Kai Lange

Der Montag im Überblick Absurde Rohstoffpreise, Absturz an den Börsen und ein Scheidungs-Drama

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit historisch hohen Gas- und Ölpreisen, einem Absturz an den Börsen, Szenarien für den nächsten Winter und einem Scheidungsdrama, das zwei Unternehmen gefährdet.

Am zwölften Tag des Krieges verstärken Putins Truppen ihre Angriffe und nehmen Kiew und Charkiw erneut unter Beschuss. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. An den Weltbörsen realisieren die Menschen, dass der Krieg in der Ukraine nicht nur eine politische Zeitenwende bedeutet, sondern auch die Regeln in der Wirtschaft neu bestimmt. Die westlichen Bündnispartner sind entschlossen, Russland zu isolieren. Sie nehmen dafür wirtschaftliche Belastungen im eigenen Land in Kauf – und zwar langfristig. Auch ein Importstopp für russisches Öl ist kein Tabuthema mehr.

Energie- und Rohstoffpreise heben ab

Die Energie- und Rohstoffpreise haben seit Putins Angriff auf die Ukraine Niveaus erreicht, die selbst Branchenkenner noch vor zwei Wochen nicht für möglich gehalten hätten. Der Preis für ein Barrel des Nordsee-Öls Brent kratzte am Montag an der Marke von 140 US-Dollar. Es ist das höchste Niveau seit 14 Jahren. Der Gaspreis stieg am Montagmorgen um 60 Prozent. Es ist der höchste Preissprung der Geschichte. Der Grund: Mit jedem weiteren Tag des Krieges wird es wahrscheinlicher, dass die Öl- und Gaslieferungen aus Russland nach Europa beendet werden. Die Folge: Nicht nur die Inflation steigt kräftig, auch der Konjunktur dürfte der Preisanstieg einen schweren Dämpfer verpassen.

Zwangsabschaltungen in der Industrie sind möglich

Deutschland bezieht rund die Hälfte seines Erdgasbedarfs aus Russland. Welch dramatische Folgen ein Stopp russischer Energie-Importe haben kann, hat unser Kollege Helmut Reich daher den Energie-Expertem Hanns Koenig gefragt. Verbraucher in Deutschland müssen sich demnach im nächsten Winter im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen, denn schon eine Absenkung der Wohnungstemperatur um 2 Grad hilft, den Gasbedarf um etwa 16 Prozent zu senken. Für die Industrie hätte ein Verzicht auf russisches Gas noch viel heftigere Folgen: Koenig hält Zwangsabschaltungen einzelner Industriebetriebe für möglich. Zudem dürften viele Unternehmen die Produktion aus eigenem Antrieb einstellen, da sie die extrem hohen Energiepreise nicht mehr an die Kunden weiterreichen können.

Börsen tauchen weltweit ab – Dax im Bärenmarkt-Modus

Steigende Energiepreise, eine gedrosselte Produktion, ein von hoher Inflation gebeutelter Verbraucher sowie die Gefahr einer Rezession in Europa: Diese Faktoren sind Gift für die Börse. Der deutsche Leitindex Dax, der noch zu Jahresbeginn knapp über der Marke von 16.000 Punkten notiert hatte, tauchte am Montag zeitweise bis auf 12.500 Zähler ab. Mit einem Verlust von inzwischen mehr als 20 Prozent binnen zehn Wochen befindet sich der Dax im sogenannten Bärenmarkt. Eine rasche Erholung zu alten Rekordhöhen ist unwahrscheinlich. Zu groß sind die Verwerfungen, die derzeit die Märkte erschüttern.

Absturz: Der Dax hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert verloren

Absturz: Der Dax hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert verloren

Foto: LISI NIESNER/ REUTERS

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Pleitegefahr in der Baubranche: Der Haus- und Wohnungsbau in Deutschland boomt seit Jahren. Doch in der Baubranche melden trotz voller Auftragsbücher und steigender Preise immer mehr Unternehmen Insolvenz an. Steigen die Preise weiter, fürchtet der Zentralverband Baugewerbe eine Spirale aus Preisnachforderungen und Insolvenzen, die Unternehmen wie Bauherren in Schwierigkeiten bringen könnte.

  • Tesla kann bald die Produktion in Brandenburg starten: In Teslas Giga-Factory im brandenburgischen Grünheide werden wohl noch im März die ersten Autos vom Band rollen. Das Land hatte den Bau der Fabrik am vergangenen Freitag genehmigt, allerdings muss Tesla noch rund 400 Auflagen erfüllen. Der US-Autobauer ist zuversichtlich, die Bedingungen binnen zwei Wochen abzuarbeiten.

  • Prozess gegen Hanno Berger beginnt Mitte April: Der ehemalige Finanzbeamte und Steueranwalt Hanno Berger gilt als Schlüsselfigur im Cum-Ex-Skandal. Nach Bergers Auslieferung aus der Schweiz soll der Strafprozess gegen Berger nun am 12. April in Wiesbaden beginnen. Dem deutschen Steuerzahler soll durch die Cum-Ex-Geschäfte ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden sein. Berger bestreitet die Vorwürfe.

Unser Podcast: Deutschlands digitale Hoffnungsträger

  • Wenige Hoffnungsträger hat Corona so hart getroffen wie Flixbus. Trotzdem hat Gründer André Schwämmlein die Übernahme des US-Anbieters Greyhound gestemmt – und die Bewertung seines Unternehmens auf drei Milliarden Dollar gesteigert. Im manager magazin Podcast spricht er über die Krise und erklärt, wie er Flixbus ganz groß machen will. Hören Sie mal rein!

Meine Empfehlung für den Abend:

Ein Paar sieht rot: Friedrich Wilhelm Göbel will den Traditionshändler Sinn von seiner Ex-Frau Isabella Göbel zurück

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Foto: Henning Kretschmer für manager magazin; Jann Höfer für manager magazin
  • Ehekrach und Scheidung gehören zum Alltag und sind in der Regel Privatsache. Das ist nicht der Fall, wenn ein Ehekrach dermaßen ausartet, dass er gleich zwei Mode-Unternehmen und die Jobs ihrer Mitarbeiter gefährdet. Die brutale Fehde zwischen den inzwischen geschiedenen Unternehmern Friedrich Wilhelm und Isabella Göbel hat das Zeug, die Zukunft der Modehäuser Sinn und des Konkurrenten Aachener zu gefährden. Unser Kollege Martin Mehringer hat Details diese wohl einmaligen Dramas aufgeschrieben: "Ein Paar sieht rot".

Herzlich, Ihr Kai Lange