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Oliver Hollenstein

Der Tag im Überblick Deutsche Beamte und chinesische Regulierer

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit ängstlichen Beamten, hohen Preisen, teuren Immobilien und jungen Unternehmern.

Seit etwa einem Jahr beleuchtet ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Arbeit der Hamburger Finanzbehörden. Was dort vor einigen Jahren hinter dunklen Amtsmauern vor sich ging, darüber kann man als normaler Steuerzahler nur staunen.

Im Jahr 2016 wurde gegen die Privatbank M.M. Warburg wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt. Der Verdacht: Die Bank habe sich mit Hilfe von Cum-ex-Geschäften hohe Millionenbeträge an Steuern erstatten lassen, die zuvor gar nicht bezahlt worden waren. Die Indizien waren erdrückend. Dennoch verzichtete das Finanzamt auf eine Rückforderung – kurz nachdem sich der heutige Kanzler und damalige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) mit den Bankinhabern getroffen hatte.

Zufall? Das möchte der Untersuchungsausschuss herausfinden – und ermöglicht dabei einen Blick durchs Schlüsselloch ins Innerste einer deutschen Behörde. Mit erstaunlichen Erkenntnissen: Die Beamten beriefen sich etwa bei ihrer Entscheidung damals ausgerechnet auf einen Autor, der seine Formulierungen offenbar mit den Cum-ex-Tätern abstimmte. Doch das ist nur die Spitze der haarsträubenden Geschehnisse. Lesen Sie hier unsere Recherche über ein Organisations- und Managementversagen,  verantwortet von Olaf Scholz und Hamburgs heutigem Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Falls Sie sich übrigens fragen, was Olaf Scholz dazu sagt: Er kann sich an insgesamt drei Treffen und ein Telefonat mit den Bankern nicht erinnern. Aber er ist sicher, die Finanzbeamten nicht beeinflusst zu haben.

Trutzburg: die Hamburger Finanzbehörde

Trutzburg: die Hamburger Finanzbehörde

Foto: imago stock&people / imago/imagebroker

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Leben in Deutschland wird teurer: Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent gestiegen. Damit erhöhte sich die Inflation so stark wie seit 1993 nicht mehr. Nach oben gingen vor allem die Energiepreise. Zudem hätten Lieferengpässe und die Rücknahme der zwischenzeitlichen Mehrwertsteuersenkung das Preisniveau beeinflusst, teilte das Statistische Bundesamt mit.

  • US-Notenbank erwägt höhere Zinsen: Nicht nur in Deutschland ist die Inflation so hoch wie lange nicht mehr, auch in den Vereinigten Staaten ist die Teuerungsrate derzeit auf dem höchsten Niveau seit Jahrzehnten. Die US-Notenbank Fed beobachtet diese Entwicklung schon länger kritisch. Nun könnte eine Erhöhung der Zinsen deutlich schneller kommen als geplant. Das geht aus jetzt veröffentlichten Protokollen der jüngsten Fed-Sitzung hervor. Die Aktienmärkte in Asien, den USA und in Europa reagierten mit deutlichen Verlusten auf die Nachrichten.

  • Rekordinvestitionen in deutsche Immobilien: Angesichts niedriger Zinsen und hoher Inflation suchen Investoren nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Eine Option: Betongold. Im vergangenen Jahr haben Großinvestoren gigantische 111 Milliarden Euro in deutsche Immobilien gesteckt, das hat der Immobiliendienstleister JLL ausgerechnet. Das entspreche einem Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der enorme Anstieg relativiert sich allerdings etwas, wenn man weiß, dass ein wesentlicher Teil davon durch nur einen Mega-Deal zustande kam: Deutschlands größter Vermieter Vonovia hat im Jahr 2021 den Konkurrenten Deutsche Wohnen für knapp 20 Milliarden Euro übernommen. Dadurch entstand das größte Wohnungsunternehmen in Europa.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Peking bringt das Internet auf Staatslinie: Die chinesische Regierung verschärft noch einmal ihre Maßnahmen gegen Tech-Konzerne. Dabei geht es den chinesischen Internetunternehmen jetzt an ihr Allerheiligstes: die Algorithmen, mit denen sie ihre Nutzer analysieren und animieren wollen, noch länger zu spielen, mehr zu kaufen oder bestimmte Videos anzuschauen. Die Konzerne dürfen künftig keine Empfehlungen mehr versenden, die Nutzer "abhängig machen" oder dazu animieren, "exzessiv Geld auszugeben". Stattdessen sollen sie "positive Energie" und politisch erwünschte Informationen verbreiten. Das dürfte die bestehende Kontrolle und Zensur der Regierung in Peking über das Internet noch einmal verstärken. Unsere Kollegin Mirjam Hecking beschreibt den Angriff auf die Algorithmen – und erklärt, wie weit die Pläne der EU und der USA zur Regulierung der mächtigen Internetgrößen sind.

Der Karrieretipp des Tages:

  • Mehr Geld, mehr Sport, mehr Zeit für sich selbst – haben Sie Ziele für 2022? Anfang kommender Woche wollen unsere Kollegen von manage › forward Sie dabei unterstützen, diese Ziele auch zu erreichen. In zwei kostenlosen Webinaren mit den Coaches Michael Obert und Linda Wulff lernen Sie effektive Methoden kennen, um zu Ihnen passende Ziele zu finden und diese auch in die Tat umzusetzen. Hier können Sie sich anmelden.

Meine Empfehlung für den Abend:

Chef mit 16: Jungunternehmer Amir Gdamsi

Chef mit 16: Jungunternehmer Amir Gdamsi

Foto:

Patrik Temme

  • Was haben Sie mit 16 Jahren gemacht? Amir Gdamsi ist Chef. Seit zwei Jahren ist er Deutschlands jüngster Unternehmer, gerade hat er sein zweites Start-up gegründet. Von sich selbst sagt der Jungunternehmer, er arbeite 90 Stunden pro Woche. Geht das? Und geht das gut? Unsere Kollegin Sina Osterholt hat Gdamsi getroffen – und erzählt, welche Hürden er als minderjähriger Gründer überwinden musste und wie er Arbeit und Schule unter einen Hut bekommt.

Einen schönen Feierabend wünscht

Ihr Oliver Hollenstein

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