Marleen Gründel

Der Dienstag im Überblick Ein Plädoyer für eine Rente ohne Versicherer

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Altersvorsorge ohne Versicherer, einem Milliardendeal ohne Erfolg und einem Techkonzern ohne Verwaltungsrat.

Schlummert auch in Ihrem Depot eine Riester-Rente mit hohen Kosten und mickriger Rendite? Oder gar eine Rürup-Rente, bei der Sie zur Zwangsverrentung verpflichtet sind? Kaum ein Thema beschäftigt Menschen über alle Generationen und Einkommensklassen hinweg mehr als die Altersvorsorge. Klar ist, die gesetzliche Rente reicht nach derzeitigem Stand nicht aus.

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge, benannt nach ihren Erfindern Walter Riester und Bert Rürup, sollte diese Lücke schließen. Doch auch die Riester- und Rürup-Rentenprodukte werden von Experten heftig kritisiert: Zu hohe Kosten, ein überflüssiger Verrentungszwang und intransparente Verträge, bemängelt etwa Axel Kleinlein. Der Versicherungsmathematiker führt seit 2011 den Bund der Versicherten, die größte deutsche Verbraucherschutzorganisation für Versicherte.

Gemeinsam mit Gerhard Schick, einem promovierten Volkswirt und dem Mit-Initiator der "Bürgerbewegung Finanzwende", fordert Kleinlein im Interview mit unserem Kollegen Lutz Reiche ein öffentlich organisiertes, günstiges Vorsorgeangebot. Der Rahmen würde dabei von der Deutschen Rentenversicherung geschaffen, die nur den Sparerinnen und Sparern gegenüber verantwortlich ist – und nicht wie bei den Versicherern den Aktionären. Denn nur so könnten nach Meinung der beiden Verbraucherschützer auch die viel zu hohen Kosten gedrückt werden. Was Kleinlein und Schick vom Kapitalstock der neuen Ampel-Regierung halten, wie sie über das Aktiensparen nach schwedischem Vorbild denken und warum sie die deutsche Riester-Rente für nicht reformierbar halten, erfahren Sie hier: "Gesetzliche Rente ist gegenüber Riester ein Renditeturbo".

Beliebtes Ziel von Karnevalisten: Die ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) und Norbert Blüm (CDU)

Beliebtes Ziel von Karnevalisten: Die ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) und Norbert Blüm (CDU)

Foto: Frank May / picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Nvidia scheitert mit Übernahme von Arm: Der US-Chiphersteller Nvidia wollte seinen britischen Konkurrenten Arm für rund 50 Milliarden Dollar übernehmen. Nun ist einer der größten Deals in der Halbleiterbranche geplatzt, und zwar wegen kartellrechtlicher Bedenken der Regulierungsbehörden. Arm gilt als Kronjuwel der britischen Technologiebranche. Seine energieeffizienten Chiparchitekturen werden in 95 Prozent der weltweit produzierten Smartphones verwendet. Arm-Eigentümer Softbank will den Chipdesigner nun offenbar an die Börse bringen.

  • Meta fürchtet Aus für Instagram und Facebook: Zieht Meta-Chef Mark Zuckerberg zwei seiner wichtigsten Apps aus Europa ab? Diese Frage sorgt gerade im Netz für Aufsehen. Hintergrund ist ein Zitat im Geschäftsbericht des Facebook-Mutterkonzerns, dem zufolge die Einstellung der Angebote drohe, wenn keine Daten mehr zwischen Europa und den USA ausgetauscht werden dürften. So spektakulär das auf den ersten Blick auch klingen mag, überraschend sind diese Aussagen nicht. Wie jeder börsennotierte Konzern ist auch Meta verpflichtet, in seinen Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC über drohende Risiken aufzuklären. Und da der Europäische Gerichtshof den Datenaustauschpakt "Privacy Shield" gekippt hat, muss Meta auf diese Gefahr hinweisen – auch wenn ein Rückzug der beiden Apps aus Europa äußerst unwahrscheinlich ist.

Die Personalien des Tages:

  • Deutz-Aufsichtsratschef Bernd Bohr vor dem Rücktritt: Der 65-Jährige hat sich mit seinem CEO Frank Hiller derart zerstritten, dass er nun wohl den Posten als Vorsitzender des Kontrollgremiums niederlegen will. Was in der Chefetage des Motorenbauers genau vorfiel und welche Rolle die Frauenquote dabei spielt, lesen Sie hier: Das Frauenquoten-Beben beim Motorenbauer Deutz .

  • Noch einmal Meta: Tech-Investor Peter Thiel war Mitgründer des Bezahldienstes Paypal und wurde durch den frühen Einstieg bei Facebook noch reicher. Nun zieht sich der Milliardär aus dem Verwaltungsrat der Facebook-Mutter Meta zurück. Der Investor will sich offenbar stärker in der Politik engagieren und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump bei den Zwischenwahlen in diesem Jahr unterstützen.

  • Martin Blessing macht Karriere bei der Danske Bank: Der ehemalige Commerzbank-Chef soll bei dem größten dänischen Geldhaus den Vorsitz des Verwaltungsrats übernehmen. Blessing sitzt bereits seit 2020 in dem Kontrollgremium des Instituts, bei dem 2018 ein milliardenschwerer Geldwäscheskandal aufgedeckt wurde. Die Personalie soll auf der kommenden Hauptversammlung am 17. März beschlossen werden.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Meine Empfehlung für den Abend:

"Der Posteingang wird oft als To-Do-Liste missbraucht": Produktivitäts-Coach Linda Wulff gibt im Podcast "Team A" Tipps für kluges Selbstmanagement

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Foto: Studioline Photography Lübeck
  • Durch die Corona-Pandemie ist Zeitmanagement für viele Managerinnen und Manager noch wichtiger geworden. Lange Tage voller Videokonferenzen, der immer voller werdende Posteingang sowie der ständig blinkende Messenger erschweren die Konzentration auf eine Aufgabe. In unserem Podcast "Team A" erklärt Linda Wulff, Coach für Produktivität und Zeitmanagement, wie Sie den Kalender besser nutzen können, wie Sie Ziele herunterbrechen sollten und wie Sie auch nervige Pflichtaufgaben locker bewältigen. Hören Sie doch mal rein! 

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel