Kai Lange

Der Donnerstag im Überblick Ein Helfer für Bahnreisende und ein Abschied im Silicon Valley

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Gründer, der Bahnreisenden in Europa hilft, einer Ikone, die sich von Facebook verabschiedet und einem Kampf, den Autohändler gegen VW und Co. führen.

Es gibt gleich zwei gute Nachrichten für diejenigen, die in diesem Sommer mit Bus und Bahn erdverbunden, kostengünstig und klimaschonend reisen wollen. Erstens: Der Start des Neun-Euro-Tickets hat zwar für Enge in Deutschlands Nahverkehrszügen gesorgt, aber das befürchtete Chaos ist bislang ausgeblieben. Zweitens: Wer mit Bus und Bahn durch Deutschland und Europa reisen will, hat endlich eine App zur Hand, die Ordnung im labyrinthischen Strecken- und Verkehrsnetz der unterschiedlichen Anbieter schafft.

Das deutsche Reise-Start-up Omio ist eines der wenigen weltweit, das noch einen Platz neben US-Riesen wie Booking oder Expedia gefunden hat. Die App gibt schnelle Orientierung für Bus- und Bahnreisen quer durch Europa. Sie funktioniert zugleich als Ticketshop für mehr als 1000 Reiseanbieter. Damit hat Omio-Gründer Naren Shaam eine Nische besetzt, die Platzhirsche wie Google oder Booking noch nicht abgegrast haben. Und seit das Bundeskartellamt die Deutsche Bahn im April dazu verdonnerte, ihr Fahrkarten-Monopoly aufzugeben, spürt Omio noch mehr Rückenwind.

Der Online-Reiseplaner dürfte in Deutschland wie auch in Europa an Relevanz gewinnen. Was Omio-Gründer Shaam vorhat und was die Ticket-App schon heute leistet, hat unser Kollege Michael Machatschke für Sie aufgeschrieben. Nicht nur für junge Reisende lohnt es sich, in diesem Sommer neben dem Neun-Euro-Ticket auch die Omio-App zur Hand zu haben.

Mann mit Weitblick: Harvard-Absolvent Naren Shaam bringt mit seiner Omio-App Ordnung in die Bahn- und Busverbindungen in Europa

Mann mit Weitblick: Harvard-Absolvent Naren Shaam bringt mit seiner Omio-App Ordnung in die Bahn- und Busverbindungen in Europa

Foto:

Julia Steinigeweg für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Sheryl Sandberg verlässt Meta: Die US-Topmanagerin Sheryl Sandberg legt nach 14 Jahren ihr Amt als Chief Operating Officer der Facebook-Mutter Meta nieder. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verliert damit nicht nur eine Topmanagerin, sondern auch eine Identifikationsfigur. Sandberg hat seit 2008 den Aufstieg Facebooks begleitet, hatte zuletzt aber an Einfluss im Meta-Konzern verloren. Ihre berufliche Zukunft ließ Sandberg, die als eine Ikone des Silicon Valley gilt, offen.

  • Bankchef Jamie Dimon warnt vor Wirbelsturm: Der Chef der US-Großbank JPMorgan, Jamie Dimon, hat vor einem aufziehenden "Hurrikan" für die weltgrößte Volkswirtschaft gewarnt. Hohe Inflation, rasch steigende Zinsen und der Krieg in der Ukraine ergeben die Voraussetzungen für einen Wirbelsturm, sagte Dimon während einer Tagung. Damit reiht sich Dimon ein in die wachsende Zahl von Profiinvestoren, die sich für eine Rezession und weiter fallende Börsenkurse wappnen. Welche Krisenstrategien für Anleger wichtig werden, hat unser Kollege Mark Böschen für Sie zusammengestellt.

  • Tanja Gönner wird Hauptgeschäftsführerin des BDI: Erstmals wird eine Frau den einflussreichsten deutschen Industrieverband leiten. BDI-Präsident Siegfried Russwurm hat die CDU-Politikerin und Grünen-Sympathisantin Tanja Gönner als Nachfolgerin des scheidenden Geschäftsführers Joachim Lang vorgeschlagen. Gönner soll ihr Amt im zweiten Halbjahr antreten. Mit der früheren Landesministerin aus Baden-Württemberg führt damit künftig ein Politprofi die operativen Geschäfte des Verbands. Gönner hatte sich in der Vergangenheit immer wieder auch für grüne Themen wie Klimaschutz eingesetzt.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Rückschlag für Unicredit-Chef Orcel: Wussten Sie, dass sich Unicredit-Chef Andrea Orcel als Hobby-Kickboxer fit hält? Hartnäckigkeit, Ausdauer und ein gutes Timing braucht der Topbanker jetzt auch an seiner neuen Wirkungsstätte: Der Krieg in der Ukraine hat sowohl die Fusionsgespräche mit der Commerzbank beendet wie auch den Versuch, in Russland zu expandieren. Zugleich hatte Orcel einen Kauf der Hamburger Berenberg Bank ausgelotet, doch die Berenberg-Truppe winkte ab. Orcel braucht nun einen Plan B, wenn er den Gewinn der Unicredit wie versprochen jährlich um 10 Prozent steigern will. Über den geplatzten Berenberg-Plan der Unicredit berichtet unsere Kollegin Katharina Slodczyk.

Meine Empfehlung für den Abend:

Angst vor Verzwergung: Autohersteller dünnen ihre Händlernetze aus

Angst vor Verzwergung: Autohersteller dünnen ihre Händlernetze aus

Foto: Frank Rumpenhorst / picture alliance/dpa
  • Was Volkswagen gerade bei der Vermarktung seines Elektro-Bulli ID.Buzz erlebt, dient als Beispiel für einen neuen Klassenkampf in der gesamten Autoindustrie. Eigentlich will VW den Bulli im sogenannten "Agenturmodell" vermarkten, was stark vereinfacht bedeutet: VW verkauft den ID.Buzz über das Internet, die Händler liefern aus und kassieren dafür eine vorab festgelegte Marge. Damit würde VW massiv Vertriebskosten sparen. Doch die Händler spielen da nicht mit und haben dem Konzern den Kampf angesagt. Nicht nur in den Händlernetzen von VW, auch bei Mercedes, Opel oder Kia regt sich Widerstand gegen das verhasste Agenturmodell. Unser Kollege Christoph Seyerlein hat den Aufstand der Autohändler dokumentiert.

Herzlich, Ihr Kai Lange