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Kai Lange

Der Montag im Überblick Die Streaming-Revolution frisst ihre Gründer

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Ende der Netflix-Illusion, einem Comeback der VDA-Chefin, einem Rechtsruck in Italien und den Baustellen von United-Internet-Chef Ralph Dommermuth.

Drei Milliarden Dollar Gewinn bei rund 16 Milliarden Dollar Umsatz im ersten Halbjahr: Läuft bei Netflix, könnte man meinen. Doch beim Streamingriesen kracht es gewaltig: Die Zahl der Abonnenten geht zurück, der Börsenwert ist eingebrochen, und Erzrivale Disney zählt, wenn man den Disney-Sportkanal ESPN hinzurechnet, mit 221 Millionen Abos inzwischen mehr Kunden. Netflix, eben noch als uneinholbar gefeierter Streaming-Pionier, hat seinen Vorsprung verspielt.

Die Gründe für das Netflix-Drama sind zahlreich. Konzernchef Reed Hastings war angetreten, mit der Streamingrevolution das Fernsehen in gleicher Weise zu monopolisieren wie Amazon den Onlinehandel. Doch davon spricht inzwischen niemand mehr. Denn anders als bei den klassischen Tech-Giganten wirken beim Streaming die unterstellten Netzwerkeffekte nicht. Das Angebot von Netflix wurde nicht besser, nur weil der Konzern mehr Kunden hatte. Und so kam es, dass ausgerechnet der Netflix-Erfolg die Rivalen – Disney, Universal, Amazon, Apple – anstachelte.

Die Kraft der Algorithmen, mit denen Hastings Serienerfolge am Fließband produzieren wollte, ist geringer als gedacht. Netflix hat ein Inhalteproblem. Neue Mega-Erfolge zu erzeugen, fällt schwer. Die Konkurrenz dagegen verfügt über größere Marken und Heldenwelten, die sie nun auswalzt. Der Streamingdienst HBO Max bereitet neben der Hit-Serie "House of the Dragon" noch fünf weitere "Game of Thrones" Serien vor. Disney+ hat sechs "Star Wars" Serien in Vorbereitung. Netflix gehen die großen Stoffe dagegen aus: die eigene Erfolgsserie "Stranger Things" endet bald und Topstoffe wie "The Crown" oder "Better call Saul" werden zwar von Netflix vermarktet, doch die Rechte daran haben andere.

Um zu zeigen, was das alles für die Zukunft von Netflix bedeutet, hat unser Kollege Jonas Rest mit zahlreichen Insidern gesprochen, mit Konkurrenten und Serienproduzenten. Exklusiv hat er sich Daten auswerten lassen und alles in einer Geschichte zusammengetragen, die auch Titelstory unseres aktuellen Magazins ist: Netflix - das Ende der Illusion.

Film paradox: Netflix-Gründer Reed Hastings könnte zum großen Verlierer der Streamingrevolution werden

Film paradox: Netflix-Gründer Reed Hastings könnte zum großen Verlierer der Streamingrevolution werden

Foto: Urban Zintel / laif

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Gasumlage vor dem Aus: Die Ampel-Koalition beerdigt angesichts rasant gestiegener Energiekosten die Pläne für eine Gasumlage. Nachdem Wirtschaftsminister Robert Habeck nach der Verstaatlichung des Energiekonzerns Uniper bereits rechtliche Zweifel an der Umlage geäußert hatte, rückte nun auch Finanzminister Christian Lindner von dem Projekt ab. SPD-Chefin Saskia Esken rechnet noch in dieser Woche mit dem Aus für die geplante Umlage. Stattdessen diskutiert die Koalition nun darüber, wie sich eine Gaspreisbremse für die Bürger finanzieren lässt.

  • Rechtspopulisten feiern Wahlsieg in Italien: Die radikale Rechte hat die Wahlen in Italien gewonnen. Das Bündnis der rechtsradikalen Partei Fratelli d´Italia, der rechtspopulistischen Lega und der konservativen Forza Italia kann mit der großen Mehrheit im Parlament rechnen. Die Fratelli-Vorsitzende und eurokritische Giorgia Meloni dürfte erste Ministerpräsidentin Italiens werden. Der Rechtsruck des hoch verschuldeten Landes wird in Brüssel mit Sorge gesehen. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen stiegen deutlich.

  • Unilever bekommt einen neuen Chef: Nach 35 Jahren im Unternehmen will CEO Alan Jope den Konsumgüterkonzern verlassen. 2023 soll Schluss sein.

  • Frauen-Power bei GlaxoSmithKline: Der britische Pharma-Riese wird seit 5 Jahren von der vierfachen Mutter Emma Walmsley geführt. Nun holt sich die Chefin mit Julie Brown eine weitere Topmanagerin zur Seite. Die derzeitige Finanzchefin von Burberry, Julie Brown, wechselt in gleicher Funktion zu GlaxoSmithKline.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Das Comeback der Autolobby: Der Verband der deutschen Automobilindustrie, der VDA, hatte nach dem Dieselskandal seine Macht verloren. Intern war man zerstritten und politisch geschmäht. Der neuen Chefin Hildegard Müller ist jedoch ein bemerkenswerter Turnaround gelungen. Wie viel die frühere Merkel-Vertraute und Managerin riskieren musste, um dem VDA neue politische Power zu geben, und welche Lehren sich daraus ableiten lassen, beschreibt unser Kollege Michael Freitag: Die Pilotin - Lobby-Queen Hildegard Müller.

  • Die fragwürdige Werbemasche von Ökoworld-Gründer Alfred Platow: Der grüne Geldanlage-Pionier war mal ganz weit vorn bei der Nachhaltigkeit, doch die Konkurrenz hat aufgeholt. Nun greift der Gründer zu Tricks. Welche das sind, erklärt unser Kollege Mark Böschen.

  • Wie Zoom den Wiederaufstieg plant: Der Videokonferenz-Anbieter Zoom gehörte gemeinsam mit Netflix und der Fitnessfirma Peloton zu den Gewinnern der Coronakrise. Dann kam, wie bei Netflix und bei Peloton, der Absturz. Eine "Zoom fatique" machte sich breit. Nun versucht Zoom-Gründer Eric Yuan, der mit dem Börsengang seiner Firma 2019 zum fünffachen Milliardär geworden ist, den Neustart. Er konzentriert sich wieder auf seine Kernklientel: Unternehmen. Ob ihm die Flucht nach vorn gelingen kann und mit welchen neuen Konkurrenten Zoom sich anlegt, lesen Sie hier.

Meine Empfehlung für den Abend:

Vielbeschäftigter Netzbaumeister: United-Internet-Chef Ralph Dommermuth

Vielbeschäftigter Netzbaumeister: United-Internet-Chef Ralph Dommermuth

Foto: Theodor Barth / laif
  • Die Baustellen von United Internet: Mit einer schnellen und günstigen Mobilfunkalternative will United-Internet-Chef Ralph Dommermuth der Deutschen Telekom und der spanischen Teléfonica (O2) einheizen. Doch sein jüngstes Vorhaben, ein eigenes 5G-Mobilfunknetz in Deutschland aufzubauen, erweist sich als schwieriger als gedacht. Dommermuth vergleicht seine Arbeit gern mit der Bastelei an einer elektrischen Eisenbahn, doch mit steigenden Material- und Energiekosten, Lizenzrangeleien und Fachkräftemangel hat er derzeit mit fast so vielen Dauerbaustellen zu kämpfen wie die echte Bahn. Wie Dommermuth das alte Gefüge notfalls per Bulldozer aufbrechen will, beschreibt unsere Kollegen Mirjam Hecking: Die Baustellen des Ralph Dommermuth.

Herzlich, Ihr Kai Lange

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