Marleen Gründel

Der Montag im Überblick Furcht vor einer Finanzkrise und dem Ende des Immobilienbooms

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit der Angst vor einer Ansteckung, dem Schutz vor der Inflation und Gedanken zur perfekten Führung.

Ein Preissprung von 30.000 auf 100.000 US-Dollar innerhalb weniger Stunden – was sich Anfang März an der Londoner Metallbörse LME abgespielt hat, ist beispiellos in der 145-jährigen Geschichte des Handelsplatzes. Es traf den Rohstoff Nickel, ein für die Produktion von Batterien für Elektroautos wichtiges Metall. LME-Chef Matthew Chamberlain sah sich gezwungen, nicht nur den Handel mit Nickel kurzfristig zu stoppen, sondern auch bereits abgeschlossene Geschäfte in Milliardenhöhe zu stornieren.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine spielen die Rohstoffmärkte verrückt. Kein Wunder, mit einem Wert von 75 Billionen Dollar steht Russland an der Spitze der Länder mit den wertvollsten Bodenschätzen.

Experten befürchten nun ein Übergreifen auf das Bankensystem. Denn Unternehmen, die mit Rohstoffen handeln, sie lagern oder um die Welt transportieren, brauchen wegen der explodierenden Preise mehr Kapital. Vielen Banken dürfte eine Finanzierung der Rohstofffirmen nun aber zu spekulativ werden. Und wenn die Unternehmen ihre Lieferverträge nicht mehr einhalten können, drohen auch den Banken massive Kreditausfälle. Unsere Kollegin Katharina Slodczyk hat sich die Zusammenhänge genau angeschaut und mit Ökonomen und Branchenkennern gesprochen: "Russisch Roulette für das Finanzsystem." 

Ring of Fire: Wochentags ab 11.40 Uhr steigen Rohstoffhändler in den Ring der LME und brüllen sich Orders zu. In Fünf-Minuten-Runden legen sie Referenzpreise für wichtige Metalle fest – und müssen dabei immer den Kontakt zum roten Sofa halten.

Ring of Fire: Wochentags ab 11.40 Uhr steigen Rohstoffhändler in den Ring der LME und brüllen sich Orders zu. In Fünf-Minuten-Runden legen sie Referenzpreise für wichtige Metalle fest – und müssen dabei immer den Kontakt zum roten Sofa halten.

Foto:

Jason Alden / Bloomberg

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Russland warnt Elon Musk: Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde, Dmitri Rogosin, hat dem Tech-Milliardär Elon Musk mit Konsequenzen gedroht, weil dieser die Ukraine mit Satelliteninternet versorgt. "Für die Versorgung faschistischer Kräfte (...) mit Mitteln militärischer Kommunikation wird er sich wie ein Erwachsener verantworten müssen", schrieb Rogosin bei dem Messengerdienst Telegram. Musks Raumfahrtfirma SpaceX stellte dem von Russland angegriffenen Land Anlagen zur Nutzung ihres Starlink-Satellitennetzes zur Verfügung.

  • Biontech verdreifacht Umsatz: Der Corona-Impfstoffhersteller hat seinen Umsatz im ersten Quartal auf 6,4 Milliarden Euro hochgeschraubt. Der Gewinn legte auf 3,7 Milliarden Euro zu. Vor allem die gestiegene Nachfrage nach dem Corona-Vakzin aufgrund der Omikron-Variante führte zu den starken Ergebnissen. Für das laufende Jahr bekräftigte das Mainzer Unternehmen seine Ziele.

Die Personalien des Tages:

  • Roland Hehn wechselt zu Lidl: Der Personalchef des Technologiekonzerns Heraeus wird ab dem Sommer in gleicher Funktion für die Schwarz Gruppe tätig sein . Dort steigt Hehn in eine andere Dimension auf: Die Lidl-Mutter beschäftigt derzeit rund 500.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei Heraeus waren es nur 15.000.

  • Yasmin Fahimi ist neue DGB-Chefin: Die SPD-Bundestagsabgeordnete erhielt beim Kongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) rund 93 Prozent der Stimmen. Damit steht erstmals in der Geschichte des DGB eine Frau an der Spitze. Fahimi hatte verschiedene Stationen bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie absolviert. Sie war SPD-Generalsekretärin, Staatssekretärin im Arbeitsministerium und wurde 2017 Abgeordnete. Ihr Bundestagsmandat will sie nun niederlegen.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Immobilien als Inflationsschutz: Die Zeiten sind schwierig für Anleger. Die Inflationsrate liegt bei über 7 Prozent, entsprechend werden die Zinsen weiter steigen. Daher wird viel über ein Ende des jahrelangen Immobilienbooms spekuliert. Tassu M. Degen, der die Immobilienanlagen vermögender Kunden managt, rechnet allerdings auf lange Sicht nicht damit, dass der Markt sich in eine Abwärtsbewegung dreht. Wie der Immobilienexperte zu der Annahme kommt und warum Investments in Immobilien das Vermögen seiner Meinung nach weiterhin vor Inflation schützen, hat er unserem Kollegen Christoph Rottwilm im Interview erzählt.

  • Chefkontrolleur als Kündigungsgrund: Seit rund einem Jahr verlassen auffallend viele Topmanagerinnen die Commerzbank. Zuletzt kündigte Personalvorständin Sabine Schmittroth im Februar an, ihren zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Wie Recherchen unserer Kollegin Katharina Slodcyk zeigen, ist der Hauptgrund für die Kündigungswelle weiblicher Führungskräfte Aufsichtsratschef Helmut Gottschalk. Dieser mische sich immer wieder ins operative Geschäft ein und schüre ein "Klima der Angst bei der Commerzbank" .

Das Neueste aus dem Harvard Business manager:

  • Tradition trifft Moderne: Klar, der traditionelle Führungsstil nach dem Motto "Befehlen und Kontrollieren" ist überholt. Doch in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass einige Aspekte des veralteten Führungsansatzes ziemlich wertvoll sind. Unsere Kollegen vom Harvard Business manager erklären, wie Sie den passenden Führungsstil finden – und nutzen .

Meine Empfehlung für den Abend:

Will Xing als Recruiting-Lösung etablieren: New-Work-CEO Petra von Strombeck

Will Xing als Recruiting-Lösung etablieren: New-Work-CEO Petra von Strombeck

Foto: [m] New Work SE, mm
  • Xing – vom Karrierenetzwerk zur Recruiting-Lösung: Nur wenige Wochen vor dem ersten Corona-Lockdown übernahm Petra von Strombeck den Chefposten bei der New Work SE, dem Betreiber der Karriereplattform Xing. Kein leichter Start, schließlich musste sie das ihr bis dahin fremde Unternehmen aus dem Wohnzimmer heraus führen, während die Pandemie zusätzlich auf die Erlöse drückte. Und dann stellte sie auch noch das Geschäft an sich auf den Prüfstand und baute Xing um. Die Vision: Xing soll Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringen und dafür sorgen, dass sie auch kulturell zusammenpassen. Wie die CEO sich damit vom Marktführer LinkedIn absetzen will, erfahren Sie in unserem neuen Podcast "Deutschlands digitale Hoffnungsträger". Hören Sie doch mal rein!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend und einen guten Start in die Woche, Ihre Marleen Gründel