Lukas Heiny

manage:mobility Freedom Day in Zuffenhausen

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Was Porsche nach dem Börsengang will

  • Verschobener Generationswechsel in der VW-Dynastie

  • Warum der Knorr-Bremse-Chef gehen musste

  • Geheimbericht zerreißt Lieblingsprojekte des Bahn-Vorstands

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Wie Porsche allein wirbeln will

Sehnsucht nach dem Freedom Day: Porsche-Chef Oliver Blume neben einem Taycan

Sehnsucht nach dem Freedom Day: Porsche-Chef Oliver Blume neben einem Taycan

Foto:

Studio Goico

Volkswagen will mit Porsche bekanntlich seine wertvollste Tochter an die Börse entlassen. Wenn nicht ein dauerhafter Krieg oder eine Rezession den Kapitalmarktstart verhindern, wird Oliver Blume (53) den Sportwagenbauer künftig ohne Beifahrer steuern. Knebeleien wie der Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag sind dann Vergangenheit, lästige Privilegien wie Erstprüfungs- und Vetorechte sollen ebenfalls entfallen. Diese Freiheit will Blume nutzen. Er hat Porsche ohnehin zum Liebling der Investoren gepusht – nun hat er gewaltige Pläne, um die Ikone an die Spitze der neuen Mobilitätswelt zu katapultieren. Margenmäßig orientiert an Ferrari, ansonsten aber extrem disruptiv. Entgegen bisheriger Verlautbarungen soll sogar der 911er elektrisch werden, wie mein Kollege Michael Freitag während seiner Recherche erfahren hat. Die Pläne des Porsche-Chefs. 

Köpfe: Piëch/Porsche ++ Kühne ++ Mrosik ++ Kimmich

Genießen die Aussicht: Die Clan-Chefs Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche wachen weiter über ihre Holding

Genießen die Aussicht: Die Clan-Chefs Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche wachen weiter über ihre Holding

Foto: Niels Starnick / BILD am Sonntag
  • Hans Michel Piëch (80) und Wolfgang Porsche (78) verschieben den Generationswechsel. Wer von den jüngeren in der Autodynastie gehofft hatte, der Porsche-IPO (siehe oben) wäre ein guter Moment für den Ausstieg der Häuptlinge, dürfte enttäuscht sein. Im Mai stellen sie sich zur Wiederwahl für den Aufsichtsrat der Familienholding  Porsche SE. Eine Formsache, und eine Altersregelung wie in anderen Konzernen gibt es wohlweislich nicht.

  • Klaus-Michael Kühne (84) dürfte ebenfalls wenig von Altersregeln halten. Der gestaltungsfreudige Multimilliardär ist gerade spektakulär bei der Lufthansa eingestiegen – und angesichts des gewaltigen Echos des Investments vermuten Wegbegleiter, dass er durchaus aufstocken könnte. 

  • Jan Mrosik (54) war bis vor Kurzem Vorstandschef des Zulieferers Knorr-Bremse. Sein scheinbar plötzliches Aus nach überaus kurzer Amtszeit hat eine Vorgeschichte , wie meine Kollegen Angela Maier und Michael Freitag schreiben. Fehler häuften sich über Fehler. Der Fall Mrosik, so schreiben die beiden, sei ein Paradebeispiel für das Scheitern eines Konzerngewächses. Nun soll der vierte Chef binnen drei Jahren die Transformation schaffen.

  • Martin Kimmich wird neuer Betriebsratschef bei BMW. Er folgt auf Manfred Schoch (66), der nach 35 Jahren nicht mehr angetreten war. Damit hat nach Volkswagen (Daniela Cavallo) und Mercedes (Ergun Lümali) nun auch bei den Bayern der Generationswechsel stattgefunden.

Unternehmen: Volkswagen ++ Leoni ++ Auto1 ++ Xiaomi

  • Volkswagen wird die nächste eigene Batteriezellfabrik nach Salzgitter im spanischen Valencia errichten, genauer: in Sagunto. Inklusive massiver staatlicher Förderung kalkuliert Technikvorstand Thomas Schmall (58) mit 7 Milliarden Euro Gesamtinvestitionen. Teile davon sind zwar auch für die Umrüstung bestehender Fabriken vorgesehen – unterm Strich wäre es aber die größte Investition in Spaniens Industriegeschichte.

  • Die Kabelbäume wachsen wieder, die Zuliefererfirma Leoni produziert trotz des Krieges wieder in ihren beiden Werken in der Ukraine. Die Auslastung gehe Richtung 70 Prozent, 4000 der 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien wieder im Einsatz, sagte Vorstandschef Aldo Kamper (51). "Wir machen das Unmögliche möglich." Die Folge: Auch die Bänder in den deutschen Autofabriken laufen wieder an.

  • Auto1, größte Gebrauchtwagen-Handelsplattform Europas, hat Zahlen vorgelegt: 4,8 Milliarden Euro Umsatz, aber unterm Strich bleibt CEO Christian Bertermann (38) ein sattes Minus, was absehbar bleiben wird. An der Börse führten die Prognosen zu einem 20-Prozent-Kursrutsch, Auto1 ist weniger wert als je zuvor: Von den einst mehr als 11 Milliarden sind gerade noch 2,1 Milliarden Euro übrig.

  • Obwohl der zweitgrößte chinesische Smartphonehersteller Xiaomi die Pläne zuletzt abgestritten hatte, kommen immer konkretere Details  zu dessen Elektroautoplänen heraus. So soll der erste Prototyp schon im Herbst vorgestellt werden, die Serienproduktion 2024 beginnen. Insgesamt seien angeblich vier Modelle geplant.

Mobilität: Deutsche Bahn ++ Bridgestone ++ ExxonMobil ++ Specialized

An die Luft: Netzvorstand Ronald Pofalla geht – mit einem schlechten Zeugnis

An die Luft: Netzvorstand Ronald Pofalla geht – mit einem schlechten Zeugnis

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services
  • Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Deutschen Bahn bekommt Promi-Manager Ronald Pofalla (62) nochmal einen Rüffel vom Bundesrechnungshof. In einem Geheimgutachten für den Bundestag kritisieren die Prüfer eines der Lieblingsprojekte des Ex-Politikers und empfehlen: "umgehend einstellen". Zudem soll der Staatskonzern sein Auslandsgeschäft weitgehend runterfahren sowie Arriva und Schenker unbedingt verkaufen, wie mein Kollege Michael Machatschke recherchiert hat. 

  • Der Reifenriese Bridgestone steigt beim amerikanischen Robo-Start-up May Mobility ein. Eigentlich eine kleine Meldung – aber es ist nicht der erste Deal dieser Art.  Auch bei Einride in Schweden oder Kodiak Robotics, die sich beide auf autonom fahrende Trucks spezialisiert haben, ist der Gummikonzern dabei. Klingt nach Transformation.

  • Dan Ammann (50), früher Chef der zu General Motors gehörenden Robo-Autofirma Cruise, wechselt zum Ölgiganten ExxonMobil. Sein Ziel beschrieb er selbst so: vollkommene Dekarbonisierung in der Industrie, der das am schwersten falle. Immerhin freut er sich über dafür zur Verfügung stehendes Kapital von 15 Milliarden Dollar. 

  • Gründer Mike Sinyard (71) übergibt nach 48 Jahren als CEO  des berühmten US-Fahrradherstellers Specialized sein Amt. Es übernimmt der frühere Dyson-Manager Scott Maguire – allerdings muss der an seinen Vorgänger berichten, der nun die Rolle des "Chief Rider Advocate" einnimmt.

Deep Drive: Studie der Woche

Ein Forscherinnen-Team von der University of Texas in Austin hat untersucht, wie sich halbautomatische Fahrassistenzsystem wie Tempomat, Spurassistenten oder Einparkhilfen im Auto auf das Fahrverhalten auswirken. Ergebnis: Mit solchen Features fahre man mehr Kilometer als ohne, weil es schlicht einfacher gehe. Der Effekt werde "signifikant unterschätzt", heißt es in der gerade veröffentlichten Studie . Am stärksten zeigt er sich übrigens bei zwei Gruppen: älteren Frauen über 65 – und Männern mittleren Alters.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Zahl der Woche: 8000 Dollar

Der Ukraine-Krieg hat bekanntlich auch an den Rohstoffbörsen zu wilden Ausschlägen geführt. Gerade für Elektroautos könnte das empfindliche Folgen haben. Bis zum Ende des Jahres, hat gerade S&P Global Mobility in einem Report errechnet , könnten sich die Rohstoffkosten der Batterien um 8000 Dollar erhöhen – pro Auto.

Geisterfahrer der Woche

Meister der Inszenierung: Dancer Elon Musk lieferte aus Grünheide die Bilder der Woche

Meister der Inszenierung: Dancer Elon Musk lieferte aus Grünheide die Bilder der Woche

Foto: Pool / Getty Images

War noch was? Ach ja: Tesla hat seine Gigafactory in Grünheide in Betrieb genommen. Bundeskanzler, Wirtschaftsminister, Ministerpräsident – alle waren da und machten schöne Bilder mit Elon Musk (50). Nach all dem Glitzer folgt nun der harte Produktionsalltag. In diesem Jahr, rechnen die Analysten von JP Morgan, sollen rund 54.000 Autos aus der Fabrik rollen; erst 2025 soll die volle Kapazität von einer halben Million erreicht sein. Wie schon bei der Fabrikeröffnung in Shanghai legte Musk einen Dance hin. Sein Stil wirkte allerdings ein wenig aggressiver als damals, was womöglich auch an seiner Tanzpartnerin lag: einer Drohne. In diesem Videoclip  können Sie es selbst vergleichen. Die nächste Tanzeinlage dürfte am 7. April erfolgen – dann soll mit einem Festival  auch die Gigafabrik in Texas eingeweiht werden.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny