Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit der Offshore-Seeschlacht

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Windschlacht zwischen Stromriesen und Ölkonzernen, dem finalen Reinfall des Curevac-Impfstoffs und dem Märchen vom stabilen Geld.

Einen entscheidenden Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten Windkraftanlagen auf hoher See. Weil der Wind dort stabiler und kräftiger bläst als an Land, könnten die Windräder sogar Kohlekraftwerke ersetzen.

Die Wachstumsvision des Offshore-Windmarktes ist fulminant: Die Internationale Energieagentur rechnet mit Investitionen von mehr als 1,3 Billionen Dollar in den nächsten 20 Jahren. Ein betonharter Wettbewerb um die lukrativsten Standorte und ums knappe Fachpersonal ist entbrannt. Langwierige Genehmigungsverfahren sorgen für eine Explosion der Mietpreise für die knappen Meeresflächen. Und nun greifen in den Konkurrenzkampf der etablierten Windverarbeiter Ørsted, RWE oder Vattenfall auch noch die Ölgiganten ein, deren Investoren zunehmend auf Begrünung drängen.

Trotz überschwänglicher Prognosen bleibt das Windgeschäft auf See eine riskante Wette. Wer kann schon vorhersagen, wie stark der Wind am Ende bläst? Und wie sich der Strompreis in ein, zwei Jahrzehnten entwickelt? Mein Kollege Dietmar Student gibt Einblicke in den Kampf um ein unwägbares Milliardengeschäft: Seeschlacht zwischen Stromriesen und Ölkonzernen. 

Fischt in heimischen Gewässern nach Wind: Catrin Jung, Offshore-Chefin bei Schwedens Vattenfall

Fischt in heimischen Gewässern nach Wind: Catrin Jung, Offshore-Chefin bei Schwedens Vattenfall

Foto:

Thomas Pirot für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Die Hoffnung auf einen zweiten Corona-Impfstoff Made in Germany hat sich am Mittwochabend zerschlagen. Die Effektivität des Vakzins von Curevac, die bereits vor zwei Wochen in der Zwischenanalyse als gering bewertet wurde, ist nun in der finalen Auswertung bestätigt: Demnach zeigte das Mittel eine Wirksamkeit von nur 48 Prozent gegen eine Covid-Erkrankung. Trotz des akuten Impfversagens hält Curevac-Chef Franz-Werner Haas an seinem Produkt fest und hofft weiter auf EU-Zulassung. Die Aktionäre der Tübinger teilen diesen Optimismus nicht so ganz – der Aktienkurs bricht um knapp 20 Prozent ein. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn plant jetzt ohne das Produkt. Die ganze Geschichte hinter dem "Rennen um den besten Impfstoff", das Curevac-Mäzen Dietmar Hopp gewinnen wollte, könnten Sie hier noch einmal nachlesen: Wie Curevac eine Jahrhundertchance verspielt.  Und was wird jetzt aus den illustren Produktionspartnern wie Bayer, Novartis, Glaxosmithkline oder Wacker Chemie, die sich in Curevacs Dienst gestellt haben? Sie könnten sich wohl recht schnell nützlich machen, indem sie ihre riesige Kapazität auf erfolgreichere Impfstoffe umstellen. Nur dürfen sollen sie nicht wollen - noch nicht, jedenfalls.

  • Apropos Glaxosmithkline: Der aktivistische Investor Paul Singer macht mal wieder Druck. Sein Hedgefonds Elliott drängt nach seinem Einstieg den britischen Pharmakonzern dazu, den Verkauf seiner Consumer-Health-Sparte zu beschleunigen. Und das ist nur ein Teil seiner Forderungen.

  • Bei seinem Börsengang will der US-Discountbroker Robinhood ungewöhnlich viele Aktien an Privatleute geben. Vor dem IPO steckt das Unternehmen allerdings noch in vielen Rechtsstreitigkeiten – und muss jetzt eine hohe Strafe zahlen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

Zehnstellig motiviert: Palantir-Chef Alex Karp strich 2020 1,1 Milliarden Dollar ein

Zehnstellig motiviert: Palantir-Chef Alex Karp strich 2020 1,1 Milliarden Dollar ein

Foto: Thibault Camus / AP
  • Obwohl die Datenanalysefirma Palantir seit ihrer Gründung vor 17 Jahren noch keine Gewinne geschrieben hat, beträgt ihre Bewertung an der Börse sagenhafte 50 Milliarden US-Dollar. Bei solch einem Hype um ein Unternehmen braucht es wohl einen voll motivierten Chef, weshalb die Firma ihn reichlich pampert: An CEO Alex Karp drückte sie für 2020 zu seinem Lohn ein Vergütungspaket im Wert von 1,1 Milliarden Dollar in Form von Aktienoptionen ab. Natürlich zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von 1,1 Millionen Dollar.

  • Der wohl überraschendste Aspekt der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklung ist die überschaubare Inflation. "Well-anchored" nennen Notenbanker die Aussichten auf die Preisentwicklung. Unser Kolumnist Henrik Müller hingegen sieht Grund zur Sorge. Er glaubt das ökonomische Narrativ in Gefahr: Das Märchen vom stabilen Geld. 

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Hätten Sie gedacht, dass Pendeln unkreativ macht? Zu diesem Schluss ist ein Forscherteam der Business Schools aus Wharton und Harvard gekommen. In ihrer Studie fanden sie heraus, dass Wissensarbeiter wie etwa Erfinder weniger innovativ waren, je länger ihr Fahrtweg war. So sank die Zahl und Qualität der patentierten Hightecherfindungen dieser Mitarbeiter signifikant. Das Studienergebnis zeigt Unternehmen, dass der Wohnort ihrer Mitarbeiter keine reine Privatsache mehr ist – und sie gegensteuern sollten. 

  • Was im Beruf die Leistungserfassung ist, heißt im Haushalt leider immer noch oft "Mutti macht das schon". Unsere Gastautorin Katrin Wilkens hat die Schere aus Care-Arbeit und Lohnarbeit in einer klassischen Familiensituation beispielhaft ausgerechnet und kommt zu einem erschreckenden Schluss: Vollzeit-Mütter verzichten auf 750.000 Euro.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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