Oliver Hollenstein

Der Freitag im Überblick Geld machen mit dem Müll anderer und ein Modefürst im Metaversum

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Ende der Corona-Maßnahmen, einem Modezar in der Metawelt und der Frage, ob der Industriestandort Deutschland jetzt wieder attraktiv ist.

Das Thema schien zwischenzeitlich fast vergessen, doch das Virus ist noch da: Fast 300.000 Menschen haben sich gestern in Deutschland mit Corona infiziert, so viele wie nie seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren. Die gute Nachricht: Viele Infizierte werden nicht so schlimm krank, dass sie ins Krankenhaus müssten. Eine Überlastung des Gesundheitssystems fürchten Expertinnen und Experten nicht mehr.

Im Bundestag wurde deswegen heute trotz der Rekordzahlen die Abschaffung zahlreicher bundesweiter Coronabeschränkungen beschlossen. Masken müssen beispielsweise nur noch im öffentlichen Nahverkehr, in Flugzeugen, Zügen sowie in Krankenhäusern und Arztpraxen getragen werden. Kommt es in einzelnen Städten oder Kreisen zu besonders vielen Infektionen, haben die Bundesländer das Recht nachzuschärfen: Dann können wieder Maskenpflicht, Abstandsregeln und Impfnachweise verordnet werden.

Abgeschafft ist ab Montag auch die Homeoffice-Pflicht. In den kommenden Wochen werden also mehr Menschen wieder in die Büros zurückkehren. Nach zwei Jahren im Corona-Modus bedeutet das für Mitarbeiter und Führungskräfte eine große Umstellung. Die Gefühle sind gemischt: Viele freuen sich aufs Büro, andere haben sich ans Homeoffice gewöhnt.

Wie wird man beiden Typen gerecht? Wie erleichtert man den Übergang in den Büroalltag und ermöglicht trotzdem weiter flexibles Arbeiten? Wie gestaltet man überhaupt den neuen hybriden Arbeitsalltag? Mit diesen Fragen haben sich unsere Kolleginnen und Kollegen vom Harvard Business manager beschäftigt. Hier lesen Sie einen Überblick über alles, was Sie dazu wissen müssen. 

Neuer Rekord: Die Covidzahlen von Donnerstag auf einem Bildschirm

Neuer Rekord: Die Covidzahlen von Donnerstag auf einem Bildschirm

Foto: IMAGO/Rüdiger Wölk

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Philipp Plein: "Meine Mutter hat mich auch gefragt, ob ich total verrückt bin"

Philipp Plein: "Meine Mutter hat mich auch gefragt, ob ich total verrückt bin"

Foto: Juan Naharro Gimenez / Getty Images
  • Warum ein Modeschöpfer ins Metaverse will. Philipp Plein ist einer der bösen Buben der Modewelt. Allerdings ein ziemlich erfolgreicher. Mit seinen auffälligen Designs, Totenköpfen und jeder Menge Bling-Bling hat sich der gebürtige Münchner einen Platz im Mode-Business erkämpft. Den will er jetzt auch im Metaversum einnehmen. Kürzlich kaufte Plein für 1,4 Millionen US-Dollar ein Grundstück in der digitalen Welt Decentraland. „Decentraland ist für mich wie New York vor 300 Jahren“, hat Plein unserer Kollegin Mirjam Hecking im Interview erzählt. Auf seinem Grundstück hat er inzwischen einen 120 Meter hohen Turm gebaut. Warum Plein die Investition in die virtuelle Welt für ein gutes Investment hält, wie er dort Geld verdienen will und was er macht, wenn es schiefgeht, lesen Sie in unserem Interview. 

  • Wie realistisch ist ein Boykott von russischem Öl? Je länger der Krieg in der Ukraine dauert, desto größer wird der Druck auf Deutschland, seine Öl-Importe aus Russland zu stoppen. Doch die Sache ist nicht ganz einfach. Etwa ein Drittel des in Deutschland verarbeiteten Rohöls kommen aus Russland. Und selbst wenn die Öllieferungen auf alternative Lieferanten umgestellt werden, bleiben technische Herausforderungen. Wie realistisch ist es also, dass Deutschland Russland sanktioniert, indem es auf russisches Öl verzichtet? Mit dieser Frage hat sich unsere Kollegin Anna Driftschröer beschäftigt. Ihre Antwort: Für Ostdeutschland und die beiden dort ansässigen großen Raffinerien wird die Umstellung zur Herausforderung.

Die Anlagemöglichkeit der Woche:

  • Wie man mit Müll Geld verdient: Knapp zwei Milliarden Tonnen Abfall produziert die Menschheit pro Jahr, in den nächsten Jahren wird es wohl noch deutlich mehr werden. Entsprechend vehement versucht die Politik vielerorts gegenzusteuern. Die EU will 2050 eine blitzsaubere Kreislaufwirtschaft sein. Schon bis 2030 soll der Anteil des Hausmülls, der nicht recycelt wird, halbiert werden. Für Anleger, gerade mit längerfristiger Perspektive, ergeben sich durch den Strukturwandel Renditechancen. Welche Unternehmen sind interessant? Das haben wir hier für Sie zusammengefasst. 

Meine Empfehlung für das Wochenende:

Zukunftsvision: Hier auf den Felder der Gemeinde Norderwöhrden bei Heide in Schleswig-Holstein, soll die neue Batteriezellenfabrik entstehen

Zukunftsvision: Hier auf den Felder der Gemeinde Norderwöhrden bei Heide in Schleswig-Holstein, soll die neue Batteriezellenfabrik entstehen

Foto: Christian Charisius / dpa
  • Deutschland ist zwar ein Industrieland. Neue, große Industrieansiedlungen gab es aber – mit Ausnahme Teslas – jahrelang nicht. Diese Woche haben nun gleich zwei Konzerne den Bau großer Fabrik-Komplexe angekündigt: Der Chipkonzern Intel will mindestens 17 Milliarden Euro in Magdeburg verbauen, der schwedische Elektrobatterie-Spezialist Northvolt rund 4 Milliarden Euro in Heide in Schleswig-Holstein. Ist der Industriestandort Deutschland plötzlich wieder attraktiv? Oder sind das die Vorboten der De-Globalisierung? Darüber haben mm-Chefredakteur Martin Noé und unsere Tech-Korrespondentin Eva Müller in unserem wöchentlichen Podcast "Das Thema" gesprochen. Hören Sie doch mal rein!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Ihr Oliver Hollenstein