Eva Buchhorn

Der Tag im Überblick Autos, Autos, Autos

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Börsen-Plänen im VW-Reich, einem Börsengang in den USA und einem Luxusschlitten-Joint Venture in Kroatien.

der Tag heute war, jedenfalls was den Nachrichtengehalt angeht, ein ausgesprochener Autotag. Nur ziemlich weit unten in diesem Newsletter können wir Ihnen etwas anderes bieten: ein paar Kochboxen und ein bisschen Energie. Das schreckt Sie nicht, im Gegenteil? Los geht's:

Beginnen wir mit dem Porsche/Piëch-Clan. Die Sippe hat Wirtschaftsgeschichte geschrieben und es menschlich nicht immer leicht miteinander gehabt: insbesondere die Hakeleien der Cousins Wolfgang Porsche (leise, harmoniebewusst, misstrauisch) und des verstorbenen VW-Granden Ferdinand Piëch (noch leiser, konfliktfreudig, noch misstrauischer) sind legendär. Nun steht die Stabübergabe an die vierte Generation an, und auch diese vereint höchst unterschiedliche Charaktere in sich: ein Medien-Investor ist dabei, ein Waldorf-Pädagoge und zwei tatkräftige Frauen.

Das deutsch-österreichische Trüppchen verbindet ein Herzensprojekt, das auch der bewegten Geschichte der beteiligten Autohersteller, vornehmlich Volkswagens, ein neues Kapital anfügt: Die Familie will Porsche wieder dominieren. Unter dem Namen "Phoenix" läuft in Wolfsburg seit Monaten das Planspiel für einen Börsengang der Porsche AG.

Es wäre, zusammengenommen, eine doppelte Transformation. Mein Kollege Michael Freitag hat sich aus diesem Anlaß noch einmal intensiv in die Familiensaga vertieft. Sein kundiger Report illustriert, dass es für die Agnellis des Nordens diesmal um alles geht: "New Porsche - die Pläne der Autodynastie". 

Automobile Familienbande: Clanchef Wolfgang Porsche herzt Sohn Felix Alexander.

Automobile Familienbande: Clanchef Wolfgang Porsche herzt Sohn Felix Alexander.

Foto:

Frank Zauritz

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Noch einmal Porsche, indirekt: Vier Monate nach der Ankündigung nimmt das Gemeinschaftsunternehmen Bugatti-Rimac seine Arbeit auf. Der kroatische Elektro-Sportwagenspezialist Rimac hält 55 Prozent, Porsche ist mit 45 Prozent beteiligt. Den Chefposten der Schmiede für handgefertigte Edelschlitten mit Sitz im kroatischen Sveta Nedelja übernimmt Mate Rimac. Und hier erläutern wir Ihnen die Logik des Deals. 

  • In den USA steht einer der größten Börsengänge des Jahres an: Rivian will kommende Woche seine Handelspremiere an der Nasdaq geben. Das Start-up ist auf Elektro-Nutzfahrzeuge spezialisiert. Mit einer angepeilten Gesamtbewertung von 60 Milliarden Dollar wäre es aus dem Stand mehr wert als Ferrari.

  • Tesla-CEO Elon Musk verwirrt einmal mehr seine Jünger. Gestern Nacht teilte er per Tweet mit, die vergangene Woche durch den US-Autovermieter Hertz angekündigte Bestellung von 100.000 Tesla-Fahrzeugen sei noch nicht in trockenen Tüchern. Außerdem muss Tesla 12.000 Fahrzeuge wegen Softwarefehlern zurückrufen. Beides drückte den Kurs- und auch Autovermieter Hertz zeigte sich verwirrt.

  • Hellofresh sorgte heute für gute Stimmung an der Börse. Der Dax-Neuling und Kochboxenversender will in diesem Jahr sechs Milliarden Euro Umsatz schaffen, die Aktie legte zwischenzeitlich zweistellig zu. Putzmunter präsentierte sich auch der Bitcoin, er umspielte im Laufe des Börsentages die Marke von 63.000 US-Dollar.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Leo Koguan ist ein Name, den Sie sich merken sollten. Nicht unbedingt als Gründer des Softwareunternehmens SHI International in Singapur, sondern als etwas anderen Anlage-Guru. Der Indonesier hat mannhaft alle Ratschläge zur Portfolio-Diversifikation in den Wind geschlagen und heimlich, still und leise über Aktienkäufe und Optionen eine gigantische Tesla-Position aufgebaut, wie er jetzt bekannt gab. Mal war er fast pleite, aktuell schwebt er im Milliardenglück. Hier lesen Sie seine Geschichte.

  • Anja-Isabel Dotzenrath war einer der Stars im Management-Personal der Stromkonzerne Eon und RWE und die oberste Ökostrommanagerin der Republik. Im August verabschiedete sich die Chefin der Sparte Erneuerbare Energien aus der Essener RWE-Zentrale, zunächst in eine (auch kommunikative) Pause. Nun ist klar: Sie geht zu BP nach London, Arbeitsbeginn ist im März. Meinem Kollegen Dietmar Student verriet Dotzenrath vorab , wie sie als BP-Vorständin einen der größten Klimasünder der Welt zum grünen Giganten formen will.

Aus grau mach grün: Anja-Isabel Dotzenrath hat mit BP viel vor.

Aus grau mach grün: Anja-Isabel Dotzenrath hat mit BP viel vor.

Foto:

John M. John

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Viele Managerinnen und Manager sind noch nicht bereit für die neue Arbeitswelt, ist Antonia Götsch überzeugt, Chefredakteurin des Harvard Business Managers. Sicherheit dominiere das Denken, nötiger wären Flexibilität und ein agiles Mindset. Gemeinsam mit Astrid Maier, ihrer journalistischen Partnerin im Führungs-Podcast "Team A", hat Götsch daher eine Managerin befragt, die es anders macht: Andrea Wasmuth, die erste Frau an der Spitze der Handelsblatt Media Group.

    Wasmuth setzt auf leise Töne und kann sich auch einmal ganz zurücknehmen, um anderen eine Bühne zu bieten. Einen Autoritätsverlust befürchtet sie nicht, im Gegenteil: Unterschätzt zu werden, mache es "manchmal leichter, Dinge umzusetzen." Diese erstaunliche Botschaft hat Sie neugierig gemacht? Hier geht's zum Podcast. 

Herzliche Grüße und einen entspannten Abend, Ihre Eva Buchhorn

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