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Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Ausverkauf am Aktienmarkt und Zeitenwende am Anleihenmarkt

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Angst an der Börse, Zuversicht in Großbritannien und Skepsis in Deutschland.

Eigentlich wollte der russische Staatskonzern Gazprom nach Abschluss der dreitägigen Wartungsarbeiten am Samstag wieder Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 Richtung Europa schicken. Doch dann trat am Freitagabend nach Börsenschluss das ein, was viele Marktteilnehmer lange Zeit befürchtet hatten: Der Energieriese teilte mit, dass der Gasdurchfluss bis auf Weiteres unterbrochen bleibe. Grund sei ein Öl-Leck an der Turbine in der Kompressorstation Portowaja. Eine Begründung, der hierzulande wenig Glauben geschenkt wird.

An der Börse löste die Ankündigung einen regelrechten Ausverkauf aus. Der deutsche Leitindex Dax verlor zeitweise mehr als 3 Prozent, der Euro fiel auf ein 20-Jahres-Tief, gleichzeitig schoss der Preis für europäisches Erdgas um rund 35 Prozent in die Höhe. "Die Angst vor einer Art Lehmann-Krise im europäischen Energiesektor wächst", urteilte ein Analyst.

Besonders Aktien von Energieunternehmen standen unter Druck, allen voran die Papiere von Deutschlands größtem Gasimporteur Uniper. Doch auch für die Aktien von RWE, dem Windkonzern PNE und dem Solarparkbetreiber Encavis ging es bergab. Sie fragen sich, warum? Nun, das liegt wiederum an der im dritten Entlastungspaket der Bundesregierung enthaltenen neuen Übergewinnsteuer, Entschuldigung, Zufallsgewinnsteuer, wie sie ja seit dem Wochenende heißt. Denn dieses System zielt nicht mehr auf die bisher im Fokus stehenden großen internationalen Öl- und Gaskonzerne ab, sondern auf die Produzenten, die am günstigsten Strom erzeugen. Diese Unternehmen profitieren derzeit von dem an den Gaspreis gekoppelten steigenden Strompreis, und sollen von ihren sprudelnden Einnahmen etwas abgeben.

Doch nicht nur die Aktien von Energieunternehmen rauschten in die Tiefe. Auch die Papiere von Autobauern, Industrie- und Chemiefirmen knickten ein. Warum die Gaskrise das Zeug hat, auf sämtliche Bereiche der Weltwirtschaft überzugreifen, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Wer nun angesichts der Turbulenzen am Aktienmarkt Zuflucht in Anleihen sucht, der sei gewarnt, denn hier zeichnet sich gerade eine historische Wende ab: Erstmals sseit drei Jahrzehnten hat sich der Markt für globale Anleihen wieder in einen Bärenmarkt verwandelt, die Kurse gaben also im Vergleich zum vorangegangenen Hoch um mindestens 20 Prozent nach. Woran das liegt und welche Chancen wiederum in der drohenden Rezession liegen, hat Kollege Helmut Reich für Sie aufgeschrieben: "Zeitenwende am Anleihenmarkt."

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Wechsel in der Downing Street: Die künftige britische Premierministerin Liz Truss

Wechsel in der Downing Street: Die künftige britische Premierministerin Liz Truss

Foto: PHIL NOBLE / REUTERS
  • Neue Premierministerin: Die Mitglieder der regierenden Konservativen Partei in Großbritannien haben die bisherige Außenministerin Liz Truss zu ihrer neuen Vorsitzenden gewählt. Die selbsterklärte Thatcher-Erbin wird bereits am morgigen Dienstag das Amt von Premierminister Boris Johnson übernehmen. Wie die 47-Jährige die Wirtschaft des Landes wieder ankurbeln will und was ihre Wahl für die EU bedeutet, lesen Sie hier.

  • Neue Mitarbeiter: Die US-Großbank J.P. Morgan hat rund 80 Stellen in Berlin und Frankfurt am Main ausgeschrieben. Offenbar will das Institut hierzulande ein neues Privatkundengeschäft aufbauen, allerdings überwiegend digital. Das wäre ein Frontalangriff auf die Deutsche Bank.

  • Neues Entlastungspaket: Wie bereits angesprochen, haben sich die Spitzen der Koalition am Wochenende auf ein drittes Entlastungspaket für Unternehmen und Bevölkerung verständigt. Die Details können Sie hier noch einmal nachlesen. Bei zahlreichen Ökonomen stößt das milliardenschwere Paket allerdings auf Skepsis. Auch die Regierungschefs der Länder kritisieren die Pläne der Ampel-Koalition.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Gustavo Arnal, seit 2020 CFO bei Bed Bath & Beyond, ist am Freitagnachmittag von einem New Yorker Hochhaus gestürzt und gestorben. Der US-Wohnungsausstatter war eine der in den Internetforen gehypten sogenannten Meme-Aktien. Nach einem Kurssprung der Aktie um rund 66 Prozent innerhalb weniger Tage brach der Kurs kurz danach wieder in sich zusammen. Wütende Anleger klagten gegen das Unternehmen, gegen Arnal und einen Großaktionär. Ob Arnals Tod damit im Zusammenhang steht, ist unklar.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Wenn Sie Kinder im Teenager-Alter haben, kennen Sie wahrscheinlich die Plattform Roblox. Hier können die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur zocken, sondern lernen auch die Grundlagen des Programmierens. Rund 42 Millionen Menschen sind täglich auf der Plattform unterwegs. Mitgründer und CEO David Baszucki erklärt sein Erfolgsrezept für Innovation und die Chancen des Metaverse .

Meine Empfehlung für den Abend:

Antizykliker: Unternehmerspross Benedict Rodenstock sucht mitten im Börsencrash Investoren für seinen ersten Venture-Capital-Fond

Antizykliker: Unternehmerspross Benedict Rodenstock sucht mitten im Börsencrash Investoren für seinen ersten Venture-Capital-Fond

Foto: Robert Brembeck
  • Mit Brillen hat es Benedict Rodenstock, Spross der gleichnamigen Brillendynastie, nicht so. Der studierte Historiker möchte lieber im ganz großen Geschäft mitmischen und hat einen Venture-Capital-Fonds für familienfremde Investoren aufgelegt. Sein Versprechen: eine interne Rendite von rund 20 Prozent pro Jahr. Seit dem Sommer vergangenen Jahres wirbt seine Firma Arviq Capital um Investoren, vor allem bei anderen deutschen Unternehmerfamilien. Doch bisher hält sich die Nachfrage in Grenzen. Woran das liegt, hat Kollege Mark Böschen hier  für Sie aufgeschrieben.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

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