Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem zwielichtigen Wirecard-Zeugen

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem irren Clash von Kunst- und Kryptowelt, den Verstrickungen des Kronzeugen in den Fall Wirecard und dem Schuldenproblem der Türkei.

Das folgende, farbenfrohe Werk hat die Kunstszene zum Beben gebracht. Nicht etwa, weil Mike "Beeple" Winkelmann mehr als 13 Jahre lang an der digitalen Collage gearbeitet hat. Wohl vielmehr, weil es kürzlich als sogenanntes NFT versteigert wurde – zu einem Rekordpreis:

"Everydays - The First 5000 Days": Mit seiner Digitalcollage wurde "Beeple" zum neuen Kunststar

"Everydays - The First 5000 Days": Mit seiner Digitalcollage wurde "Beeple" zum neuen Kunststar


2021 Beeple / Christie's Images Ltd / Handout /dpa

Für rund 69 Millionen Dollar hat es als sogenanntes "Non-fungible Token" seinen Besitzer gewechselt, rein virtuell. Wenn Sie jetzt denken, Sie könnten es doch einfach per Rechtsklick abspeichern? Ja und nein. Das könnten Sie natürlich tun. Der verbriefte Besitz aber, die Rechte zum Prahlen und Protzen, die sind in der Blockchain dem Käufer zugeschrieben. Mit NFTs, auch "Nifties", lässt sich alles handeln, was digital verfügbar ist – Bilder, Videos, sogar virtuelle Gegenstände aus Computerspielen. Für irrwitzige Summen werden digitale Unikate derzeit verkauft, es herrscht eine regelrechte NFT-Manie.

"Ein bisschen hysterisch" findet Bitcoin-Milliardär Mike Novogratz die Sache, wie er uns jüngst im Gespräch verriet.  Ob sich der Hype um Blockchain-Kunst am Ende als Revolution der Kunstszene oder als gigantische Blase entpuppt, wird vielfach spekuliert. In die Geschichte geht der Clash von Kunst und Krypto allemal ein. Wie Pixelkunst zum Spekulationsobjekt wurde, lesen Sie hier. 

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Oliver B. ist der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft im Skandalfall Wirecard. Unsere Recherchen ergaben nun, wie tief der Mann offensichtlich selbst in fragwürdige Geldgeschäfte verwickelt ist. Nach mm-Informationen hat Wirecards einstiger Dubai-Statthalter mehrere Millionen von dem inzwischen zusammengebrochenen Dax-Konzern abgezweigt, diese als eine Art Prämie für die eigene Arbeit eingestrichen und auf ein Konto bei einer Liechtensteiner Stiftung transferiert. Katharina Slodczyk berichtet über mutmaßliche Veruntreuung und Verschleierung von Millionen.

  • Droht der Türkei der finanzielle Kollaps? Mit dem Austausch seines Notenbankchefs hat der türkische Präsident Erdoğan die Lira erneut auf Talfahrt geschickt. Niedrige Zinsen drohen die Inflation in der Türkei nun neu anzuheizen - und ein noch größeres Problem zu verschärfen: Der riesige Berg an Auslandsschulden wird immer teurer, je schwächer die Lira gegenüber anderen Währungen notiert. Ökonomen warnen vor der wachsenden Gefahr einer Staatspleite.

  • Diesmal soll es klappen: Wework startet einen neuen Anlauf auf die Börse. Trotz eines riesigen Verlusts und obwohl die Börsenpläne schon einmal krachend scheiterten, will der Büroraumvermittler in einen leeren Börsenmantel (Spac) schlüpfen und strebt dabei eine Milliardenbewertung an. Einzelne Experten zweifeln die optimistischen Prognosen an, mit denen Wework Investoren zu locken versucht.

  • Über diese Personalie hatten wir bereits berichtet, nun ist sie offiziell: Volkswagens Strategiechef Michael Jost wird im Mai von Gernot Döllner (Porsche) abgelöst.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Deutschland verordnet sich den schärfsten Lockdown seit Beginn der Pandemie. Die bestehenden Regeln werden bis zum 18. April verlängert, die strengsten Regeln gelten über Ostern. Bei Branchenverbänden sorgen die Beschlüsse für Kritik.

  • Derweil freut sich das britische Gesundheitswesen über einen kleinen Geldregen. Ein Bild des britischen Kult-Künstlers Banksy hat auf einer Versteigerung zu Ehren der Helden des Corona-Kampfes einen Rekordpreis erzielt: Das Werk mit dem Titel "Game Changer" wechselte für 16,75 Millionen Pfund den Besitzer.

Meine Empfehlung für den Abend:

Denkt groß: Korn-Ferry-Chef Burnison sieht sich auf Augenhöhe mit McKinsey und BCG

Denkt groß: Korn-Ferry-Chef Burnison sieht sich auf Augenhöhe mit McKinsey und BCG

Foto: Christopher Goodney / Bloomberg
  • Gary Burnison weiß sich als Leader zu inszenieren. Und er hat Großes im Sinn. Er will die Wall-Street-Firma Korn Ferry, deren Chef er ist, zum Marktführer unter den Personaldienstleistern machen. Doch die Realität sieht anders aus: Die Firma steuert er mit einer Armee von Controllern, die Angst und Schrecken verbreiten, und der deutschen Sektion laufen die Leute davon. Das Angstregime beim Personalberater beleuchtet Dietmar Palan. 

  • Die Rolle des Anführers bringt nicht unbedingt Sympathiepunkte – umso mehr wünscht sich so manche Führungsperson eine gesunde Selbstsicherheit. Ein souveränes Auftreten ist indes nicht jedem in die Wiege gelegt - viele bibbern vor jedem Vorsprechen, vor jeder Präsentation. Rat weiß Karrierecoach Dieter Lederer: Hier erfahren Sie von ihm, wie ein starker Auftritt gelingen kann.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying