Eva Buchhorn

Der Freitag im Überblick Die Zukunftspläne von Porsche-Chef Blume und Spezialtanker für Deutschland

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Rüffel für Bahnvorstand Pofalla, schärferen EU-Gesetzen für Tech-Plattformen und Spezialschiffen für flüssiges Gas.

Gut 1,90 Meter groß, Dresscode sportlich-stylish und ein Mann, der mit allen klarkommt: So kennen Porsche-Fans CEO Oliver Blume. Doch seit bekannt wurde, dass der teils als "Posterboy" bespöttelte Topmanager Porsche an die Börse führen möchte, sind die Kritiker still. Der selbstbewusste Manager hat es tatsächlich geschafft, alle Machtzentren im Volkswagen-Reich hinter sich zu bringen und auf diese Weise die Erlaubnis zu erhalten, die beste Marke des Konzerns künftig ohne Beifahrer steuern zu können.

Die Gunst der Investoren fliegt Blume ohnehin schon zu. Analysten taxieren den Wert des Sportwagenbauers im Zuge eines Börsengangs auf bis zu 220 Milliarden Euro - das wäre mehr als das Doppelte als der aktuell im Konzernverbund veranschlagte Wert. Denn Blumes Zukunftspläne sind spektakulär. Er verspricht für sein Unternehmen den Einstieg in eine neue Mobilitätswelt: mehr Luxus, mehr Elektro, mehr Digitalität - die pure Disruption.

Aktuell erschwert der Ukraine-Krieg die Umsetzung der Wachstumspläne, doch Blume will Kurs halten. manager magazin analysiert die Eckpunkte des Porsche-Plans.  

Abschied vom Posterboy-Image: Porsche-CEO Oliver Blume geht mit dem geplanten Börsengang aufs Ganze

Abschied vom Posterboy-Image: Porsche-CEO Oliver Blume geht mit dem geplanten Börsengang aufs Ganze

Foto:

Julian Baumann für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • EU reguliert Tech-Konzerne: Google, Amazon, Apple, Meta und Microsoft müssen sich auf schärfere Regeln auf dem europäischen Markt einstellen. Das entsprechende Gesetz, den so genannten Digital Markets Act, haben die EU-Institutionen gestern Abend nach einem Jahr zäher Verhandlungen verabschiedet. Die Plattformen müssen künftig mehr Wettbewerb zulassen und Nutzern Zugriff auf ihre Daten geben. Bei Verstößen gegen das Gesetz riskieren sie Bußgelder in Höhe von bis zu 20 Prozent ihres Jahresumsatzes.

  • Rechnungshof rüffelt Bahnvorstand Pofalla: Ein vertraulicher Bericht des Bundesrechnungshofes wirft ein düsteres Licht auf das Wirken des Ende April ausscheidenden Deutsche Bahn-Vorstands Ronald Pofalla. Die Behörde entzaubert die von dem Netzvorstand und Schattenchef vorangetriebenen Auslandsprojekte.  Bahn-Aktivitäten in Uruguay oder den Vereinigten Arabischen Emiraten brachten dem Staatskonzern unterm Strich nur Verluste. Das Fazit der Experten: Die Deutsche Bahn soll sich wieder auf Deutschland konzentrieren.

  • Schnell weg vom Gas: Bundeswirtschaftminister Robert Habeck kommt nach eigenen Angaben schnell voran bei seinem Vorhaben, Deutschlands Abhängigkeit von russischem Erdgas zu reduzieren. Seine ehrgeizigen Pläne erläuterte der Grünen-Politiker heute in Berlin. Bis zum Sommer will sein Ministerium den Import russischen Öls fast halbieren und zum Herbst hin aus russischer Kohle aussteigen. Die Unabhängigkeit von Gaslieferungen aus Putins Reich soll im Sommer 2024 erreicht sein. Beim Import von Flüssiggas sollen die Energiekonzerne RWE und Uniper helfen: Sie sicherten sich drei Spezialschiffe, die Flüssiggas von Tankern aufnehmen und wieder gasförmig machen wollen.

Was uns sonst noch beschäftigte:

Ist es Zeit, an der Börse wieder einzusteigen? Den ersten Crash als Reaktion auf den russischen Einmarsch in der Ukraine hat der Aktienmarkt schon hinter sich, gegenwärtig liegen die Kurse beinahe wieder auf Vorkriegsniveau. Doch die Ruhe täuscht, warnen Experten. Eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren wirken weiter: Hohe Inflationsraten, steigende Energiepreise und Zinsen sowie massive Lieferknappheiten etwa von Speicherchips könnten die Kurse bald ein zweites Mal in die Tiefe rauschen lassen. Für Investoren heißt das: Nur Anleger mit sehr langem Anlagehorizont sollten die aktuellen Niveaus zum Einstieg nutzen. Allen anderen droht die klassische "Bullenfalle",  wie Profinvestoren den zu frühen Einstieg in einen krisenhaften Finanzmarkt nennen. Sie sollten Ruhe bewahren und abwarten.

Gazproms Gegner: Klaus Müller, der neue Chef der Bundesnetzagentur

Gazproms Gegner: Klaus Müller, der neue Chef der Bundesnetzagentur

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Der Herr der Netze: Mit übermächtigen Gegnern kennt Klaus Müller sich aus. Der frühere Verbraucherschützer hat schon gegen Volkswagen geklagt und Diesel-Fahrern Millionenentschädigungen erstritten. Seit dem 1. März steht Müller nun der Bundesnetzagentur vor. Die Behörde kümmert sich um Stromnetzentgelte und Briefporto - aber seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs vor allem um den Abschied von russischem Öl und Gas. Müller ist Grüner, wie sein Chef Robert Habeck, und gilt als so schlau wie undurchschaubar. Kommt es wegen der Aussetzung des Pipeline-Projekts Nord Stream 2 zum Konflikt mit dem Gazprom-Konzern, wird er beide Eigenschaften gut gebrauchen können. Auf unserer Website und im aktuellen manager magazin stellen wir den Schlüsselspieler der neuen Energieordnung vor.  

  • Im besten Fall erreichen wir im Team zusammen Großes – im schlechtesten verhindern Dauerstress, Konflikte und Ränkespiele jeden gemeinsamen Erfolg. Meine Kollegen von manage › forward haben mit Coach Christine Moscho einen Kurs entwickelt, mit dem Führungskräfte ihre Teams ganz individuell in Bestform bringen können. Interessiert? Mit dem Code DERTAG50 erhalten Der-Tag-Leser 50 Euro Rabatt! Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum Kurs.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn