Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Die Macht der alten Männer und 300 Euro für die Bürger

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Senioren-Power in den Topetagen der Wirtschaft, 300 Euro für die Bundesbürger und den ehrgeizigen Plänen des neuen Infineon-Chefs.

Mit 67 beginnt für normale Menschen der Ruhestand. Doch die VW-Häuptlinge Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch rechnen anders. Die beiden Familienchefs treten im Mai auch mit 78 und 80 Jahren noch einmal für den Aufsichtsrat der Porsche SE an. Damit sichern sie sich die Macht in der Familienholding, die 53 Prozent der Stimmrechte am Autobauer Volkswagen hält. Jüngere Mitglieder der Auto-Dynastie Porsche und Piëch wären zwar durchaus an mehr Einfluss interessiert: Doch sie werden warten müssen, denn die altgedienten Anführer machen nach Informationen von manager magazin auch im hohen Alter weiter.

Was Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche besonders reizt: Beim geplanten Börsengang des Sportwagenbauers Porsche wollen sich die beiden Familien 25 Prozent der Stimmrechte sichern. Sie erhalten damit – nach der gescheiterten VW-Übernahme vor 13 Jahren – endlich die Kontrolle über ihre Stammfirma zurück. Die beiden Häuptlinge haben also gute Gründe, den Generationswechsel noch einmal zu verschieben.

Die Porsche SE ist nicht allein. Auch der Energiekonzern Siemens Energy setzt auf einen Mann im fortgeschrittenen Alter: Auf Betreiben von Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser wurde heute der 75 Jahre alte Francisco Belil in den Aufsichtsrat von Siemens Gamesa gewählt. Die deutsch-spanische Windkraftfirma ist Tochter des Dax-Konzerns Siemens Energy. Der aus der Rente zurückgerufene Belil ist für eine heikle Mission vorgesehen: Der ehemalige Spanien-Chef von Siemens soll die Wogen glätten, falls die Sanierung von Siemens Gamesa verschärft werden muss. Auch über eine Aufspaltung wird nach Informationen unserer Kollegin Angela Maier intern bereits diskutiert.

Genießen den Ausblick: Die VW-Granden Hans Michel Piëch (l.) und Wolfgang Porsche

Genießen den Ausblick: Die VW-Granden Hans Michel Piëch (l.) und Wolfgang Porsche

Foto: Niels Starnick / BILD am Sonntag

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • 300 Euro für jeden Steuerzahler: Die Bundesregierung hat ein Paket von Maßnahmen beschlossen, um die Bürger in Deutschland angesichts hoher Energiepreise zu entlasten. So soll jeder einkommenssteuerpflichtige Erwerbstätige in Deutschland einmalig eine sogenannte "Energiepreispauschale" in Höhe von 300 Euro als Zuschuss zum Gehalt bekommen. Familien erhalten für jedes Kind außerdem einen Einmalbonus in Höhe von 100 Euro. Die Spritpreise sollen für einen Zeitraum von drei Monaten gesenkt werden, und zwar Benzin um 30 Cent je Liter und Diesel um 14 Cent pro Liter. Ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr soll im gleichen Zeitraum nur 9 Euro kosten. So sollen die umweltfreundlichen Alternativen zum Auto attraktiver werden.

  • Nato und G7 versprechen Hilfen für die Ukraine: Die Nato will die Ukraine im Krieg gegen Russland mit weiteren Waffenlieferungen sowie mit Ausrüstung zum Schutz vor biologischen und chemischen Angriffen unterstützen. Die 30 Bündnisstaaten hatten sich zu einem Sondergipfel in Brüssel getroffen. Auch die EU und die G7 sagten der Ukraine weitere Hilfen zu.

  • Daimler Truck bleibt zuversichtlich: Der Lkw-Bauer Daimler Truck hat 2021 einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro erzielt. Trotz des Ukraine-Krieges und der Probleme mit der Chipversorgung zeigt sich der Dax-Neuling, der aus der Aufspaltung von Daimler in Mercedes-Benz und Daimler Truck hervorgegangen ist, für das laufende Jahr optimistisch. Die Aktie gehörte am Donnerstag zu den Gewinnern im Dax.

Die Personalie des Tages:

  • Armin Laschet will im Kuratorium der Krupp-Stiftung bleiben: Im Kampf ums Kanzleramt ist der ehemalige Kandidat der Union gescheitert. Das Amt im Kuratorium der mächtigen Krupp-Stiftung will Armin Laschet jedoch weiter ausüben, obwohl er nicht mehr Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist. Sein Nachfolger Hendrik Wüst scheint derzeit nicht daran interessiert, mit Laschet um den einflussreichen Posten zu streiten. Politisch könnte sich das rächen: In Nordrhein-Westfalen hängen immer noch rund 20.000 Arbeitsplätze am krisengeschüttelten Thyssenkrupp-Konzern.

Meine Empfehlung für den Abend:

Dynamischer Antritt: Der neue Infineon-Chef Jochen Hanebeck (54) will den Chiphersteller genauso profitabel machen, wie es Wettbewerber bereits sind

Dynamischer Antritt: Der neue Infineon-Chef Jochen Hanebeck (54) will den Chiphersteller genauso profitabel machen, wie es Wettbewerber bereits sind

Foto: Fritz Beck für manager magazin
  • Die Pläne des neuen Infineon-Chefs: Auch der deutsche Hersteller Infineon spielt bei der Versorgung der europäischen Industrie eine zentrale Rolle. Jochen Hanebeck, der im April den Chefposten bei Infineon von Reinhard Ploss übernimmt, verdankt seinen schnurgeraden Aufstieg auch der Lieferkrise in der globalen Chipversorgung. Hanebeck will den Konzern noch profitabler machen – und könnte genau der Richtige für geopolitisch unruhige Zeiten sein. Die Details über das ehrgeizige Renditeprojekt des neuen Infineon-Chefs finden sie auf manager-magazin.de.

Herzlich, Ihr Kai Lange