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Christoph Rottwilm

Der Freitag im Überblick Auslese unter Biotechs und Aufruhr unter Plastikmännchen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit zwei Fällen von Missmanagement, zwei Chefwechseln und dem verzweifelten Kampf der Biotechfirmen ums Überleben.

Nicht nur Bringdienste, Streaminganbieter oder Homeoffice-Ausstatter gehörten zu den Gewinnern der Corona-Krise. Im Kielwasser von Biontech und Moderna, die mit ihren Impfstoffen zu regelrechten "Weltrettern" avancierten, erlebte auch die Biotech-Branche einen wahren Boom. Investoren standen Schlange, Finanzierungsrunden flutschten nur so. Umso drastischer ist jetzt die Ernüchterung: Schon im Spätherbst 2021 drehte an der Börse die Stimmung gegen die Biotechwerte. Inzwischen sind sie großteils vollends eingebrochen, und auch abseits des Aktienmarktes üben sich Investoren in Zurückhaltung.

Die kleinteilige Branche bringt das in ziemliche Schwierigkeiten. Medikamentenentwicklung ist ein langwieriges und vor allem kostspieliges Geschäft. War es das also schon mit dem Biotech-Boom?

In Deutschlands Biotech-Szene findet gerade eine Auslese statt, konstatiert Kollegin Eva Müller nach gründlicher Recherche. Nur wer überzeugende Daten liefert, erhält noch Kapital. Denn – immerhin – Geldgeber gibt es nach wie vor, neben Risikofinanzierern werden zunehmend auch Private-Equity-Firmen auf das Geschäft aufmerksam. Andere Unternehmen allerdings bringt die aktuelle Marktlage in echte Existenznot. Ihren Report mit vielen Beispielen finden sie heute auf manager-magazin.de .

Kampf gegen die Flaute: Auch Ulrich Dauer, CEO des Biotechs Vivoryon, sucht frisches Geld abseits des Aktienmarkts

Kampf gegen die Flaute: Auch Ulrich Dauer, CEO des Biotechs Vivoryon, sucht frisches Geld abseits des Aktienmarkts

Foto: Felix Adler für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Nun geht es also los. Angesichts der hohen Energiepreise kursiert ja schon seit Längerem die bange Frage in deutschen Wirtschaftskreisen: Droht dem Standort D eine De-Industrialisierungswelle? Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hat nun angekündigt, wegen der hohen Energiekosten vorübergehend zwei Anlagen in Deutschland runterzufahren: in Bremen und Hamburg.

  • Ben van Beurden leitet den britischen Ölmulti Shell bereits seit vielen Jahren, doch jetzt reicht es ihm offenbar. Er hat den Konzern gegen viele Widerstände auf Nachhaltigkeit getrimmt – und als erster Shell-CEO seit dem Zweiten Weltkrieg die Dividende gekürzt. Wie aus dem Unternehmen zu hören ist, will van Beurden im kommenden Jahr abtreten. Vier Kandidaten für seine Nachfolge wurden schon für die Shortlist identifiziert.

  • Erst gestern Morgen verkündete Laxman Narasimhan seinen Rücktritt vom Chefposten bei Reckitt Benckiser und sorgte damit bei der Aktie für einen Kursrutsch. Inzwischen ist klar, wohin des den indisch-amerikanischen Manager zieht: Er wird Chef bei Starbucks. Kaffee also statt Kukident und Sagrotan.

Was heute sonst noch wichtig war:

Die besten Originaltexte aus dem "Economist":

Gewinnmaschine: Dreiviertel des operativen Amazon-Gewinns stammt aus dem Cloud-Geschäft

Gewinnmaschine: Dreiviertel des operativen Amazon-Gewinns stammt aus dem Cloud-Geschäft

Foto: Salvador Rodriguez, REUTERS
  • Es gibt nur wenige Branchen, die so vielversprechend sind wie das immer noch junge Cloud-Geschäft. Unangefochtener Marktführer ist Amazons Tochter AWS, gefolgt von den US-Konzernen Microsoft und Google. Allein die drei haben in den vergangenen zwölf Monaten sagenhafte 120 Milliarden Dollar in dem Bereich investiert. Ihr Ziel: der Kundschaft neue, hochpreisige Dienste verkaufen, um Margen von rund 30 Prozent zu halten. Wir empfehlen die Analyse: Wie die Cloud-Riesen ihre Monsterprofite schützen wollen .

  • "Geierfonds" ist – zugegeben – ein reißerisches Wort, gleichzeitig aber passend. Es geht um Investoren, meist Hedgefonds, die sich auf notleidende Firmen spezialisiert haben, aus deren Verwertung sie sich Gewinne erhoffen. In der Finanzkrise 2008 erlebten sie eine Hochzeit, danach folgten schwierige Jahre. Nun aber – im Angesicht steigender Zinsen, hoher Inflation und drohender Rezession – bieten sich für eine der aggressivsten Spielarten der Finanzwelt wieder Chancen. Die Folge ist ein Comeback der Geierfonds .

Meine Empfehlung für den Abend:

EDF-Atomkraftwerk in Südfrankreich: Von 56 Atommeilern stehen in Frankreich derzeit 28 still

EDF-Atomkraftwerk in Südfrankreich: Von 56 Atommeilern stehen in Frankreich derzeit 28 still

Foto: FRED DUFOUR/ AFP
  • Angesichts explodierender Energiepreise und der Sorge um die Gasversorgung aus Russland ist die Atomkraft als Energielieferant wieder in den Fokus gerückt. Hierzulande wird über ein zumindest zeitweiliges Revival der umstrittenen Technologie debattiert. Frankreich ist nie von der Atomkraft abgerückt, die Grande Nation sollte nun jede Menge Strom haben, mit dem auch anderswo in Europa Engpässe ausgeglichen werden könnten. Sollte man zumindest denken. Tatsächlich jedoch befinden sich die französischen Atomkraftwerke in einem desaströsen Zustand. Jeder zweite Meiler steht still, was den Strompreis in Europa zusätzlich in die Höhe treibt. Es ist eine Geschichte des Missmanagements, die sich beim inzwischen verstaatlichten Energieriesen EDF abspielt. Aufgeschrieben hat sie Kollege Kai Lange, Sie finden das Stück heute auf manager-magazin.de.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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