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Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Zweifelhafte Sponsoren und sympathische Zweifler

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Glas-Notfallplan, einer Hedgefonds-Pleite und einer Festspiel-Neuaufstellung.

Seit diesem Montag fließt kein russisches Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1. Derzeit noch aufgrund von routinemäßig geplanten Wartungsarbeiten. Doch wird Moskau anschließend den Gashahn wirklich wieder aufdrehen? Wohl kaum eine Frage beschäftigt Unternehmen, Verbraucher und Politiker hierzulande mehr in diesen Tagen.

Wie die Regierung im Falle eines Mangels den wichtigen Rohstoff verteilen soll, ist im Gasnotfallplan des Wirtschaftsministeriums eindeutig geregelt: Verbraucher und die systemrelevante Infrastruktur sind besonders geschützt, als Erstes würde wohl bei den Unternehmen gespart werden.

Welche dramatischen Folgen dies haben kann, berichtet unsere Kollegin Anna Driftschröer. Sie hat unter anderem mit Maik Cebulla gesprochen, dem Geschäftsführer Personal bei Saint-Gobain Sekurit Deutschland. Der Autozulieferer aus Nordrhein-Westfalen verglast in Europa jedes dritte Auto und ist damit die Achillesferse der deutschen Automobilindustrie. Denn ohne eine ständige Zufuhr von Gas kann kein Autoglas produziert werden. Damit würde die Gaskrise nach dem Chipmangel und den fehlenden Kabelbäumen zum nächsten großen Problem der Branche werden. Wie sich der Autozulieferer auf eine mögliche Rationierung vorbereitet und wie groß die Nervosität in der Autoindustrie ist, erfahren Sie hier.

Die Glasproduktion: Die Industrie ist einer der Branchen mit dem größten Gasverbrauch, ein Abschalten der Schmelzwannen würde zu Schäden führen

Die Glasproduktion: Die Industrie ist einer der Branchen mit dem größten Gasverbrauch, ein Abschalten der Schmelzwannen würde zu Schäden führen

Foto: XavierPopy_REA / Saint-Gobain

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Explodierende Verbraucherpreise: Die Inflationsrate in den USA ist mit 9,1 Prozent auf den höchsten Stand seit November 1981 gestiegen. Das ist deutlich mehr als von Ökonomen erwartet. Damit steigt der Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve noch einmal deutlich – sie wird wohl noch in diesem Monat einen weiteren kräftigen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte wagen. Der Euro-Kurs fiel kurz nach der Mitteilung erstmals seit 2002 auf unter einen US-Dollar, der deutsche Leitindex Dax weitete seine Verluste aus.

  • Milliardenschwere Pleite: Der Hedgefonds Three Arrows Capital, einst einer der wichtigsten Player am Markt für Kryptowährungen, hat in den USA einen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Der jüngste Ausverkauf bei den Kryptowährungen hat das Unternehmen in den Abgrund gerissen. Der 2012 gegründete Hedgefonds verwaltete noch im April dieses Jahres eigenen Angaben zufolge etwa drei Milliarden US-Dollar. Ob die Investoren je ihr Geld wiedersehen, ist fraglich. Die Gründer sind offenbar abgetaucht.

  • Wütende Klageschrift: Der Kurznachrichtendienst Twitter hat Klage gegen den Tech-Milliardär Elon Musk eingereicht. Das Unternehmen fordert von dem Tesla-Chef, die vereinbarte Übernahme des Unternehmens umzusetzen. Musk hatte den milliardenschweren Deal am vergangenen Freitag nach langem Hin und Her platzen lassen. Twitter wirft Musk nun "Heuchelei" und eine "absichtliche Schädigung des Unternehmens" vor.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Radikale Unsicherheit: Das bisherige 21. Jahrhundert ist von einer Kette von Krisen durchzogen – von den Terroranschlägen des 11. September 2001 bis zum Ukraine-Krieg. Die Schocks kommen näher, werden häufiger und heftiger. Welche beiden globalen Megatrends dafür verantwortlich sind, welche gravierenden Folgen das auch für deutsche Konzerne hat und warum eine Besserung noch nicht in Sicht ist, erläutert unser Kollege Henrik Müller: "Entlang der Krisenkette ".

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Sympathische Zweifler: Menschen mit dem sogenannten Hochstaplersyndrom sind der Meinung, sie seien nicht so kompetent, wie andere glauben. Häufig wird dies mit negativen Assoziationen verbunden. Die MIT-Professorin Basima Tewfik fand allerdings heraus, dass sich diese Menschen oft geschickter in Beziehungen verhalten und auf ihr Gegenüber sozial kompetenter wirken – eine Voraussetzung für beruflichen Erfolg. Unsere Kollegen vom Harvard Business manager haben mit Tewfik über die "Diagnose" gesprochen und ob wir uns absichtlich Hochstaplergedanken machen sollten .

Meine Empfehlung für den Abend:

Spot on: Die neue Präsidentin Kristina Hammer will klare Grundsätze für das Fundraising der Festspiele

Spot on: Die neue Präsidentin Kristina Hammer will klare Grundsätze für das Fundraising der Festspiele

Foto: SF / Peter Rigaud
  • Zweifelhafte Sponsoren: Erst seit einem halben Jahr ist Branchenneuling Kristina Hammers im Amt und schon geht es um das große Ganze. Die Chefin der ehrwürdigen Salzburger Festspiele muss die Grundregeln des Geschäftsmodells von Europas wichtigstem Kulturfestival überdenken. Es geht um die Untadeligkeit ihrer Geldgeber – in Zeiten des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ein zunehmend wichtiger Faktor. Doch so einfach lässt sich das Problem nicht lösen, schließlich ist die Finanzierung der Festspiele in hohem Maße abhängig von den Sponsoren. Und bisher hatten die Veranstalter wenig Berührungsängste mit zweifelhaften Geldgebern. Unser Kollege Hans-Peter Siebenhaar beschreibt die prekäre Lage der neuen Festival-Chefin in einem spannenden Report: "Toxisches Geld bei den Salzburger Festspielen ".

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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