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Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Ein kühner Strippenzieher und ein blockierender Patriarch

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einer Rolle rückwärts bei ProSiebenSat.1, einem Stillstand bei Mahle und einem Hochsprung bei Hugo Boss.

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist nun schon mehr als anderthalb Jahrzehnte her, seit Andreas Wiele als Vorstand von Axel Springer den Medienkonzern ProSiebenSat.1 übernehmen wollte. Das Kartellamt stoppte damals den Deal, in Wielers Karriere fehlte danach lange die große Perspektive. Nun ist der promovierte Jurist Chefkontrolleur des größten deutschen TV-Konzerns und kann endlich die großen Linien im Fernsehmarkt ziehen, als Gegenspieler von Thomas Rabe, dem Dreifach-Chef von Bertelsmann, RTL Group und RTL Deutschland.

Dabei verfolgt Wiele allerdings einen kühnen Plan: Der neue ProSiebenSat.1-Chef Bert Habets soll wieder ganz auf das werbefinanzierte TV setzen – ob linear oder als Streamingdienst. Diese Strategie ist ein krasses Gegenmodell zum ewigen Konkurrenten RTL.

Möglicherweise spielt dabei auch der größte Aktionär des MDax-Konzerns eine Rolle, die Media For Europe (MFE), die wiederum von dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gelenkt wird. MFE betreibt nämlich große werbefinanzierte Kanäle. Unser Kollege Hans-Peter Siebenhaar berichtet, warum Investoren und die Bayerische Staatskanzlei skeptisch auf die Pläne von Wiele und seinen italienischen Freunden reagieren und was ehemalige Kollegen von dem neuen CEO Habets halten: "Letzte Hoffnung - Werbefernsehen." 

Meisterwerk: Trotz zweier zuvor nur mäßig erfolgreicher Einsätze als CEO hat Bert Habets den Chefposten bei ProSiebenSat.1 bekommen

Meisterwerk: Trotz zweier zuvor nur mäßig erfolgreicher Einsätze als CEO hat Bert Habets den Chefposten bei ProSiebenSat.1 bekommen

Foto: Pro Shots Photo Agency / ddp images

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Millionenbonus winkt: Daniel Grieder hat Hugo Boss wieder zurück auf die Erfolgsspur geführt. Die gute Performance des Modekonzerns lockt auch immer mehr illustre Investoren und Zocker an, wie etwa Mike Ashley, Inhaber des britischen Handelskonzerns Frasers Group. Auch für Grieder persönlich könnte sich der Erfolg auszahlen, wie unsere Kollegen Martin Mehringer und Martin Noé erfahren haben. Sollte es ihm gelingen, den Aktienkurs des Unternehmens bis zu seinem Vertragsende 2025 auf 100 Euro anzuheben, winken ihm satte 80 Millionen Euro .

  • Patriarch blockiert: Der Autozulieferer Mahle steckt tief in den roten Zahlen. Mit dafür verantwortlich ist auch Heinz Junker, langjähriger Chef der Geschäftsführung und heute als Vorsitzender des Aufsichtsrats und des Stiftungskonstrukts Mabeg eine Art Alleinherrscher des Unternehmens. Der Patriarch hat in den vergangenen vier Jahren drei CEOs zerschlissen und blockiert die Transformation des Zulieferers. Nach Informationen unserer Kollegin Margret Hucko werden nun sogar die Banken nervös .

  • Erzeugerpreise sinken: Erstmals seit Mai 2020 sind die Herstellerpreise im Oktober im Vergleich zum Vormonat wieder gesunken, und zwar gleich um 4,2 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1949. Ökonomen hatten eigentlich mit einem weiteren Anstieg der Preise gerechnet. Die Entwicklung weckt nun die Hoffnung, dass die starke Inflation allmählich ihren Höhepunkt erreicht haben könnte. Schließlich gelten die Produzentenpreise als Vorläufer für die Entwicklung der Lebenshaltungskosten.

Die Personalien des Tages:

  • Bob Iger wird Disney-Chef: Vor weniger als einem Jahr trat Bob Iger als CEO des Medienkonzerns zurück. Nun hat er sich bereit erklärt, noch einmal für zwei Jahre die Führung von Walt Disney zu übernehmen. Der bisherige Vorstandschef Bob Chapek bekam die hohen Kosten nicht in den Griff, geriet mit Iger über Kreuz und musste jetzt für den legendären Iger den Weg freimachen. Ein überraschendes Comeback, das manche sogar mit der Rückkehr des legendären Steve Jobs zu Apple vergleichen.

  • Jens Weidmann wird Chefkontrolleur: Zugegeben – an Steve Jobs dachte hier keiner, aber eine bemerkenswerte Personalie ist es allemal. Der ehemalige Bundesbankpräsident Jens Weidmann wird im Frühjahr 2023 Aufsichtsratschef der Commerzbank. Er löst Helmut Gottschalk ab, der aufgrund seines Alters nicht mehr antritt – aber auch zunehmend von Investoren und Führungskräften kritisiert wurde, wie Kollegin Katharina Slodczyk schreibt. Für die Commerzbank ist es der vierte Oberkontrolleur innerhalb von drei Jahren.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das Aussehen von Analysten: Die Chinese University of Hongkong hat in einer Studie herausgefunden, dass Schönheit einen Einfluss auf die Leistung von Börsenanalysten hat. Demzufolge geben attraktivere Analysten genauere Gewinnprognosen für Unternehmen ab und sprechen bessere Aktienempfehlungen aus. Warum das so ist, hat Associate Professor Ying Cao unseren Kollegen vom Harvard Business manager im Interview erzählt .

  • Ob das wirklich so ist, können Sie gern gleich hier einmal testen: Value-Investor Hendrik Leber rät nämlich in unserem monatlichen Geldanlage-Tipp zum Kauf der Microsoft-Aktie. Schließlich böte der Softwarekonzern mit seinen Programmen so etwas wie die digitale Grundversorgung des 21. Jahrhunderts, meint Leber. CEO Satya Nadella schaffe regelmäßig zweistellige Wachstumsraten, vor allem der Umsatz im Cloud-Geschäft entwickele sich beachtenswert gut. Machen Sie sich hier Ihr eigenes Bild! 

Meine Empfehlung für den Abend:

Philipp Lahm war 2014 Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, als diese die Weltmeisterschaft gewann.

Philipp Lahm war 2014 Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, als diese die Weltmeisterschaft gewann.

Foto: Peter Rigaud / DER SPIEGEL
  • Vom Fußballer zum Unternehmer: Manuel Neuer, der Kapitän der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, beugt sich dem Druck der Fifa und verzichtet auf das Tragen der "One-Love"-Kapitänsbinde, wie heute bekannt wurde. Philipp Lahm hätte sich das sicher anders gewünscht. "Wir sind ein offenes, demokratisches Land. Das sollen meine Kollegen auch bei dem Turnier (...) repräsentieren", fordert der ehemalige Kapitän der Nationalelf im Interview mit dem Kollegen Michael Kröher. Was Lahm aus dem Fußball für seinen jetzigen Job als Stiftungsvorsitzender und Investor gelernt hat, erfahren Sie hier . Übrigens: Auf der aktuellen Liste der bestverdienenden Fußballspieler der Welt taucht Lahm natürlich nicht mehr auf, Neuer ebenfalls nicht. Und selbst die Fußballikonen Lionel Messi und Cristiano Ronaldo können nicht mehr den ersten Platz für sich beanspruchen. Wer die neue Nummer eins im Ranking ist, lesen Sie hier.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel

Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Wir freuen uns auf Ihre Post unter chefredaktion@manager-magazin.de .

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