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Kai Lange

Der Freitag im Überblick Samwer im Sinkflug, Bank-Vorstand vor Abflug

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem sinkenden Stern des Oliver Samwer, einem Preispoker bei der Deutschen Bahn, einem satten Lohnaufschlag in der Metallindustrie und einem möglichen Abschied bei der Deutschen Bank.

Internetmilliardär Oliver Samwer galt lange als der deutsche Start-up-König. Mit Zalando, Hellofresh und Delivery Hero waren noch im Jahr 2021 gleich drei Unternehmen im Dax platziert, die der Gründer von Rocket Internet mit aufgebaut hatte. Dass das Geschäftsmodell von Rocket vor allem darin bestand, Geschäftsideen aus den USA zu kopieren und die deutschen Klone auf rasches Wachstum zu trimmen, war weniger wichtig.

In bleibender und trauriger Erinnerung blieb Anlegern jedoch Rocket Internets unrühmlicher Rückzug: Ende 2020 nahm Samwer Rocket wieder von der Börse – und zahlte Anlegern gerade mal die Hälfte des Preises zurück, die er ihnen beim Börsengang sechs Jahre zuvor selbst abgeknöpft hatte. Für institutionelle Anleger ein massives Verlustgeschäft, viele fühlten sich über den Tisch gezogen. Einige fordern bis heute Schadensersatz in Millionenhöhe.

Samwers Drang zur Selbstoptimierung hat Vertrauen zerstört. Bei Investoren scheint Samwers Stern inzwischen rapide gesunken zu sein, wie mein Kollege Jonas Rest im neuen manager magazin berichtet. Laut Insidern soll der ehemalige Klon-König Probleme haben, Investoren für einen neuen Risikokapital-Fonds aufzutreiben. Während der Konkurrenz trotz Krise viel Risikokapital zufließt, lässt ein neuer Fonds des Rocket-Vehikels Global Founders Capital weiter auf sich warten.

Die neuen Gründerstars halten ohnehin Abstand zu Samwer: Die neuen deutschen Digitalheros von Flixbus über Trade Republic bis Celonis sind ohne Rocket-Kapital entstanden. Da Samwer auch für seine Anfang 2021 aufgelegte Börsenhülle noch kein geeignetes Übernahme-Ziel gefunden hat, muss er den Investoren womöglich bald ihr Geld zurückzahlen – diesmal allerdings ohne Abschlag. Die Story über Samwers sinkenden Stern lesen Sie hier.

Digital-Fossil: Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer

Digital-Fossil: Rocket-Internet-Gründer Oliver Samwer

Foto: Gene Glover

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • 8,5 Prozent mehr Lohn – plus 3000 Euro steuerfrei: Arbeitgeber und Industriegewerkschaft Metall haben sich auf eine kräftige Lohnerhöhung geeinigt. Die knapp 4 Millionen Beschäftigte der deutschen Metallindustrie bekommen in zwei Schritten 8,5 Prozent mehr Geld sowie eine steuerfreie Einmalzahlung in Höhe von 3000 Euro. Die IG Metall konnte damit sogar mehr durchsetzen als die geforderten acht Prozent. Die Arbeitgeber setzten dafür eine Laufzeit von zwei Jahren bis September 2024 durch. Kommt es nun angesichts des satten Aufschlags zu einer Lohn-Preis-Spirale? Ökonomen bleiben da aktuell gelassen.

  • Lagarde stellt steigende Zinsen in Aussicht: EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat wegen der hohen Inflation weitere Zinserhöhungen signalisiert. Dabei nehme die EZB auch eine Rezession in Kauf. Die nächste Zinsentscheidung der EZB ist für den 15. Dezember geplant.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Bahn ringt sich zu Schenker-Verkauf durch: Die Deutsche Bahn will sich nach langem Hin und Her doch noch von ihrer Speditionstochter Schenker trennen. Ein Verkauf soll Milliarden in die Unternehmenskasse spülen. Mitte Dezember dürfte der Aufsichtsrat der Bahn den Verkaufsprozess in die Wege leiten, wie mein Kollege Michael Machatschke schreibt. Bahn-Chef Richard Lutz hatte sich lange gegen den Verkauf seines einträglichsten Bereiches gesträubt, doch nun ist der Anteilseigner Bund ihm entgegengekommen: Die Bahn darf die Einnahmen aus dem Schenker-Verkauf weitgehend behalten und für die Reparatur des maroden Schienennetzes verwenden. Der Haken: Vom Bestpreis von bis zu 20 Milliarden Euro, die zum Höhepunkt des Logistik-Booms möglich schienen, ist man durch das lange Gezerre wieder weit entfernt.

  • NFT statt Panini: Kurz vor Beginn der Fußball-WM hat der Run auf Panini-Bilder wieder eingesetzt. Seit 1961 verkauft das Unternehmen aus Modena selbstklebende Sammelbildchen, in Deutschland kostet ein Tütchen mit fünf Bildern einen Euro. 1,3 Milliarden Euro hat Panini zuletzt damit weltweit umgesetzt. Doch inzwischen verlagert sich der Hype um die Sticker auch ins Internet: Messi, Ronaldo, Mbappé und Neymar werden zunehmend digital gesammelt und getauscht: Nicht als Abziehklebebildchen, sondern als sogenannte NFT. Auch das Berliner Unternehmen Fanzone mischt dabei mit, unterstützt von Porsche Ventures. Meine Kollegin Marleen Gründel nennt die wichtigsten Spieler im rasch wachsenden NFT-Markt.

Meine Empfehlung für den Abend:

Deutsche-Bank-Chefaufseher Alexander Wynaendts: Erster Stich des neuen Aufsichtsratschefs

Deutsche-Bank-Chefaufseher Alexander Wynaendts: Erster Stich des neuen Aufsichtsratschefs

Foto: Guido Benschop / De Beeldunie / laif
  • Vorstands-Diskussion bei der Deutschen Bank: Der neue Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Alexander Wynaendts, hält sich bei Deutschlands größtem Geldhaus bislang im Hintergrund. In Kürze könnte Chefkontrolleur Wynaendts aber mit CEO Christian Sewing aneinandergeraten: Es geht um die Zukunft des lang gedienten Privatkunden-Vorstands und Sewing-Vertrauten Karl von Rohr. Dessen Vertrag läuft im Herbst 2023 aus – und Wynaendts hält nach Informationen meiner Kollegin Katharina Slodczyk nicht viel von einer Verlängerung. Zwei Argumente sprächen gegen von Rohr: Die Verzögerungen bei der Integration der Postbank sowie sein schwaches Krisenmanagement im Greenwashing-Skandal der Vermögensverwaltung DWS. Warum von Rohrs Abschied auch Teil eines Neuanfangs bei der DWS sein könnte, lesen Sie hier: Der erste Stich des neuen Aufsichtsratschefs.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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