Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Eine Blamage an der Börse und ein Beben beim Bitcoin

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem elektrisierenden Visionär, einer angezählten Starinvestorin und einem pessimistischen Profianleger.

Alles begann 2015 mit einer Kündigung. Peter Carlsson fühlte sich als Einkaufschef von Tesla ausgebrannt, auch physisch hatte die Arbeit Spuren hinterlassen. Dann kam ein Anruf aus Schweden. Carl-Erik Lagercranz, genannt Calle, war auf der Suche nach einem Batteriezell-Spezialisten, der mit ihm zusammen die Abhängigkeit Europas von asiatischen Firmen verringern wollte. Kurze Zeit später gründeten die beiden zusammen mit Paolo Cerruti, ebenfalls ein Ex-Tesla-Manager, den Batteriehersteller Northvolt.

Carlsson ist ein freundlicher, gewinnender Mann. Sein wohl größtes Problem: Er nimmt sich zu viel vor, will alles gleichzeitig schaffen. Zwei Jahre nach der Gründung stand die Firma einmal fast vor dem Aus. Mithilfe von Volkswagen-Chef Herbert Diess gelang es Carlsson aber, das Ruder herumzureißen. "Mit Volkswagen als Großaktionär änderte sich die Situation komplett", beschreibt er die damalige Lage.

Spätestens mit der Entscheidung, die erste Northvolt-Fabrik außerhalb Schwedens im schleswig-holsteinischen Heide zu errichten, ist Carlsson für viele in der deutschen Autobranche zum Messias geworden: der Mann, der die heimische Industrie aus ihrer selbst verschuldeten Abhängigkeit von asiatischen Zell-Zulieferern erretten soll. Unsere Kollegin Margret Hucko hat Carlsson getroffen, mit Begleitern, Investoren und Rivalen gesprochen und beschreibt den Gründer des wohl wichtigsten europäischen Start-ups in einem ausführlichen Porträt: Der Mann, um den sich die Autobosse reißen .

Elektrisierend: Northvolt-Chef Peter Carlsson träumt von einer Welt, die unabhängig ist von Öl. Er selbst fährt privat Audi E-tron, besitzt noch einen sehr frühen Tesla Roadster und ein kleines E-Boot.

Elektrisierend: Northvolt-Chef Peter Carlsson träumt von einer Welt, die unabhängig ist von Öl. Er selbst fährt privat Audi E-tron, besitzt noch einen sehr frühen Tesla Roadster und ein kleines E-Boot.

Foto: Felix Odell / The New York Times / Redux / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Aktienkurse stürzen ab: Nach den heftigen Kursverlusten zum Wochenende geht der Ausverkauf an den Börsen am Montag weiter. Anleger fürchten angesichts der hohen Inflation in den USA nun schnellere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Am Mittwoch steht die nächste Zinssitzung auf der Agenda, bei der weitere geldpolitische Straffungen als ausgemacht gelten. Der Dax verlor an diesem Montag deutlich, auch der Dow Jones setzt seine Talfahrt fort.

  • Beben beim Bitcoin: Die Kryptowährung Bitcoin stürzte heute sogar zweistellig ab. Für besondere Unruhe sorgte dabei eine Mitteilung der US-Kryptofirma Celsius Network, einem der größten Finanzdienstleister am Kryptomarkt. Das Unternehmen verweigert seinen Kunden angesichts der "extremen Marktbedingungen" den Zugriff auf ihre Vermögenswerte. Die Schockwellen erreichten auch Berlin, wo Anleger sich fragen, was mit ihrem Kapital passiert. Betroffen ist dort das Start-up Nuri, eine der prominentesten deutschen Adressen, um Bitcoin zu kaufen. Denn hinter dem wichtigsten Produkt des Fintechs, dem sogenannten Bitcoin-Ertragskonto, steht Celsius Network. Nun haben die Anleger Angst um ihre Bitcoin .

  • Crash bei Queen Cathie: Mit ihren Wetten auf disruptive Techaktien ist US-Investorin Cathie Wood in den vergangenen beiden Jahren zu einem Superstar der Finanzwelt geworden. Doch im Zuge der Krise bei Techwerten hat ihr Fonds Ark Innovation allein in diesem Jahr 58 Prozent an Wert verloren. Nachdem das US-Arbeitsministerium am Freitag mit 8,6 Prozent die höchste Inflation seit 40 Jahren verkündet hatte, ging es um weitere 7 Prozent bergab.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Martin Richenhagen wird Wall-Street-Investor: Der ehemalige Chef des weltweit drittgrößten Landmaschinenherstellers Agco mischt wieder im Agrobusiness mit. Richenhagen führt nun den Verwaltungsrat  einer leeren US-Börsenhülle (Spac), die in Rumänien mit dem Anbau von Soja, Kichererbsen und Mais Geld verdienen will.

  • Ungerechte Inflation: Die Inflationsraten bewegen sich schon jetzt auf einem Rekordniveau und ein Ende ist trotz der eingeleiteten Zinswende der Notenbanken noch nicht in Sicht. Eine Rückkehr zum Inflationsstandard von 2 Prozent, der Zielmarke der großen westlichen Notenbanken, dürfte noch Jahre dauern. In Frankreich, Italien und in den USA stürzen sich schon jetzt politische Gegner auf das Thema. Unser Kolumnist Henrik Müller erläutert, warum das Risiko politischer Verwerfungen derzeit so akut wie selten zuvor ist.

Das Beste aus dem aktuellen "Economist":

  • Großbritannien am Abgrund: Die schwache Wachstumsrate bereitet der politischen Führung in London Probleme. Eine steigende Produktivität wäre die einzige Chance, den Wohlstand zu mehren. Doch Großbritannien hängt hinterher, Staat und Unternehmen investieren zu wenig. Lesen Sie hier die schonungslose Analyse der britischen Wirtschaft  in der aktuellen Titelgeschichte des Magazins, die wir Ihnen gern zur Lektüre empfehlen.

  • Genauso wie dieses Stück  über die Frage, wie eigentlich die US-Konzerne mit der hohen Inflation und dem erwarteten Crash umgehen. Spoiler: Einfaches Cost-Cutting reicht nicht, die CEOs wälzen schon alte Lehrbücher.

Meine Empfehlung für den Abend:

"Wenn die Inflation da ist, ist es schon zu spät": Hedgefondsmanager Ray Dalio

"Wenn die Inflation da ist, ist es schon zu spät": Hedgefondsmanager Ray Dalio

Foto: Brad Trent / Redux / laif
  • Rekord-Inflation, Börsencrash, Konjunktursorgen – für Anleger ist die Lage derzeit äußerst ungemütlich. Ray Dalio hat mit Bridgewater einen der größten Hedgefonds der Welt aufgebaut – und gilt als absoluter Krisenexperte. Besserung erwartet der Multimilliardär nicht so schnell. Seiner Meinung nach haben die USA nicht nur den Höhepunkt ihrer Zeit als dominante Wirtschaftsmacht überschritten, sondern stehen sogar kurz vor einem Krieg mit China und Russland. Auch eine Stagflation lasse sich nicht mehr vermeiden. Wie Anleger ihr Geld in diesen unruhigen Zeiten schützen können, erzählt der Profianleger im Interview . Eines bereits vorweg: Vom Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel hält Dalio nicht sehr viel. Wie der heutige Crash zeigt, sicher ein guter Ratschlag.

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel