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Kai Lange

Der Montag im Überblick Die Herrscher des Geldes im Stresstest

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Firmenjägern, für die es ungemütlich wird, einem Staatsbahn-Jäger, der trotz Rückschlägen die Aufholjagd fortsetzt, und einem Renditejäger, der Deutschlands Beamten die Ruhe raubt.

Finanzinvestoren haben sich während des vergangenen Börsenbooms zu den neuen Herrschern des globalen Kapitalismus aufgeschwungen. Im Jahr 2021 haben sie Deals im Wert von mehr als 2000 Milliarden Dollar abgeschlossen, das ist ein Rekord und entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Italiens. Inzwischen sind in Europa knapp 9000 Unternehmen in der Hand von Private-Equity-Investoren: Demgegenüber sind nur rund 7600 Firmen an Europas Börsen notiert.

Anleger haben die Firmenjäger mit Geld nur so überschüttet. Selbst für das laufende Krisenjahr haben Finanzinvestoren noch rund 1200 Milliarden Dollar zur Verfügung, um es in Fusionen und Übernahmen zu investieren.

Doch mit dem Anstieg der Zinsen hat der Stresstest für die Branche begonnen. Die Bewertungen vieler teuer eingekaufter Firmen sind eingebrochen – und damit auch die potenziellen Verkaufserlöse, mit denen die Fondsmanager ihre Geldgeber in der Vergangenheit beglückt und sich selbst reich gemacht haben. "Die haben gekauft, liegengelassen, teurer verkauft. Man konnte nicht viel falsch machen", sagt ein Berater, der seit Jahren in der Szene arbeitet. Nun dreht sich das Spiel.

Unsere Kollegen Katharina Slodczyk, Mark Böschen und Sven Clausen sind der Frage nachgegangen, ob die neuen Herrscher des ganz großen Geldes auch in Krisenzeiten verantwortungsvoll managen können – und damit mehr Unternehmen erhalten als zerstören. Vieles spricht dafür, dass die Krise viele der äußerst selbstbewussten Player schlicht überfordern wird – und ihre Anleger Grund haben, sich Sorgen zu machen, wie Sie auf manager-magazin.de nachlesen können. Oder in den Worten von KKR-Partner Philipp Freise: "Die Zeit der Abrechnung für unsere Branche ist gekommen."

Firmenjäger: CVC-Deutschlandchef Alexander Dibelius (von links), KKR-Co-Chef Joseph Bae, Jonathan Nelson von Providence Equity Partners und KKR-Partner Philipp Freise müssen jetzt beweisen, dass sie auch bei schlechtem Wetter ihr Geschäft beherrschen

Firmenjäger: CVC-Deutschlandchef Alexander Dibelius (von links), KKR-Co-Chef Joseph Bae, Jonathan Nelson von Providence Equity Partners und KKR-Partner Philipp Freise müssen jetzt beweisen, dass sie auch bei schlechtem Wetter ihr Geschäft beherrschen

Foto:

[M] Dominik Butzmann für manager magazin, Roy Rochlin / Getty Images, Rob Latour / Shutterstock, Nikita Teryoshin für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Inflation frisst Lohnsteigerungen auf: Die Löhne in Deutschland sind im zweiten Quartal im Schnitt um knapp 3 Prozent gestiegen. Die Verbraucherpreise zogen im gleichen Zeitraum jedoch um 7,6 Prozent an. Deutschlands Arbeitnehmer haben damit unter dem Strich Reallohnverluste von mehr als 4 Prozent hinnehmen müssen, so das Statistische Bundesamt. Die Bundesregierung arbeitet unterdessen an einem Entlastungspaket, um die Bürger in Zeiten hoher Energiepreise und hartnäckiger Inflation zu entlassen. Nach Vorstellungen der SPD gehören dazu ein 49-Euro-Ticket für den Nahverkehr, Direktzahlungen sowie eine Preisbremse für den Grundbedarf an Energie.

  • Energieversorger verhandelt über Staatshilfe: Der finnische Energieversorger Fortum, Eigentümer des deutschen Versorgers Uniper, verhandelt mit dem finnischen Staat über Staatshilfe. Zwar habe man aktuell noch ausreichende Finanzmittel, müsse aber auch im Fall weiterer starker Steigerungen der Energiepreise die Liquidität sichern. Auch Uniper selbst hat inzwischen einen weiteren Milliardenkredit bei der staatlichen KfW beantragt: Zusätzlich zu der schon ausgeschöpften 9-Milliarden-Euro-Kreditlinie brauche man weitere 4 Milliarden Euro.

  • EZB-Direktorin plädiert für Kampf gegen Inflation: Die Europäische Zentralbank muss aus Sicht von Direktorin Isabel Schnabel kraftvoll gegen die hochschießende Inflation in der Eurozone vorgehen. "Je länger die Inflation hoch bleibt, desto größer ist das Risiko, dass die Öffentlichkeit das Vertrauen in unsere Entschlossenheit und Fähigkeit verliert, Kaufkraft zu bewahren", sagte Schnabel auf dem internationalen Notenbankertreffen in Jackson Hole. Bedeutet: Weitere Zinserhöhungen sind wahrscheinlich.

  • To the moon? Erstmal nicht. Die Nasa hat den geplanten Raketenstart am Montag abgebrochen, Mond und Mars müssen warten.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Flix-Chef André Schwämmlein will mit seinen Unternehmen Flixbus und Flixtrain zum giftigen Herausforderer der Staatsbahnen in Europa werden. Er verlangt robuste Züge ohne Schnickschnack, die auch in der Wartung günstig sind. Für rund eine Milliarde Euro will Schwämmlein neue Züge ordern und hatte sich mit der russischen Transmash Holding bereits einen Lieferanten ausgeguckt. Der Krieg in der Ukraine ließ diese Russland-Connection platzen, Transmash fällt als Partner aus, die Expansionspläne schienen gescheitert. Doch jetzt hat der quirlige Flix-Chef offenbar Alternativen gefunden, auch ein Deal mit Siemens ist im Gespräch. Unser Kollege Michael Machatschke beschreibt auf manager magazin.de, wie Flix auch ohne russische Partner seine Aufholjagd fortsetzt.

Das Beste aus dem Harvard Business Manager:

  • Was essen Sie am liebsten zum Frühstück? Unsere Kollegen vom Harvard Business manager haben etwas Neues im Angebot: Zusammen mit Strategie-Experte Alexander Osterwalder gibt es jetzt alle zwei Wochen "Strategie zum Frühstück". Ein Newsletter über alles, was Sie über Strategie und Innovation wissen müssen. Regelmäßig in Ihrer Inbox – und so lang wie eine Tasse Kaffee. Warum der Newsletter so heißt? Sie können ihn zum Frühstück lesen, natürlich – aber die BWLer unter Ihnen wissen, dass wir uns hier beim Managementvordenker Peter Drucker bedient haben. Hier gehts zur Anmeldung: https://www.manager-magazin.de/thema/strategie-zum-fruehstueck/

  • Die Idee klingt einfach: Mitarbeiter empfehlen neue Mitarbeiter. Tatsächlich bieten solche Empfehlungsprogramme eine Chance, neues Personal zu gewinnen. Unsere Kollegen vom Harvard Business manager erklären auf manager-magazin.de, was Unternehmen beachten müssen, damit diese Programme wirklich funktionieren.

Meine Empfehlung für den Abend:

Neue Strategie: Michael Leinwand, Vorstandsmitglied der VBL, will deren Anlagehorizont erweitern

Neue Strategie: Michael Leinwand, Vorstandsmitglied der VBL, will deren Anlagehorizont erweitern

Foto: Schafgans DGPh / VBL
  • Zocken mit der Rente: Rund 5 Millionen Staatsangestellte sind bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder versichert. Rund 1,4 Millionen Beamten zahlt die Anstalt derzeit ihre Pensionen aus. Bei einer solch staatstragenden Organisation sollte besser nichts schiefgehen. Dennoch fasste VBL-Vorstand Michael Leinwand vor knapp zwei Jahren den kühnen Plan, die ehrwürdige Versorgungskasse mit ein paar riskanteren Investments aufzupeppen. Leinwand hat unter anderem in eine Anleihe der Gesellschaft German Invest investiert, die bei einer Laufzeit von einem Jahr satte 15 Prozent Rendite verspricht. Mit der Anleihe wurde der Kauf des Grundstücks Ringbahnhöfe in Berlin-Neukölln finanziert. Doch bis heute liegt das Grundstück brach, und Bauanträge wurden noch nicht gestellt. Nach Recherchen unserer Kollegin Hannah Steinharter ist außerdem offen, ob die Anleihe das Kriterium "Investment Grade" erfüllt. Leinwand selbst sieht sich weiter auf dem richtigen Kurs. Doch Anfang September wird die Anleihe fällig: Möglicherweise muss Renten-Investor Leinwand seine Position dann neu bewerten – zum Ärger von Millionen Beamten.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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