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Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Investorensuche bei Roland Berger und Rettungspaket für Uniper

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem kapitalhungrigen Unternehmensberater, einem kapitalleidenden Gasversorger und einem kapital unzufriedenen Großaktionär.

Roland Berger gehört zu den erfolgreichsten Unternehmensberatungen der Welt. Das Geschäft der Münchener blüht, für 2023 rechnen die rund 300 Partner erstmals mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Doch auch die deutlich größeren Konkurrenten wie McKinsey oder die Boston Consulting Group profitieren von der aktuell hohen Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen.

Um den Abstand zur Konkurrenz nicht zu verlieren, will der seit 2019 amtierende Berger-Chef Stefan Schaible rund 400 Millionen Euro in die Digitalisierung und die Nachhaltigkeitskompetenz des Unternehmens investieren. Das benötigte Kapital soll ein Anteilsverkauf an externe Investoren erbringen, wie unser Chefredakteur Sven Clausen erfahren hat. Demnach spielt der Oberberater mit dem Gedanken, die Firma in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umzuwandeln – durch die neue Gesellschaftsform würden die Berger-Partner weiterhin die Kontrolle behalten. Sogar ein Börsengang ist denkbar.

Ob Schaible sich mit seinem Plan durchsetzt, ist noch unsicher. Gerade unter den Altgedienten präferieren Einzelne den Verkauf der Beratungsfirma an einen Finanzinvestor – verbunden mit beträchtlichen Zahlungen an sich selbst. Lesen Sie hier, mit welchen Argumenten der Berger-Primus seine Partnerinnen und Partner zu überzeugen versucht: "Wie Roland Berger Investoren anlocken will." 

Familienoberhaupt: Stefan Schaible hält die Berger-Truppe zusammen.

Familienoberhaupt: Stefan Schaible hält die Berger-Truppe zusammen.

Foto:

Friedrich Bungert / picture alliance / SZ Photo

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Gas aus Russland: Die Anzeichen für eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 nach der routinemäßigen Wartung verdichten sich. Wie aus Daten des Netzbetreibers Gascade hervorgeht, sind für die beiden Empfangspunkte der Pipeline im vorpommerschen Lubmin Gaslieferungen vorgemerkt. Diese Anmeldungen sind Voraussetzung dafür, dass nennenswerte Mengen durch die Leitungen transportiert werden können. Bereits gestern hatte der deutsche Leitindex Dax mit einem heftigen Kurssprung auf Berichte reagiert, wonach Russland seine Gaslieferungen nach Beendigung der Wartung am Donnerstag wieder aufnehmen will.

  • Rettung für Uniper: Die Lieferausfälle aus Russland und die hohen Kosten für Ersatzgas haben bekanntlich auch den Versorger in eine finanzielle Notsituation gebracht, Uniper hat beim Staat um Hilfe gerufen. Noch laufen die Gespräche zwischen Bund und Unternehmen, doch inzwischen sind mehrere Details des geplanten Rettungspakets durchgesickert. So wird der Staat offenbar mit bis zu 30 Prozent bei Uniper einsteigen und dafür zwischen fünf und zehn Milliarden Euro zahlen. Zudem soll die staatliche Förderbank KfW ihren Kreditrahmen auf acht Milliarden Euro heraufsetzen – und Uniper die gestiegenen Kosten an seine Kunden weitergeben dürfen. Anders gesagt: Es wird teuer.

  • Abschreibungen bei Continental: Der drittgrößte deutsche Autozulieferer hat im zweiten Quartal operativ besser abgeschnitten als erwartet. Vor allem der hohe Umsatz der Automotive-Sparte überraschte Analysten. Allerdings muss Continental wegen der Russland-Sanktionen und Restrukturierungen Sonderkosten von fast einer halben Milliarde Euro verbuchen. An der bereits im April gesenkten Prognose hielt der Vorstand um Konzernchef Nikolai Setzer fest.

  • Erleichterung bei Netflix: Und zwar über einen Millionenverlust. Mit 970.000 Kunden hat der Streamingdienst im zweiten Quartal nämlich nur halb so viele Abonnenten verloren, wie befürchtet. Zu verdanken hatte Netflix das auch Serienerfolgen wie der Mystery-Serie "Stranger Things". Nach Jahren rasanten Wachstums litt Netflix zuletzt darunter, dass Rivalen wie Walt Disney, Warner Bros Discovery und Apple stark in ihre eigenen Streamingdienste investierten. Die Aktie, die allein in diesem Jahr um mehr als 60 Prozent abgestürzt war, steigt nun trotz des Abonnentenschwunds deutlich. Irgendwie auch ein "strange thing".

Erfolgsserie "Stranger Things": Derzeit läuft bei Netflix das Staffelfinale der Mystery-Serie

Erfolgsserie "Stranger Things": Derzeit läuft bei Netflix das Staffelfinale der Mystery-Serie

Foto: Chris Delmas / AFP

Die Personalie des Tages:

  • Chefaufseher der Commerzbank: Bis Mai 2023 läuft Helmut Gottschalks Vertrag als Chefkontrolleur der Commerzbank noch, und er würde gern noch ein wenig dranhängen. Doch der Bund, der mit rund 15 Prozent an dem Sanierungsfall beteiligt ist, bereitet nach Recherchen unserer Kollegin Katharina Slodczyk die Suche nach einem Nachfolger vor. Offenbar war man irritiert über einige "strange things" in der Amtsführung des Oberaufsehers. Womit sich Gottschalk den Rückhalt verscherzt hat und was er selbst davon hält, erfahren Sie hier: "Die heimliche Suche nach einem neuen Chefaufseher." 

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Die Hitze, wie Sie vermutlich auch. Außerdem:

  • Dämpfer für Immobilienpreise: Der jahrelange Boom am deutschen Wohnungsmarkt hat sich laut einer Studie des Großmaklers Jones Lang LaSalle im ersten Halbjahr abgekühlt. Die angebotenen Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind in den acht größten deutschen Städten "nur" noch um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Damit hat sich das Wachstum nahezu halbiert. Vor allem die rasant gestiegenen Bauzinsen dämpfen die Nachfrage.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Coaching für Führungskräfte: "The Great Resignation", die große Kündigungswelle, hat sich von den USA aus auch nach Europa und Deutschland ausgebreitet. Ausgelöst durch die tief greifenden Umbrüche in der Pandemie haben viele Arbeitnehmer ihre Prioritäten auf den Prüfstand gestellt. Derzeit streben hierzulande rund 44 Prozent aller Beschäftigten einen Jobwechsel an, wie Executive Coach Rebecca Zucker berichtet. Die Karriereexpertin beschreibt bei unseren Kollegen vom Harvard Business manager, wie Sie als Führungskraft am besten reagieren sollten , wenn Sie eine Kündigung von einem ihrer Mitarbeiter vorgelegt bekommen.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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