Eva Buchhorn

Der Donnerstag im Überblick Blumes Plan und Googles Beitrag

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem spektakulären Deal in der Autowelt, einem Abwehrkampf beim US-Entertainmentriesen und Aufwärtsdrang im Dax.

Containerschiffe sind das wichtigste und effizienteste Transportmittel für den globalen Güterverkehr, aber auch gigantische Dreckschleudern. Allein die Schifffahrt ist aktuell für knapp 3 Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Wäre der internationale Schiffsverkehr ein Land, gäbe es nur fünf Staaten, die mehr CO₂ ausstoßen.

Seit Jahren diskutiert die Branche über die Frage, wie sie sich umweltbewusster aufstellen könnte – bislang ergebnislos. Klimaschützer erschreckte daher in der vergangenen Woche die Meldung, dass die beliebten Kreuzfahrer "Aida Nova" und "Aida Cosma" nun zum Schiffsdiesel zurückkehren. Die kleinen Schwestern der Containerriesen hatten bereits auf das umweltfreundlichere Flüssiggas LNG umgerüstet, das dem Eigner aber aktuell zu teuer ist.

Rein technisch wäre eine "grüne Schifffahrt" längst möglich, hat meine Kollegin Marleen Gründel beim Tauchgang in die Szene herausgefunden. Die Weichen muss die Politik stellen. Etwa über eine globale CO₂-Steuer, die die Kosten fossiler versus synthetischer Kraftstoffe realistisch abbildet. Warum die Zeit drängt und welche Rolle vor allem deutsche Reedereien wie Hapag-Lloyd im Kampf um die Klimaneutralität der Ozeanriesen spielen, lesen Sie heute auf unserer Website.

Dreckige Riesen: Containerschiffe, hier im Hamburger Hafen, stoßen Unmengen an Klimagasen aus

Dreckige Riesen: Containerschiffe, hier im Hamburger Hafen, stoßen Unmengen an Klimagasen aus

Foto: Christian Charisius / picture alliance/dpa

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Porsche will Google: Der Stuttgarter Sportwagenbauer arbeitet an einer spektakulären Wende in der Zusammenarbeit mit Google. Das hat manager magazin exklusiv aus Konzernkreisen  erfahren. CEO Oliver Blume möchte künftig Googles Apps in die Porsche-Cockpits lassen – allen voran die Orientierungssoftware Google Maps. Bislang hatte das Unternehmen in seinen Modellen lediglich den Zugriff auf iPhones ermöglicht. Die Kehrtwende, die vom Unternehmen noch nicht offiziell bestätigt wurde, gründet im Scheitern der konzerneigenen Software-Projekte (Cariad) und könnte auf Volkswagen erweitert werden.

  • Walt Disney holt Mark Parker: Der Entertainment-Gigant Walt Disney hat den langjährigen Nike-Topmanager Mark Parker zum neuen Vorsitzenden seines Verwaltungsrats ernannt. Das teilte Disney am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit. Die Personalie lässt sich als Teil eines Abwehrkampfs gegen aktivistische Investoren lesen. Diese fordern harte Einsparungen und kritisieren das Topmanagement. Disney hatte im November schon den ehemaligen CEO Bob Iger zurückgeholt, der aber als Übergangslösung gilt. Der Konzern leidet unter hohen Verlusten im Streaming-Geschäft, die Aktie hat zuletzt massiv an Wert verloren.

  • Dax holt auf: Der deutsche Leitindex Dax ist weiter im Aufwind. Das Börsenbarometer kletterte bis zum frühen Nachmittag über die Marke von 15.000 Punkten und erreichte damit das höchste Niveau seit 11 Monaten, kurz vor Ausbruch des Ukraine-Krieges. Größte Gewinner waren mit jeweils 4 Prozent Plus die Aktien von Continental und Zalando. Zur Positivstimmung an der Börse tragen die nachlassende Angst vor Inflation und sinkende Gaspreise bei. Auch in den USA geht die Inflation ausweislich heute veröffentlichter Daten den sechsten Monat in Folge zurück.

Was uns sonst noch beschäftigte:

  • Drama in Lippstadt: Sie sollte ein Coup in der Autowelt und ein leuchtendes Beispiel deutsch-französischer Freundschaft werden, die vor knapp einem Jahr angekündigte Übernahme des westfälischen Licht- und Software-Experten Hella durch den Sitz- und Innenraumspezialisten Faurecia aus Frankreich. Doch die Zusammenführung der beiden Einheiten unter dem Namen Forvia offenbart tiefe Gräben. Etliche fähige Manager aus Lippstadt haben inzwischen die Flucht ergriffen. Faurecia-CEO Patrick Koller steht düpiert da. Auch bei der Refinanzierung der Übernahme steht Koller unter Druck. Die Ratingagentur Fitch änderte ihren Ausblick für Faurecia im Sommer von "stabil" auf "negativ". Kann Koller das Blatt noch wenden? Mein Kollege Christoph Seyerlein kennt die Details. 

Meine Empfehlung für den Abend:

Voll vernetzt: Die Blockchain wird das Internet revolutionieren – irgendwann

Voll vernetzt: Die Blockchain wird das Internet revolutionieren – irgendwann

Foto: GUEDDA HASSAN MOHAMED
  • Deep Dive Blockchain: Das neuartige Datenbanksystem der Blockchain wird seit Jahren als große Verheißung gehandelt. Es geht um nichts Geringeres als eine neue Grundlagentechnologie, die die digitale Welt transparenter, verlässlicher und manipulationssicher machen soll. Und doch: so richtig voranzugehen scheint es nicht mit der Blockchain. In Teil 9 der Winter School  des Harvard Business Managers erfahren Sie heute, woran das liegt – und vor allem, welche immensen technischen Leistungen noch zu erbringen sind, bis die Sache fliegen wird. Dass dieser Zeitpunkt kommt, daran haben unsere Autoren keinen Zweifel. Ihr Fazit: Es ist nicht zu früh, sich als Unternehmen schon heute auf die Blockchain-Welt vorzubereiten.

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

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