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Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Stapelkrisen und Dirndl-Wiesn

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer neuerdings deutschen Öl-Raffinerie, einer Tochter in Russland, Logistikaktien unter Druck und der Polykrise.

Inflation, Gasknappheit, kriegerische Auseinandersetzungen - dass wir in unruhigen Zeiten leben, ist bekannt. Für Autoren aus der Wissenschaft haben all diese Krisenherde sogar etwas Gutes. Denn sie können sie erforschen. Manche Wissenschaftler fühlen sich beflügelt, ganz neue Begrifflichkeiten zu finden. Etwa: Polykrise. Oder auch: Stapelkrise.

Für all jene, die sich schwertun, in der umfangreichen Ansammlung an Krisenfaktoren dieser Tage noch den Überblick zu behalten, ist unser Kollege Christoph Rottwilm in die Details eingestiegen. Er hat 13 Phänomene ausgemacht, die der Menschheit und der Wirtschaft gerade die Existenz verleiden. Etliche dieser Probleme schwelen seit Jahren vor sich hin, gewinnen aber aktuell an Dringlichkeit. Der Klimawandel und die Schuldenkrise der armen Länder gehören dazu, auch der Konflikt zwischen China und Taiwan. Und in Deutschland – im Moment noch weniger existenziell – der durch den demografischen Wandel ausgelöste Fachkräftemangel.

Andere Probleme sind erst durch den Ukraine-Krieg auf das Radar gekommen und beeinflussen sich gegenseitig: Die Gasknappheit steigert für manche Unternehmen die Energiepreise ins Unbezahlbare. Produktionsausfälle ziehen neue Lieferkettenbrüche nach sich. Die Inflation steigt.

Führt das alles in eine schwere Wirtschaftskrise, drohen massenhaft Insolvenzen und Rezession? Das ist noch nicht so klar. Ökonomen streiten. Was hilft: Die Zutaten des Krisen-Cocktails im Blick zu behalten. Unsere Analyse dazu finden Sie heute auf manager-magazin.de.

Aufgeladen: Die Welt steht unter Druck, Schocks häufen sich.

Aufgeladen: Die Welt steht unter Druck, Schocks häufen sich.

Foto: Pete Caster/ dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Bund übernimmt Kontrolle in Schwedt: Die Öl-Raffinerie und Tochter des russischen Mineralölkonzerns Rosneft steht künftig unter der Kontrolle des Bundes. Das hat heute das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt. Die Übernahme der Kontrolle war notwendig geworden, weil Deutschland laut Gesetz ab Januar nächsten Jahres kein russisches Öl mehr verarbeiten darf. Die Anlage in Schwedt soll aber weiterproduzieren, um die deutsche Energieversorgung zu sichern. Ein neuer Betreiber wird gesucht.

  • Logistik-Aktien unter Druck: Eine Gewinnwarnung des US-Logistik-Konzerns Fedex hat heute Unruhe an den Börsen ausgelöst. Der US-Konzern zog seine Jahresprognose zurück, weil er seine Erwartungen im China-Geschäft nach unten korrigieren musste. Der Absturz der Aktie um 20 Prozent zog auch die Papiere der Deutschen Post sowie von Kühne + Nagel, Hapag-LLoyd und Maersk ins Minus. Der deutsche Leitindex Dax näherte sich seinem 12-Monats-Tief bei 12.400 Punkten.

  • PKW-Kauf zieht an: Die Autobauer haben in der EU im August erstmals seit 13 Monaten wieder mehr Neuwagen ausgeliefert als im Jahr zuvor. Rund 650.000 neue Pkw wurden im August angemeldet, ein Plus von 4,4 Prozent, teilte der europäische Herstellerverband ACEA am Freitag mit. In Deutschland ist das Vorpandemie-Niveau allerdings noch nicht wieder erreicht. Ein Grund sind fehlende Halbleiter.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Deutschland im Stresstest: Das deutsche Geschäftsmodell beruhte auf billigem russischem Gas. Und auf der riesigen Nachfrage Chinas. Beide Pfeiler bröckeln. Denn Putin dreht den Gashahn zu und China befindet sich im Abschwung. Viele Wirtschaftsvertreter warnen jetzt vor einem schleichenden Substanzverlust der deutschen Industrie. Die Kollegen vom britischen Economist  nehmen den Ball auf. Die Gefahr einer teilweisen De-Industrialisierung Deutschlands erscheine fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals wieder plausibel. Ältere mögen sich an den Morgenthau-Plan erinnert fühlen, der sich nun gewissermaßen noch erfüllen könnte. Nachzulesen ist die Einschätzung heute auf manager-magazin.de

  • Ungemach für Uniper: Der wegen hoher Gaspreise strauchelnde Energieversorger Uniper hat noch ein Spezialproblem in Russland: eine Tochter namens Unipro. Die werden die Düsseldorfer nicht mehr los. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres summierten sich die Abschreibungen bereits auf 832 Millionen Euro. Demnächst müssen wohl auch noch die restlichen 1,5 Milliarden Euro aus den Büchern, die Enteignung droht. Unser Kollege Dietmar Student wirft einen Blick die russische Malaise des Konzerns , der in Deutschland demnächst verstaatlicht werden könnte.

Meine Empfehlung für den Abend:

Entspannt: Die Wiesn-Wirtinnen Silja Steinberg, Antje Schneider und Steffi Spendler (v.l.) lassen sich ihren Optimismus nicht nehmen

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Foto: Florian Generotzky für manager magazin
  • Wiesn-Business: Ab morgen ist wieder Oktoberfest in München. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause ist das eindeutig eine gute Nachricht. Auf Volksfesten kehrt sich das Innere einer Gesellschaft nach außen, findet mm-Autorin und Ur-Münchnerin Gisela Freisinger und ist rechtzeitig aufgebrochen, um drei der ausgeschlafensten Wiesn-Wirtinnen über Bier, Business und die ganz großen Themen der Menschen in ihren Zelten zu befragen. Im Dreier-Interview begegnete sie gewachsenem Gastronominnen-Selbstbewusstsein: Gegendert wird nicht, hinter einem starken Wiesn-Wirt stand eben immer schon eine starke Wirtin. Daran ändert auch die Dienstkleidung – ein Dirndl – nichts. Das muntere Gespräch mit den Chefinnen von Hofbräukeller, Ochsenbraterei und Löwenbräu finden Sie heute auf manager-magazin.de .

Herzlich, Ihre Eva Buchhorn

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