Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Eine mächtige Betriebsrätin und ein verschwenderischer Gründer

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Sportwagenbauer mit Finanzierungsproblemen, einem Express-Lieferdienst im Überlebenskampf und einem Autozulieferer mit einer übel riechenden Vergangenheit.

Spätestens im Herbst soll der Sportwagenbauer Porsche an der Börse vorfahren. Die ersten Roadshows laufen bereits, der Capital Markets Day ist für den 25. Juli angesetzt. Angepeilt wird eine Bewertung von satten 80 Milliarden Euro. Der Börsengang soll Porsche mehr Bewegungsfreiheit und dem Mutterkonzern Volkswagen Cash sowie einen höheren Marktwert verschaffen. Doch es gibt ein Problem: Die Finanzierung des IPOs hängt unter anderem von Betriebsratschefin Daniela Cavallo ab.

Die Familien Porsche und Piëch möchten mithilfe des Börsengangs die Kontrolle über die Keimzelle ihres Autoimperiums zurückholen. Über ihre Familienholding, die Porsche SE, wollen sie mit 25,1 Prozent eine Sperrminorität an der neuen Porsche AG übernehmen. Eine Kapitalerhöhung der Porsche SE könnte den milliardenschweren Anteilskauf finanzieren. Dazu müssten die beiden Familien allerdings einen Teil ihrer VW-Stammaktien verkaufen.

Und hier kommt Betriebsratschefin Cavallo ins Spiel. Denn die Stimmrechte des fraglichen Aktienpakets werden gemeinsam von Betriebsrat und Familie kontrolliert, ein Relikt des dramatischen Finales der Übernahmeschlacht von Volkswagen im Jahr 2009. Nur wenn Cavallo ihre Stimmrechte abgibt, kann die Familie verkaufen. Wie hoch die Chancen dafür stehen und warum die Arbeiterführerin auch an anderer Stelle ihre Macht noch ausspielen kann, hat unser Kollege Michael Freitag recherchiert: Warum Daniela Cavallo beim Porsche-Börsengang zur Schlüsselfigur wird .

Schlüsselfigur: Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat viel Macht über den Börsengang von Porsche

Schlüsselfigur: Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat viel Macht über den Börsengang von Porsche

Foto: Patrick Slesiona

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Geldregen für Personio: Das 2015 gegründete Unternehmen, das mit seiner Software die Personalverwaltung verändern will, hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde rund 200 Millionen US-Dollar eingesammelt. Damit steigt der Unternehmenswert von Personio von 6,3 auf 8,5 Milliarden Euro. Und das in einer Zeit, in der viele Start-ups mit rückläufigen Bewertungen zu kämpfen haben. Personio ist nun eines der wertvollsten Start-ups in Europa.

  • Rückschlag für Ford-Werk: Der US-Autobauer Ford hat sich gegen eine Elektroauto-Produktion in seinem Werk im saarländischen Saarlouis entschieden. Stattdessen soll im spanischen Valencia eine Elektroauto-Plattform entstehen. Dem deutschen Werk mit seinen 4600 Mitarbeitern droht nun das Aus.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Enttäuschung bei Continental: Als Aufsichtsratschef von Continental hatte Wolfgang Reitzle kurz nach Bekanntwerden des Dieselskandals interne Ermittlungen veranlasst. Der darauf folgende Bericht des Vorstands beruhigte ihn, die Juristen hätten nichts Gefährliches gefunden, hieß es. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall und kommt zu ganz anderen Ergebnissen. Einige Vorstände sollen mehr gewusst und Reitzle für dumm verkauft haben. Unsere Kollegen Sven Clausen und Michael Freitag haben den Fall für Sie aufgeschrieben: Wolfgang Reitzle und die Enttäuschung des Dieselskandals .

  • Dickkopf bei der Bank of Japan: Während viele Zentralbanken im Westen angesichts der hohen Inflation ihre Zinsen erhöhen, bleibt die japanische Notenbank bei ihrer lockeren Geldpolitik. Das belastet allerdings die Landeswährung. Warum Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda dennoch bei seiner starren Haltung bleibt und was er der massiven Abwertung entgegensetzen will, hat unser Kollege Helmut Reich analysiert.

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

VR als Kunst: Beim Silk Road Festival in Hamburg konnten Besucher per VR-Brille in eine 3-D-Welt eintauchen und den Musiker (sitzend) als Avatar kennenlernen

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Foto:

Jewgeni Roppel

  • Unternehmen im Metaverse: Mark Zuckerberg hat mit der Umbenennung seines Social-Media-Konzerns in "Meta" ein klares Zeichen gesetzt: Das Metaverse, eine virtuelle dreidimensionale Welt, ist das Schlüsselthema des Unternehmens. Die Tech-Profis Thorsten Hennig-Thurau und Björn Ognibeni sind überzeugt von der 3D-Welt und erklären, welche Chancen der virtuelle Raum für Unternehmen bereithält: Was das Metaverse Unternehmen bringen kann .

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Beförderung nach unten: Sogenannte Änderungskündigungen werden immer beliebter bei Arbeitgebern, die ungeliebte Führungskräfte loswerden wollen. Dabei wird der bisherige Arbeitsvertrag durch einen neuen ersetzt – in der Regel zu deutlich schlechteren Konditionen. Wie sich Managerinnen und Manager dagegen wehren können, hat der Arbeitsrechtler Christoph Abeln unserer Kollegin Maren Jensen erklärt: Was Manager bei einer Änderungskündigung beachten sollten .

Meine Empfehlung für den Abend:

Gorillas-Fahrer in Berlin-Mitte: Der Expresslieferdienst schrumpft, die Investoren proben den Aufstand

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Foto:

Daniel Biskup / laif

  • Aufstand bei Gorillas: Kağan Sümer ist bei seinen Investoren in Ungnade gefallen. Keiner der bisherigen Anteilseigner möchte derzeit auch nur einen weiteren Cent in seinen hochdefizitären Express-Lieferdienst Gorillas investieren. Die Kapitalgeber sind unzufrieden mit der Performance von Sümer. Nicht nur, dass das Unternehmen zu viel Geld verbrennt, auch das Wachstum verlangsamt sich, wie unser Kollege Jonas Rest herausgefunden hat. Wie es dazu kam und was die Investoren nun fordern, erfahren Sie hier: Gorillas – Insides einer Implosion .

Herzliche Grüße und einen sonnigen Feierabend, Ihre Marleen Gründel