Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem Ende des Verbrennungsmotors

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit teuren Geisterspielen, zwölf Klimageboten aus Brüssel und der hässlichen Wahrheit über Facebook.

Die Bilder der Menschenmassen im Wembley-Stadion zum EM-Finale wirkten wohl auf viele Fernsehzuschauer bizarr. Trotz der noch nicht überstandenen Pandemie, trotz der grassierenden Delta-Variante waren beim Endspiel 67.500 von 90.000 Plätzen mit Fans belegt.

Wenn nun in neun Tagen in Japan die weltbesten Athletinnen und Athleten zu den Olympischen Sommerspielen antreten, werden uns wohl auf andere Weise befremdliche Bilder erreichen: von Olympioniken vor leeren Zuschauerrängen. Denn Tokio, Hauptaustragungsort der Spiele, hat wegen steigender Infektionszahlen den Corona-Notstand ausgerufen – und die Olympia-Organisatoren haben den Ausschluss aller Zuschauer von den Wettbewerben in Japans Hauptstadt beschlossen.

Die olympischen Geisterspiele sind zugleich vernünftig und kostspielig. Offiziell liegen die Kosten der Spiele bei 15,4 Milliarden US-Dollar, wobei Experten eher von 25 Milliarden Dollar ausgehen – bedenkt man, dass allein die Verschiebung von 2020 schon Milliarden verschlungen hat. Wie teuer das Sportfest wird und welche Rechnung Japans Steuerzahler begleichen müssen, das lesen Sie hier.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Verbrenner ade: Die EU will ab 2035 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zulassen

Verbrenner ade: Die EU will ab 2035 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zulassen

Foto: Marijan Murat/ DPA
  • Die EU-Kommission hat heute präsentiert, wie Europa seine Klimaziele in den kommenden Jahren erreichen soll. Zwölf Gesetzesvorschläge sollen die 27 Staaten ins klimaneutrale Zeitalter führen. Mithilfe von CO2-Abgaben und einem stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien soll bis 2050 praktisch kein CO2 mehr ausgestoßen werden. Dabei kommt die wohl einschneidendste Veränderung auf die Autobauer zu: Ab 2035 dürfen Neuwagen nach dem Willen Brüssels keine Emissionen mehr ausstoßen – damit gäbe es in 15 Jahren Diesel und Benziner nur noch als Gebrauchtwagen.

  • Vier Curevac-Manager und -Managerinnen haben große Aktienpakete abgestoßen und damit Millionen erlöst. Hat nach dem Scheitern ihres Corona-Impfstoffes selbst der Vorstand keine Hoffnung mehr auf ein erfolgreiches Produkt? Dieser Interpretation widerspricht Curevac entschieden: "Alle widmen sich der Weiterentwicklung des Unternehmens."

  • Boeing-Anleger erreicht schon wieder eine neue Hiobsbotschaft. Produktionsmängel beim Langstreckenjet 787 "Dreamliner" führen dazu, dass rund 100 dieser Jets vorerst nicht ausgeliefert werden können. Die Produktion des Modelltyps muss gedrosselt werden.

  • Mit Forderungen zur "Disziplinierung der Presse" bei Berichten über Börsengänge sorgte der Start-up-Beirat des Wirtschaftsministeriums Junge Digitale Wirtschaft für Empörung. Die Distanzierungen der Beteiligten lassen Fragen offen – eine Szene-Größe fordert weitere Rücktritte.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Ein neues Buch führt wie keines zuvor ins Innere des größten sozialen Netzwerks der Welt. Die "New York Times"-Journalistinnen Sheera Frenkel und Cecilia Kang liefern mit "Inside Facebook" neue Details aus dem Innersten des so streng verschlossenen Imperiums und beleuchten das einzige Unternehmensziel: Wachstum um jeden Preis. Die Chronique scandaleuse empfiehlt mein Kollege Christian Schütte.

Was Sie heute noch für Ihr Berufsleben lernen können:

  • Wenn Worte wie "dumm", "verrückt" oder "blöd" Teil Ihres Wortschatzes sind, ist Ihnen wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass diese eine Form von Diskriminierung darstellen. Diese – und viele weitere Begriffe unserer Alltagssprache – werten Menschen mit Behinderung herab. Wir sollten uns daher bewusst machen, wie wir im Büro kommunizieren, ohne zu entmenschlichen und zu verletzten, sagt Autorin Rakshitha Arni Ravishankar. Ihren Leitfaden gegen die Verbreitung von ableistischer Sprache finden Sie hier. 

Meine Empfehlung für den Abend:

"Bei zu viel Routine wird mir langweilig": Simone Menne, 60 Jahre, sucht Einfluss und Risiko

"Bei zu viel Routine wird mir langweilig": Simone Menne, 60 Jahre, sucht Einfluss und Risiko

Foto: Andreas Arnold / dpa / picture alliance
  • Dass Frauen nicht nach Macht streben, glaubt Simone Menne nicht. Von sich selbst sagt sie, dass sie "immer etwas bewegen" wollte und Jobs mit hohem Risiko und hoher Sichtbarkeit sie angezogen haben. In ihrem Lebenslauf sammeln sich die Topjobs, sie war Finanzvorständin der Lufthansa, ist Aufsichtsrätin mehrerer Unternehmen und betreibt eine Kunstgalerie in Kiel. Damit war sie eine perfekte Kandidatin für die Befragung im Rahmen unserer Studie zu Karrieren deutscher Topmanagerinnen . Vier der Spitzenfrauen kommen nun noch einmal ausführlicher zu Wort, in unserer Miniserie "Mein Weg an die Spitze". Den Anfang macht Simone Menne , die uns über die entscheidenden Faktoren ihrer Karriere, sowie auch von Niederlagen und Umwegen auf dem Weg nach oben berichtet hat – und vom nächtlichen Rollerskaten in Paris.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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