Christoph Rottwilm

Der Dienstag im Überblick Rat vom Geldprofi und Ratenkauf bei Apple

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit Renditejägern in Nöten, Russen in Berlin und Rückkehrern in Jogginghosen.

Wenn es am Geldanlagemarkt turbulent wird, hören private Investoren gerne auf den Rat von Profis mit Erfahrung. Howard Marks ist daher momentan ein guter Gesprächspartner beim Thema Geld: Der Amerikaner, Mitgründer der Investmentfirma Oaktree, ist seit Jahrzehnten im Geschäft, mischte schon in den 1970er-Jahren am Aktienmarkt mit und wurde später zum gefragten Anleiheexperten. Ihn hat Kollege Mark Böschen aufgesucht, um zu erfahren, wie im momentanen Wirrwarr aus Inflation, Zinserhöhungen, drohender Rezession und Krieg in Osteuropa die richtige Anlagestrategie aussieht.

Im Interview spricht Marks über viele Aspekte der aktuellen Geldanlagewelt. Über den Absturz der Tech-Aktien etwa ("Die größten Exzesse sind bereits bereinigt"), über den mauen Gold-Preis ("Viele Leute haben das Interesse verloren") und über den vermeintlichen Inflationsschutz durch Kryptowährungen ("schwer zu verstehen"). Seinen vielleicht wichtigsten Ratschlag jedoch gibt Marks dem Kollegen Böschen im Gesprächsverlauf gleich zweimal: Versuchen Sie gar nicht erst, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu erraten. "Vielleicht fallen die Kurse noch weiter, wer weiß", sagt der Profi. "Ist das wirklich wichtig für Anleger?"

Entscheidend, so Marks, sei vielmehr die lange Sicht. In Zeiten hoher Inflation bieten sich seiner Ansicht nach daher momentan Aktien von Unternehmen an, die steigende Kosten gut an ihre Kunden weitergeben können. Oder von Firmen, deren Geschäft deutlich schneller wächst, als die Preise steigen. Das vollständige Interview finden Sie auf manager-magazin.de .

Erfahrener Profi: Oaktree-Mitgründer Howard Marks in seinem Büro in New York

Erfahrener Profi: Oaktree-Mitgründer Howard Marks in seinem Büro in New York

Foto: Joshua Bright / NYT / Redux / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Ratenkäufe für Apple-Kunden: Auf ein neues spektakuläres Produkt wie das iPhone warten Apple-Fans schon lange vergeblich. Auch bei der jüngsten Präsentation hatte der Konzern aus Kalifornien vor allem Neuigkeiten parat, die eher Insider begeistern. Bemerkenswert erscheint allerdings Apples weiteres Vordringen ins Geschäft mit Finanzdienstleistungen. Das Unternehmen will in Kooperation mit Mastercard künftig auch Ratenzahlungen anbieten und macht damit Fintechs wie Klarna Konkurrenz.

  • Russische Programmierer für die Deutsche Bank: Die Deutsche Bank betrieb jahrelang zwei IT-Zentren in Russland, bis der Krieg in der Ukraine die Umstände grundlegend veränderte. Seither ist Deutschlands Geldhaus Nummer eins ähnlich wie viele andere westliche Unternehmen dabei, seine Aktivitäten in Russland einzuschränken. Offenbar als Ersatz gab die Bank heute bekannt, ein neues Technologiezentrum in Berlin gründen zu wollen. Die Mitarbeiter dafür sind zum Großteil auch schon gefunden – die Deutsche Bank hat ihre russischen Software-Experten zu Hunderten in die Bundeshauptstadt umgesiedelt.

  • Rückschläge für die Industrie: Die Nachfrage aus China schwächelt, der Krieg in Osteuropa belastet, die hohe Inflation drückt auf die Stimmung – all das geht an der deutschen Industrie nicht spurlos vorüber. Bereits zum dritten Mal in Folge erlebten die Unternehmen im April einen Monat mit rückläufigen Auftragszahlen.

Was heute sonst noch wichtig war:

  • Dax-Chefin auf Sanierungsmission: Dritte Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns – dieser Titel wird Carla Kriwet fortan anhaften. 2023 soll die Managerin auf den Chefposten von Fresenius Medical Care (FMC) rücken - sie wäre dann nach Jennifer Morgan (SAP, wieder ausgeschieden) und Belen Garijo (Merck) die dritte Chefin eines Dax-Konzerns. Zugleich wird Kriwet Vorstandsmitglied beim Mutterkonzern Fresenius. Für die 51-Jährige, die nach Stationen etwa bei Linde, Dräger, Philips sowie BSH (ehemals Bosch Siemens Hausgeräte) zu dem Gesundheitskonzern stößt, bedeutet das viel Arbeit. Denn weder bei Fresenius noch bei FMC lief es zuletzt richtig rund. Doch Kollege Dietmar Palan kennt die Pfunde , mit denen Kriwet in ihrem neuen Job wuchern kann: Sie hat Erfahrung in der Branche, gilt als zupackend und frei von Allüren. Und vor allem: Die künftige FMC-Chefin kennt keine Angst.

Meine Empfehlung für den Abend:

Bye-bye, tie: Kaum einer hat heute noch Lust, jeden Tag eine Krawatte umzubinden

Bye-bye, tie: Kaum einer hat heute noch Lust, jeden Tag eine Krawatte umzubinden

Foto: Westend61 / Getty Images/Westend61
  • Seit mehr als zwei Jahren sitzen wir nun bereits in Jogginghose und T-Shirt in unseren Home Offices, nun geht es zurück ins Büro. Aber geht es deshalb auch zurück in den Business-Dress mit Anzug und Krawatte respektive Kostüm und Halstuch? Auf keinen Fall, sagen viele Arbeitnehmer, die sich an den legeren Kleidungsstil gewöhnt haben. Doch, sagen dagegen manche Vorgesetzte, die um die richtige Arbeitseinstellung sowie das Image bei Kunden und Geschäftspartnern bangen. Allerdings gibt es noch einen weiteren Aspekt, der bei der Frage der richtigen Kleidung am Arbeitsplatz eine Rolle spielt: Das traditionellere Outfit kann gegenüber dem Casual Look bares Geld wert sein, wie die Kollegen vom Harvard Business manager berichten .

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm