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Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Ein Chippirat aus USA kapert die deutsche Industrie

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Chef von Nvidia, der einen Teil der deutschen Industrie kapert, einem Lufthansa-Vorstand, der trotz Staatshilfe Boni in Millionenhöhe einstreicht, und einem russischen Oligarchen, dem plötzlich wertvolle Luxushotels abhandenkommen.

Der Mann in der schwarzen Lederjacke geht bei Konzernlenkern ein und aus. Jensen Huang, Chef des US-Chipherstellers Nvidia, hat nicht nur zu Siemens-Chef Roland Busch einen ganz kurzen Draht. Auch bei Mercedes-Boss Ola Källenius, Volvo-Lenker Martin Lundstedt oder Oracle-Chefin Safra Catz ist Huang ein gern gesehener Gast. Er liefert ihnen schließlich die Chips und die Software, die sie so dringend für ihre Produkte brauchen. Dabei versteht sich Huang allerdings nicht als klassischer Zulieferer. Er nistet sich mit seinen Produkten tief in den Angeboten der Industriekonzerne ein – und erhebt auch Anspruch auf einen Teil der Umsätze und Gewinne seiner Partner.

Es ist eine Art faustischer Pakt, den der Chip-Mephisto aus Kalifornien mit den Industriebossen schließt. Er verspricht mithilfe seiner Technologie virtuelle Fabriken, selbstfahrende Autos, künstliche Intelligenz – kurz: Er verkauft seinen Partnern die Hoffnung, in einer digitalen Zukunft noch eine Rolle zu spielen. Und verlangt dafür seinen Preis.

Mit jedem Deal kapert Huang ein Stück vom Geschäft. Eine beunruhigende Vorstellung, die eine neue Machtbalance in einer digitalen Wirtschaft erahnen lässt. "Aber welche Alternative gibt es denn?", fragt ein deutscher Konzernvorstand: "Wir brauchen die Technologie, und die ist in unserem Ökosystem nicht vorhanden." Unsere Kollegin Mirjam Hecking beschreibt, wie der Chip-Pirat von Nvidia immer tiefer ins Herz der deutschen Industrie vordringt – und welche Folgen das für die Unternehmen hat.

Kraftvolle Verbindung: Mit Siemens-CEO Roland Busch (r.) baut Nvidia-Chef Jensen Huang begehbare virtuelle Welten

Kraftvolle Verbindung: Mit Siemens-CEO Roland Busch (r.) baut Nvidia-Chef Jensen Huang begehbare virtuelle Welten

Foto: PR

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Lufthansa will trotz Staatshilfen Boni zahlen: Mit Milliardenhilfen hatte die Bundesregierung die Lufthansa 2021 gerettet. Im Gegenzug sollten Konzernchef Carsten Spohr und seine Vorstandskollegen auf Boni verzichten. Doch die Mitglieder des Gremiums fanden laut einem "Handelsblatt"-Bericht einen Trick, diese Regelung zu umgehen. Der Aufsichtsrat hatte bereits Anfang Dezember für rückwirkende Bonuszahlungen in Millionenhöhe für die Krisenjahre 2021 und 2022 gestimmt.

  • Ärger mit Justin Bieber: Der Musikstar pestete via Instagram gegen die Modekette H&M. Der Modehändler vertreibt eine Kollektion, die laut Etikett von Bieber stammen soll. Der behauptet jedoch, er hätte damit nichts zu tun – und ruft seine Fans zum Boykott auf: Die Klamotten seien "Müll". H&M freilich bestreitet, dass irgendwas falsch gelaufen sei.

  • Koffer voller Geld aus Katar: Die ehemalige Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Eva Kaili, hat im EU-Korruptionsskandal ein Teilgeständnis abgelegt. Die griechische Abgeordnete soll zugegeben haben, dass sie von dem Korruptionsring rund um ihren Partner Francesco Giorgi und den italienischen Europaabgeordneten Antonio Panzeri wusste. Panzeri wird vorgeworfen, gegen Bezahlung Europaabgeordnete zugunsten des Emirats Katar beeinflusst zu haben.

  • FTX-Gründer stimmt Auslieferung zu: Der Zusammenbruch der Kryptobörse FTX hat die Krypto-Welt erschüttert. Der auf den Bahamas verhaftete FTX-Gründer Sam Bankman-Fried hat nun seiner Auslieferung in die USA zugestimmt. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm dort bis zu 115 Jahre Haft.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Wie Putin-Kritiker Oleg Deripaska enteignet wurde: Der russische Milliardär Oleg Deripaska zählt zu den wenigen Oligarchen, die Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine offen kritisieren. Nun wurde Deripaska, der vor den Winterspielen im russischen Sotschi noch eng an Putins Seite stand, von einem russischen Gericht enteignet und seiner Luxushotels am Schwarzen Meer beraubt, wie die "Financial Times" berichtet. Der Luxushotel-Komplex "Imeretinskiy", in den Deripaska rund eine Milliarde Dollar investiert hat, gehört nun zum Bildungs- und Wissenschaftscampus "Sirius", einem von Putins Lieblingsprojekten. Die Hintergründe zu dieser Warnung an die übrigen Oligarchen, lesen Sie hier.

  • Deutschlands Probleme mit der Nachhaltigkeit: Die Energiekrise hat auch die Textilbranche hart getroffen. Antje von Dewitz, Chefin des Outdoor-Unternehmens Vaude, hat ihr Unternehmen schon vor Jahren auf "grün" gekrempelt. Sie fordert, dass Manager jetzt nicht jammern, sondern endlich Kompetenz in Sachen Nachhaltigkeitskompetenz aufbauen. Ihre erste Kolumne "Teil der Lösung" lesen Sie hier, viele weitere werden in den kommenden Monaten folgen – wir freuen uns drauf.

Meine Empfehlung für den Abend:

Hardliner: Zwischen dem ehemaligen Lamy-Führungstrio Beate Oblau, Thomas Trapp (M.) und Finanz- und Produktionschef Peter Utsch (r.) konnte nicht einmal ein Mediator schlichten

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Foto:

Markus Hintzen

  • Krach und Chaos bei Lamy: Ein Lamy-Füller gehört allgemein zu den beliebteren Weihnachtsgeschenken. Und die dazu gehörende Firma aus Heidelberg gehörte lange zu den profitabelsten Unternehmen der Republik. Doch seit dem Tod des Patriarchen Manfred Lamy droht das Unternehmen zu einem Sanierungsfall zu werden, wie unser Kollege Martin Mehringer berichtet: Die Erben Vera und Markus Lamy wirken überfordert, im Vorstand kracht es regelmäßig. Der erfolgreiche Geschäftsführer Bernhard Rösner wurde geschasst, und von seinem Nachfolge-Trio ist nur noch Finanzchef Peter Utsch übrig. Hinzu kommt ein handfester Krach mit dem Betriebsrat. Zu Weihnachten, eigentlich Hochsaison für Lamy, sollte die Firma folgendes Motto beherzigen: Wer schreibt, der bleibt. Wer streitet, der scheidet. Alles über den Absturz der Traditionsmarke lesen Sie hier.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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