Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Wie Sie Ihr Geld beschützen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Geldprofis und ihren Tipps für schwierige Zeiten, einem Investor, der Unilever aufmischt und einem Condor-Chef, der sich mit Kerosin verzockt hat.

Gehören Sie auch zu denen, die sich über die hohen Energiepreise und die aktuelle Inflationsrate von 8 Prozent Sorgen machen? Die mit einer weiteren Schwäche des Aktienmarktes rechnen, weil die überfälligen Zinserhöhungen der Notenbanken die Wirtschaft wahrscheinlich in eine Rezession treiben werden? Fragen Sie sich auch, wie man jetzt am besten sein Geld beschützt? Dann haben wir heute einen Trost und ein paar Ratschläge für Sie: Sie sind mit diesen Sorgen nicht allein.

Vor wenigen Wochen waren Dutzende der weltweit mächtigsten Geldmanager zur "Milken Institute Global Conference" nach Hollywood gereist. Unser Kollege Mark Böschen war bei dem Treffen der Private-Equity-Granden, Spitzenbanker und Hedgefonds-Manager dabei. Die Sonne über dem Hotel "Beverly Hilton" stand im Kontrast zu der düsteren Prognose, über die sich die Mehrheit der Profis einig ist: Fast alle erwarten in diesem Jahr eine Rezession, gefolgt von Jahren hoher Teuerung und niedrigen Wachstums.

Das klingt nach einem Rückfall in die 70er-Jahre. Das Geld in Zeiten hoher Inflation einfach liegenzulassen, ist aber auch keine Lösung. Umso wichtiger ist es, sich wie die Top-Investoren eine Strategie für schwierige Zeiten zurechtzulegen. Einige ihrer wichtigsten Ratschläge lauten: Fürchtet die Favoriten. Meidet Tech-Aktien, denn sie sind immer noch zu teuer. Steigt nach dem jüngsten Kursrutsch noch nicht wieder ein, denn der Sturm ist noch nicht vorbei. Schaut auf Bankenwerte, denn die Macht verschiebt sich derzeit von Unternehmen zu den Investoren. Wie sich Profi-Investoren auf den möglichen Crash vorbereiten, lesen Sie in unserem ausführlichen Report.

Alexa, wir wollen mehr: Christian Smalls, Präsident der ersten Amazon Labor Union, tritt in New York nach der Gründung der Gewerkschaft vor die Presse. Rasant steigende Löhne und Zinserhöhungen der US-Notenbank dürften in diesem Jahr für eine Rezession sorgen. Die Geldprofis an der Wall Street entwerfen Krisenstrategien.

Alexa, wir wollen mehr: Christian Smalls, Präsident der ersten Amazon Labor Union, tritt in New York nach der Gründung der Gewerkschaft vor die Presse. Rasant steigende Löhne und Zinserhöhungen der US-Notenbank dürften in diesem Jahr für eine Rezession sorgen. Die Geldprofis an der Wall Street entwerfen Krisenstrategien.

Foto:

Desean McClinton-Holland / NYT / Redux / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Inflationsrate in Eurozone springt über die Marke von 8 Prozent: Explodierende Preise für Energie und Lebensmittel haben die Teuerungsrate in der Eurozone im Mai auf ein Rekordhoch von 8,1 Prozent getrieben. EZB-Chefin Christine Lagarde hat ein Ende der Negativzinsen angekündigt, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Stark steigende Zinsen dürften mittelfristig vor allem in den hoch verschuldeten Ländern Südeuropas zu einem Problem werden.

  • Razzia bei Deutscher Bank und DWS: Ermittler der Frankfurter Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht und des Bundeskriminalamts haben am Dienstag die beiden Zentralen der Deutschen Bank und der Fondsgesellschaft DWS in Frankfurt am Main durchsucht. Sie werfen den beiden Unternehmen Kapitalanlagebetrug und sogenanntes "Greenwashing" vor: Sie sollen Finanzprodukte als umweltfreundlicher und nachhaltiger ausgegeben haben, als sie tatsächlich sind.

  • Ölpreise steigen weiter: Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent ist am Dienstag über die Marke von 123 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit zwei Monaten gestiegen. Zum einen erwarten Händler einen weiteren Rückgang russischer Ölimporte nach Europa. Zum anderen steigt der Ölbedarf in China wieder stark an: Denn nach zwei Monaten endet die Zeit der strengen Corona-Lockdowns.

Die Personalie des Tages:

  • Investor Nelson Peltz mischt Unilever auf: Unruhe beim britischen Konsumgüterriesen Unilever: Der aktivistische Investor Nelson Peltz soll im Juli in den Verwaltungsrat des Konzerns einziehen, zu dem Marken wie Langnese, Knorr und Lipton gehören. Peltz hält mit seinem Hedgefonds Trian inzwischen rund 1,5 Prozent der Unilever-Aktien. Aktivistische Investoren wie Peltz steigen gern bei Unternehmen ein, die sich im Umbau befinden, und drängen dann auf rasche und deutliche Veränderungen. Während dem Unilever-Management ungemütliche Zeiten bevorstehen, steigt bei den Aktionären schon mal die Vorfreude: Die Aktie von Unilever legte am Dienstag um rund 7 Prozent zu.

Meine Empfehlung für den Abend:

Im Schmollwinkel: Condor-Lenker Ralf Teckentrup hat sich verspekuliert

Im Schmollwinkel: Condor-Lenker Ralf Teckentrup hat sich verspekuliert

Foto: Maximilian von Lachner / VISUM
  • Condor-Chef hat sich verspekuliert: Dem deutschen Ferienflieger Condor drohen vor der Ferien- und Urlaubszeit neue Turbulenzen. Die Airline musste nach der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook staatlich gestützt werden und gehört nun mehrheitlich dem Finanzinvestor Attestor. Doch statt nach zwei harten Corona-Jahren wieder durchzustarten, müssen die neuen Eigentümer erst einmal einen Fehler des Condor-Chefs Ralf Teckentrup ausbügeln: Im Gegensatz zur Konkurrenz wie die Lufthansa hat sich Condor kaum gegen die steigenden Spritpreise abgesichert.Die Verdopplung des Kerosinpreises binnen zwölf Monaten trifft Condor jetzt brutal. Eingeweihte berichten von fast 100 Millionen Euro Schaden. Eine gewaltige Summe für die Fluglinie, die 2019 einen Gewinn von 57 Millionen Euro noch als großen Erfolg verkaufte. Zwar kann Condor künftig Kerosinzuschläge erheben. Doch diese werden den Nachteil gegenüber der Konkurrenz nicht ausgleichen – und auch den Condor-Fluggästen zum Start des Sommerurlaubs nicht schmecken.

    Herzlich, Ihr Kai Lange