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Kai Lange

Der Mittwoch im Überblick Preiskämpfe im Handel, Rettung für Uniper – und ein Auszug der deutschen Industrie

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Rewe-Chef, der mit harten Bandagen kämpft, einem Gasimporteur, der vom Staat aufgefangen wird, und einem erfolgreichen deutschen Mittelständler, der den Abschied aus Deutschland unbedingt verhindern will.

Die Urlaubsreise nach zwei Jahren Pandemie, der Einkauf in Zeiten der Inflation: Touristik und Lebensmittelhandel sind beide stark von den Corona-Folgen, dem Krieg in der Ukraine und den steigenden Preisen in Deutschland betroffen. Rewe-Chef Lionel Souque ist in beiden Geschäftsfeldern unterwegs: Im Interview mit unseren Kolleginnen Margret Hucko und Simone Salden spricht der gebürtige Franzose Klartext über die multiplen Krisen und erklärt, warum der Staat oft nicht als Krisenmanager taugt.

Beispiel Tui: Der einst deutsche Reisekonzern, der inzwischen an der Londoner Börse gelistet ist und dessen größte Einzelaktionärin die Ehefrau eines russischen Oligarchen ist, hat gleich dreimal Staatshilfe kassiert. Die deutsche Genossenschaft Rewe mit ihrer Reise-Tochter DER Touristik ging dagegen leer aus. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auch mehr Schiffe und Hotels gekauft", sagt Souque. "Wenn Wettbewerb fair sein soll, dann darf der Staat nicht so stark eingreifen."

Auch im Sektor Lebensmittelhandel führt Rewe "sehr sportliche Gespräche" mit den Lieferanten, berichtet Souque. Mit Weltkonzernen wie Unilever, Mars oder Nestlé laufen harte Auseinandersetzungen über die Preise. "Einige der großen Konzerne haben aus Profitsucht versäumt, sich etwa bei der Energie langfristig einzudecken", sagt der Rewe-Chef. Dass diese Unternehmen nun versuchen, ihre eigenen Fehler durch Preissteigerungen auszubügeln, sei nicht okay.

Dass sich Rewe im Frühjahr 2021 gerade noch rechtzeitig vom Russland-Geschäft getrennt hat, bezeichnet Souque als Glücksfall. Es habe schon lange vor Beginn des Krieges ein "Riesentheater" mit russischen Geschäftspartnern gegeben – inklusive eines denkwürdigen Treffens bei Wien, samt gefälschter Unterschriften und eines späteren Einsatzes von Interpol. Das vollständige Interview mit dem krisenerprobten Rewe-Topmanager lesen Sie hier.

Freud und Leid: Rewe-Chef Lionel Souque ist mit DER Touristik im Wettbewerb mit der Tui - und hat im Kerngeschäft Handel auch mit seinen Zulieferern zu kämpfen

Freud und Leid: Rewe-Chef Lionel Souque ist mit DER Touristik im Wettbewerb mit der Tui - und hat im Kerngeschäft Handel auch mit seinen Zulieferern zu kämpfen

Foto: Jann Höfer für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Gasversorger Uniper wird verstaatlicht: Die Bundesregierung, der Energiekonzern Uniper und der bisherige Uniper-Mehrheitseigentümer Fortum haben sich darauf geeinigt, Uniper zu verstaatlichen. Der Bund übernimmt rund 99 Prozent der Anteile und kauft dem finnischen Versorger Fortum dessen Anteile für 1,70 Euro je Aktie ab. Damit zahlt der Staat 480 Millionen Euro an Fortum, der Steuerzahler übernimmt zusätzlich Schulden in Milliardenhöhe. Der Gas-Großhändler Uniper ist Lieferant für mehr als 100 Stadtwerke und Unternehmen und daher wichtig für die Energieversorgung in Deutschland. Ob auf die umstrittene Gasumlage nach der Verstaatlichung von Uniper verzichtet wird, ist offen.

  • Anklage gegen Ex-Wirecard-Chef zugelassen: Mehr als zwei Jahre nach der Pleite von Wirecard müssen sich Markus Braun und zwei weitere Manager des Zahlungsabwicklers vor Gericht verantworten. Den Männern wird unter anderem bandenmäßiger Betrug, Untreue und Marktmanipulation vorgeworfen, teilte das Oberlandesgericht München mit. Termine für den Prozess stehen noch nicht fest.

  • Russland mobilisiert Streitkräfte: Russlands Präsident Wladimir Putin will verstärkt russische Reservisten für seinen Krieg gegen die Ukraine mobilisieren. Das sorgt am europäischen Gasmarkt für Turbulenzen: Der Gaspreis legte am Mittwoch um knapp 10 Prozent zu und kletterte wieder über die Marke von 200 Euro je Megawattstunde.

  • Razzia am Tegernsee - Polizei stürmt Oligarchen-Villa: Spezialkräfte der Polizei haben am Mittwoch die Villa des kremltreuen Oligarchen Alischer Usmanow am Tegernsee gestürmt. Die Razzia war Teil von bundesweiten Ermittlungen, weil Usmanow gegen EU-Sanktionen verstoßen haben soll. Insgesamt wurden 24 Häuser und Wohnungen durchsucht. Usmanow wird verdächtigt, eingefrorene Gelder ausgegeben zu haben.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Zinsen steigen, Anleger zittern: Die US-Notenbank Fed, so viel ist sicher, wird den Leitzins heute Abend noch einmal kräftig erhöhen. Experten erwarten eine weitere Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf dann 3,25 Prozent. Doch auch eine so genannte "Jumbo-Zinserhöhung" um einen vollen Prozentpunkt ist möglich. In diesem Fall könnten die Aktienmärkte, die seit Tagen auf Talfahrt sind, noch einmal kräftig unter Druck geraten. Je rascher Fed-Chef Jerome Powell die Zinsen erhöht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht.

  • Tempolimit für Dienstwagen: Jeder fünfte in Deutschland zugelassene Wagen ist ein Dienstwagen. Meist sind es große, PS-starke Prestigemodelle, da der Steuerzahler die Anschaffung von Dienstwagen mit dem Dienstwagen-Privileg fördert. Unternehmen tragen mit ihren Dienstwagen-Flotten somit deutlich zu den CO₂-Emissionen im Straßenverkehr bei. Allerdings haben die Firmen bisher keine eigenen Umwelt-Richtlinien für ihre Flotte vorzuweisen. Unsere Kollegen vom Harvard Business Manager haben ein paar Ideen für eine nachhaltige Car Policy, die weit über ein Tempolimit hinausgehen. Wie eine Dienstwagenrichtlinie den Umweltschutz verbessern kann, lesen Sie auf manager-magazin.de.

Karrieretipp des Tages:

  • Denkt doch mal neu! Schaut doch mal über den Tellerrand! Wer solche Sätze schon einmal in Meetings gehört hat, weiß: Selbst bei kreativ geübten Teams lösen sie eher Fluchtreflexe aus, anstatt nachhaltig zu inspirieren. Dabei gibt es einfache Methoden, um verlässlich innovative Ideen zu entwickeln. In der kommenden Woche stellt der Innovationsexperte Simon Blake einige davon vor – im kostenlosen Webinar unserer Kollegen von manage › forward. Hier geht es zur Anmeldung.

Meine Empfehlung für den Abend:

Will bleiben: Hinrich Mählmann, Beirats-Vorsitzender der Otto Fuchs KG

Will bleiben: Hinrich Mählmann, Beirats-Vorsitzender der Otto Fuchs KG

Foto: Dominik Asbach für manager magazin
  • Der Auszug der deutschen Industrie: Explodierende Energiepreise drücken immer mehr deutsche Unternehmen an die Wand. Der Anreiz, den Standort zu verlassen, bekommt dadurch einen neuen Schub. Der Auto- und Luftfahrtzulieferer Otto Fuchs zum Beispiel gilt als Hidden Champion in der Branche und will in Deutschland bleiben – eigentlich. Noch ist der größere Teil des Energiebedarfs preislich abgesichert, erzählt der Beirats-Vorsitzende Hinrich Mählmann. Doch die Verträge laufen nur bis ins nächste Jahr. "Wenn man dann zu weiter steigenden Preisen Gas und Strom einkaufen muss", sagt Mählmann, "dann ist eine Produktion in Deutschland nicht mehr sinnvoll." Das von der Ampelkoalition verabschiedete dritte Entlastungspaket hält Mählmann für "deutlich zu kurz gesprungen". Wie sich ein Abschied von Unternehmen wie der Fuchs KG aus Deutschland verhindern ließe, berichtet meine Kollegin Eva Buchhorn.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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