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Marleen Gründel

Der Dienstag im Überblick Wie ein Mittelständler den Multi-Krisen trotzt

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem flexiblen Fahrradhersteller, einem begehrten Börsengang und einem sorgenvollen Strombetreiber.

Steigende Kosten durch Energieknappheit und die allgemeine Inflation, Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten, Fachkräftemangel – Unternehmen stehen derzeit vor erheblichen Herausforderungen. So wie der Fahrradhersteller Rose Bikes aus dem nordrhein-westfälischen Bocholt.

Dem Mittelständler macht vor allem die Abhängigkeit von Asien zu schaffen. "Wir haben 60.000 Fahrräder, die fast fertig sind. Aber wir können nur ein Viertel davon komplettieren", erklärt Geschäftsführer Thorsten Heckrath-Rose. Bei den restlichen Rädern fehlten die Teile. Dennoch hat es das Familienunternehmen bisher vergleichsweise gut durch die Vielzahl der Krisen geschafft, Rose Bikes wird in diesem Jahr voraussichtlich 40 bis 50 Prozent mehr Fahrräder produziert und verkauft haben als im Geschäftsjahr zuvor.

Geholfen haben Heckrath-Rose unter anderem eine Verkleinerung des Angebots und eine Tauschbörse mit der Konkurrenz. So etwas habe es in der Geschichte des Unternehmens noch nie gegeben. "Ich glaube, dass es nur so geht." Unternehmen müssten in der Krise zusammenarbeiten, auch wenn sie normalerweise Konkurrenten seien. Wie intensiv der Betriebswirt derzeit über eine Produktion in Europa nachdenkt, wie er mit Angeboten von Finanzinvestoren umgehen würde und wie er auf den Mangel an Fachkräften reagiert, hat der Rose-Bikes-Geschäftsführer unserem Kollegen Lutz Reiche im Interview erzählt .

"In ruhigeres Fahrwasser kommen und durchatmen können": Familienunternehmer Thorsten Heckrath-Rose (49) wünscht sich für das neue Geschäftsjahr ein wenig mehr Normalität – und vor allem stabile Lieferketten

"In ruhigeres Fahrwasser kommen und durchatmen können": Familienunternehmer Thorsten Heckrath-Rose (49) wünscht sich für das neue Geschäftsjahr ein wenig mehr Normalität – und vor allem stabile Lieferketten

Foto: PR

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Porsche erregt Interesse: Seit heute können Anleger die Vorzugsaktien von Porsche zeichnen und offenbar stößt der geplante Börsengang des Sportwagenbauers auf reges Interesse. Die Orderbücher seien "über die gesamte Preisspanne hinweg vielfach überzeichnet", teilten die begleitenden Banken nur eineinhalb Stunden nach Beginn der Zeichnungsfrist mit. Für Porsche-Chef Oliver Blume eine gute Nachricht – schließlich profitiert er auch persönlich von einem erfolgreichen Börsengang.

  • Apple erhöht Preise: Ab dem 5. Oktober müssen Apple-Kunden aus der Eurozone im App Store etwa 20 bis 30 Prozent mehr für Programme zahlen. Der Konzern will damit seine Gewinnmargen im Auslandsgeschäft sichern, die durch den starken Dollar unter Druck geraten sind. Allerdings hatte Apple die App-Store-Preise in der Eurozone erst im vergangenen Jahr gesenkt.

  • Habeck prüft Gasumlage: Eigentlich sollen die ersten Abschlagszahlungen für die vom Wirtschaftsministerium geplante Gasumlage Ende Oktober fällig werden. Doch nun stellt Robert Habeck die Abgabe auf den Prüfstand. Offenbar hat er "finanzverfassungsrechtliche Zweifel".

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • "Äußerst angespannt": So bezeichnet Amprion die Versorgungslage im kommenden Winter. Amprion ist einer von vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern, das Unternehmen ist im Westen Deutschlands verantwortlich für die Versorgung von Unternehmen und Haushalten mit Strom. Im Notfall kann das auch heißen: Amprion dreht ganzen Regionen den Strom ab. Welche Maßnahmen der Betreiber ergreift, bevor es zum Ernstfall kommt, hat unsere Kollegin Anna Driftschröer recherchiert: "Wie Amprion Strom-Abschaltungen verhindern will."

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • "Einfach unfassbar": Ein Urteil des Bundessozialgerichts treibt viele Selbstständige in den Ruin. Die Richter hatten im Juni entschieden, dass Gesellschafter von GmbHs unter Umständen als abhängig beschäftigt gelten können. Die Konsequenz: Beitragsnachzahlungen in die Sozialversicherung, und zwar für mindestens vier Jahre. Pro Person drohen damit Nachzahlungen von bis zu 100.000 Euro. Unserem Kollegen Florian Gontek haben zwei Betroffene erzählt, wie die Nachzahlung ihren Betrieb verändern – und warum der Weg in die Selbstständigkeit für sie heute keiner mehr wäre. Ihre erschütternden Berichte lesen Sie hier .

Meine Empfehlung für den Abend:

Prüfung erforderlich: Wenn neue Ideen in einem schwierigen Umfeld erfolgreich sein sollen, braucht es gute strategische Planung – das gilt auch für solche Bauvorhaben in der Golfregion

Prüfung erforderlich: Wenn neue Ideen in einem schwierigen Umfeld erfolgreich sein sollen, braucht es gute strategische Planung – das gilt auch für solche Bauvorhaben in der Golfregion

Foto:

Peter Bogaczewicz

  • Strategien für turbulente Zeiten: Managerinnen und Manager müssen derzeit Entscheidungen in einem sehr dynamischen Umfeld treffen. Die Welt verändert sich so rasant, dass Unternehmen nicht mehr für alle Eventualitäten planen können. Hilfe versprechen Methoden zur Strategieentwicklung unter Unsicherheit. Doch viele Entscheider lehnen die entsprechenden Tools ab – zum Nachteil ihrer Kunden, Aktionäre und übrigen Stakeholder. Die beiden Unternehmensberater Michael Mankins und Mark Gottfredson stellen in der Titelgeschichte des neuen Harvard Business manager  ein praktisches Modell vor, das mehrere Unternehmen bereits erfolgreich einsetzen.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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