Christoph Seyerlein

manage:mobility Sinneswandel bei Porsche, Exodus bei Hella

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich hoffe, Sie sind gut ins neue Jahr gestartet!

Bundeskanzler Olaf Scholz (64) trommelte gerade Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verbänden zum ersten "Mobilitätsgipfel" in seiner Amtszeit zusammen. Andere Verkehrsmittel neben dem Pkw sahen einige dabei unterrepräsentiert – "Autogipfel" wäre demnach der treffendere Titel gewesen.

Ergebnisse des Stelldicheins in Berlin? "Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass ein rascher Hochlauf der E-Mobilität erforderlich ist, um die Klimaziele im Verkehr zu erreichen." Sag bloß.

Kommen wir lieber zu unseren Topthemen der Woche:

  • Warum Porsche plötzlich mit Google auf Tuchfühlung geht

  • Wieso das Zulieferer-Drama zwischen Faurecia und Hella weiter eskaliert

  • Wie Containerschiffe grüner werden sollen

Topthema: Porsche plant spektakulären Deal mit Google

Powered by Google: Porsche will beim Infotainment nicht länger nur auf Apple bauen

Powered by Google: Porsche will beim Infotainment nicht länger nur auf Apple bauen

Foto:

PR

Während Porsche mit Apple lange kumpelte, blieb Google in den Autos der Zuffenhausener außen vor. Zu groß war wohl die Angst vor der Datenkrake aus Mountain View. Doch jetzt stehen die Zeichen auf Kehrtwende. Porsche-Chef Oliver Blume (54) war jüngst im Silicon Valley und will Google offenbar einigermaßen tief in die Porsche-Modelle vordringen lassen. Warum, verraten meine Kollegen Jonas Rest und Michael Freitag .

Köpfe: Roda Verheyen ++ Hans-Joachim Ziems ++ Sebastian Mores

Antiautoanwältin: Umweltjuristin Roda Verheyen legt sich mit Volkswagen an

Antiautoanwältin: Umweltjuristin Roda Verheyen legt sich mit Volkswagen an

Foto:

Melina Mörsdorf / laif

  • Roda Verheyen (50) ist Deutschlands bekannteste Umweltrechtsanwältin. Nun will sie Volkswagen gerichtlich dazu zwingen, weniger Autos zu bauen. Mein Kollege Claas Tatje hat Verheyen gefragt, was sie dazu bewegt .

  • Hans-Joachim Ziems (68) war bereits 2020/2021 als Sanierer bei Leoni engagiert. Knapp zwei Jahre später kehrt er zu den Nürnbergern zurück. Jüngst war der Verkauf der Kabelsparte geplatzt. Jetzt soll wieder Ziems seine Drähte glühen lassen, um den Autozulieferer ein weiteres Mal zu retten.

  • Sebastian Mores (39) steigt bei Volocopter  zum Technikchef auf. Ob bei der Bruchsaler Flugtaxi-Hoffnung nun mehr Kontinuität im Management  einkehrt? Es würde den hochfliegenden Plänen nicht schaden, 2024 mit dem ersten Modell rechtzeitig zu den olympischen Spielen in Paris startklar zu sein.

Unternehmen: Forvia ++ Borgers ++ CATL ++ Tesla

Alleinherscher: Faurecia-Chef Patrick Koller vertreibt reihenweise Hella-Spitzenpersonal

Alleinherscher: Faurecia-Chef Patrick Koller vertreibt reihenweise Hella-Spitzenpersonal

Foto: Le Tellec Stephane / abaca / picture alliance
  • Mit seiner Elektronik-Kompetenz soll der deutsche Autozulieferer Hella dem französischen Faurecia zu einer strahlenden Zukunft verhelfen. Doch seit der Übernahme durch die Franzosen stottert nicht nur die Refinanzierung. Die Gräben im Konstrukt Forvia sind tief, auf deutscher Seite werfen Hoffnungsträger hin .

  • Wir bleiben bei der Autozulieferei. Eine der größeren Firmenpleiten im vergangenen Jahr legte Borgers hin. Jetzt gibt es für den Verkleidungsspezialisten aus Bocholt mit seinen 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine neue Perspektive: Der Schweizer Rivale Autoneum übernimmt.

  • Im thüringischen Arnstadt produziert der chinesische Konzern CATL seit Dezember Batteriezellen. Für das Vorzeigeprojekt interessieren sich nicht nur Elektroautohersteller; am Mittwoch schaute auch die Polizei vorbei – wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit.

  • Tesla besitzt ebenfalls Gigafabriken, in sein Batteriezellenwerk in Texas steckt das Unternehmen nun 776 Millionen Dollar. Man rechnet wohl mit steigender Nachfrage. In China hat der Autobauer dagegen erst kürzlich die Preise gesenkt. Wer kurz zuvor ein Auto der Kalifornier gekauft hat, findet das wohl wenig dufte. Einige ärgerten sich so sehr, dass es in chinesischen Tesla-Etablissements zu Tumulten kam.

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Mehr Mobilität: Schifffahrt ++ Luftfahrt ++ Fahrradmarkt

Ziemlich vers(ch)ifft: Containerschiffe haben ein Emissionsproblem

Ziemlich vers(ch)ifft: Containerschiffe haben ein Emissionsproblem

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa
  • Wäre die internationale Schifffahrt ein Land, gäbe es nur fünf Staaten, die mehr CO2 ausstoßen. Die großen Pötte müssen sauberer werden. Meine Kollegin Marleen Gründel beschreibt, wie die maritime Energiewende gelingen soll.

  • Eine Wende zum Guten könnte auch mancher Flugzeughersteller gebrauchen. Airbus verfehlte mit 661 ausgelieferten Maschinen sein Ziel für 2022 klar. Noch gebeutelter präsentiert sich Boeing mit 480 Jets. 2023 soll alles besser werden.

  • Wirtschaft bizarr in Rheda-Wiedenbrück: Fahrräder haben Hochkonjunktur, und doch ist Prophete in die Insolvenz gerutscht. Neben gerissenen Lieferketten stürzte der Zweiradhersteller über einen Hackerangriff . Jetzt steht das Unternehmen zum Verkauf.

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Newsletter haben, schreiben Sie uns an gern an manage.mobility@manager-magazin.de . Ebenso natürlich, wenn Sie Hinweise oder Anregungen zu Recherchen haben. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Zahl der Woche: 57,2

Wer sich hierzulande einen Neuwagen zulegt, greift mehrheitlich zu einem deutschen Fabrikat. Importeure konnten zuletzt aber leicht aufholen. 2022 stammten 57,2 Prozent der erstmals zugelassenen Pkw von einem einheimischen Hersteller – 0,9 Prozentpunkte weniger als 2021. Stark in der Gunst stiegen US-Fahrzeuge. Ihr Marktanteil wuchs im Jahresvergleich von 1,8 auf 3,4 Prozent. Haupttreiber war, na klar, Tesla  mit allein 2,6 Prozent.

Deepdrive der Woche: München bleibt Stau-Hochburg

Autofahrer standen in Deutschland im vergangenen Jahr durchschnittlich 40 Stunden im Stau. Der wenig schmeichelhafte Spitzenreiter war dem Datenspezialisten Inrix  zufolge München mit 74 Stunden. Anderswo ist der Verkehrsinfarkt noch schlimmer, etwa in London (156 Stunden) oder Chicago (155). Kann man angesichts solcher Zahlen noch von Auto"fahrern" sprechen?

Geisterfahrer der Woche

Neues für die Hutablage: Mercedes will den Wackeldackel digitalisieren

Neues für die Hutablage: Mercedes will den Wackeldackel digitalisieren

Foto: John Locher / AP

Bei der CES in Las Vegas tummeln sich mittlerweile immer mehr Mobilitätsplayer – mit mancher Absurdität im Gepäck. Mercedes etwa will den Wackeldackel  digitalisieren, U.S. Postal Services  setzt auf ein elektrisches Lieferfahrzeug, das an den vielgescholtenen Fiat Multipla erinnert, ZF Friedrichshafen  verspricht einen beheizbaren Sicherheitsgurt, der die Reichweite von Elektroautos erhöhen soll. "Bevor man sich irgendeinen riesengroßen Unfug ausdenkt, nur damit man irgendwas auf der #CES2023  zeigen kann, zeigt man lieber gar nix", kommentiert  E-Auto-Influencer Robin Engelhardt. Kann man so sehen.

Ich wünsche Ihnen eine schwungvolle Woche!

Herzlichst, Ihr Christoph Seyerlein

­Haben Sie Wünsche, Anregungen, Informationen, um die wir uns journalistisch kümmern sollten? Sie erreichen meine Kolleginnen und Kollegen im Team Mobility und mich unter manage.mobility@manager-magazin.de .

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