwei Stunden lang mit unseren Kollegen Christoph Neßhöver und Mark Böschen über den Schmerz des Scheiterns und den Zauber des Neubeginns.

"Es heißt ja, die Zeit heile alle Wunden. Aber das stimmt nicht. Es bleiben Narben zurück", sagt von Oppenheim in dem Interview. "Aber auch mit solchen Narben kann man weiterleben." Selbstkritisch berichtet der Ex-Bankier über seine Verurteilung wegen Untreue, falsche Prioritäten und wie es war, in die enttäuschten Gesichter seiner Mitarbeiter zu blicken. Und er erzählt, wie und warum er jetzt mit seiner neuen Firma SALytic den Neustart als Vermögensverwalter wagt.

Neustart: Christopher Freiherr von Oppenheim ist jetzt Vermögensverwalter.

Neustart: Christopher Freiherr von Oppenheim ist jetzt Vermögensverwalter.

Foto: Jann Höfer für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Warum Flix jetzt die Hilfe des Bundes braucht: Bisher ist das Unternehmen Flixmobility in Deutschland vor allem für seine grünen Busse bekannt. Künftig könnte das aber nur noch ein Nebengeschäft sein. Eine Milliarde Euro will das Unternehmen wohl in Züge investieren. Unser Bahnexperte Michael Machatschke bewundert den Mut, den Monopolisten "Deutsche Bahn" anzugreifen. Und er fordert: Der Bund muss dem neuen Konkurrenten gegen den Staatskonzern helfen. Lesen Sie hier seinen Kommentar.

Das Beste aus dem "Economist":

Miese Werte: Wer wettet noch auf Boris Johnson?

Miese Werte: Wer wettet noch auf Boris Johnson?

Foto: HENRY NICHOLLS / REUTERS
  • Wie Boris Johnson ums politische Überleben kämpft: Seine Mitarbeiter feierten im Regierungssitz regelmäßig illegale Lockdown-Partys, an einer Gartenparty im Mai 2020 nahm Premier Boris Johnson sogar selbst teil. Seit Wochen steht der britische Premierminister deswegen massiv unter Druck, Teile seiner eigenen Partei distanzieren sich von ihm. Unsere Kollegen vom "Economist" beschreiben, wie Johnson derzeit um sein Amt kämpft  – und wie seine Chancen stehen, die Sache politisch zu überleben.

  • Wo amerikanische Techriesen jetzt investieren: Jahrelang wurden Amazon, die Google-Mutter Alphabet, Apple, Meta alias Facebook und Microsoft an den Börsen gefeiert, erreichten Fabelwerte. Seit Jahresbeginn zeigen sich Anleger skeptisch und verkaufen. Das ändert aber nichts daran, dass die "Big Five" eine gut gefüllte Kasse haben. Unsere Kollegen vom britischen "Economist" haben analysiert, wo die Techriesen derzeit Milliarden investieren.  Dazu gehören autonomes Fahren, Robotics und Gesundheit.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Wolfgang Reitzle war lange Vorstand bei BMW und kurz bei Ford, seit fast 20 Jahren zieht er die Fäden beim Gasespezialisten Linde. Ein ziemlich erfolgreicher Lebenslauf, wäre da nicht Conti. Noch bis 2024 ist Reitzle bei dem Automobilzulieferer Aufsichtsratschef – und wenn es in Hannover nicht bald wieder aufwärts geht, könnte diese Station ein Makel in Reitzles Lebenslauf bleiben. Unsere Kollegen Michael Freitag und Martin Noé haben ihn in einem großen Interview gefragt, warum es bei Conti nicht läuft, ob die deutschen Konzerne von gestern sind und welche Denkblockaden Deutschland behindern. Reitzle hat dabei viel Interessantes gesagt: Etwa dass er Subventionen von Elektroautos für falsch hält. Und dass er sich für Conti Allianzen mit Techunternehmen vorstellen könnte. Lesen Sie das ganze Interview hier. 

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, Ihr Oliver Hollenstein

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