Marleen Gründel

Der Mittwoch im Überblick Sendepause für Netflix und Zwangspause in Shanghai

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Tabubruch bei Netflix, einer Abmahnung für die Deutsche Bah und einem Massenstau in Shanghai.

"Russland will sein Öl und Ölprodukte an befreundete Länder in jeder Preisspanne verkaufen", sagte der russische Energieminister Nikolai Shulginow vergangenen Woche. Die Aussage zeigt, wie groß der Druck in Moskau inzwischen ist, Abnehmer für sein Öl zu finden. Das Problem aus russischer Sicht: Schon jetzt sanktionieren sich Käufer in Nordwesteuropa selbst und fahren den Handel mit Russland entsprechend zurück – in Erwartung eines EU-weiten Öl-Embargos, das gerade diskutiert wird.

Wie würde ein Öl-Embargo Russland treffen? Das hat unsere Kollegin Anna Driftschröer recherchiert. Die Antwort: Kurzfristig ziemlich stark. Hauptgrund: Die zunächst naheliegend klingende Lösung, das Öl statt nach Europa nach Asien zu liefern, ist nicht so einfach zu realisieren.

Ohne neue Pipelines lässt sich der Rohstoff nicht so einfach von Europa nach Asien umleiten. Das Öl muss kurz- bis mittelfristig per Schiff gen Osten transportiert werden. Für die dafür benötigten Riesentanker sind aber wiederum die russischen Häfen nicht ausgelegt, weshalb der Rohstoff erst über kleinere Schiffe auf die großen Tanker umgeladen werden müsste. All das kostet Moskau Zeit und Geld.

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Abo mit Werbung? Netflix-Co-Gründer Reed Hastings weicht von seiner bisherigen Haltung ab und erwägt nun ein günstigeres, werbefinanziertes Streaming-Abo

Abo mit Werbung? Netflix-Co-Gründer Reed Hastings weicht von seiner bisherigen Haltung ab und erwägt nun ein günstigeres, werbefinanziertes Streaming-Abo

Foto: REUTERS
  • Kundenschwund bei Netflix: Erstmals seit mehr als zehn Jahren ist die Kundenzahl beim Streaming-Marktführer gesunken. Unter dem Strich verlor Netflix in den ersten drei Monaten des Jahres rund 200.000 Bezahlabos. Der Gewinn sackte um 6 Prozent auf 1,6 Milliarden US-Dollar ab, der Umsatz verfehlte mit einem Plus von 10 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar die Erwartungen. Die Aktie brach zwischenzeitlich um rund ein Viertel ein. Um das Wachstum wieder anzukurbeln, prüft Netflix-Co-Chef Reed Hastings nun das Angebot eines günstigeren Abos mit Werbung – bisher ein No-Go für den Firmenmitgründer. Auch gegen Trittbrettfahrer, die Login-Daten von Kunden weitergereicht bekommen, will der Konzern härter vorgehen. Warum Netflix nun schwierige Zeiten bevorstehen, lesen Sie in unserer ausführlichen Analyse. 

  • Massenstau in Shanghai: Mehr als 300 Containerschiffe stehen vor dem größten Containerhafen der Welt im Stau und warten darauf, be- oder entladen zu werden. Grund dafür ist der harte Corona-Lockdown in der chinesischen Wirtschaftsmetropole, der vor mehr als drei Wochen verhängt wurde. Viele Einwohner müssen in ihren Wohnungen bleiben und können nicht mehr zur Arbeit gehen. Sichtbar wird das ganze Ausmaß auf einer Karte, die die Schiffsbewegungen vor Shanghai zeigt.

  • Abmahnung für die Bahn: Das Bundeskartellamt ist in einer Untersuchung zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen, dass die Deutsche Bahn die Geschäftsmodelle von Mobilitätsplattformen behindert. Der Konzern könnte nun von den Wettbewerbshütern dazu gezwungen werden, wichtige Daten wie Verspätungen, Fahrtverlauf oder Zugausfälle an Konkurrenten wie den Fernbusbetreiber Flixbus oder den Reisevermittler Omio weiterzugeben.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Schweizer Klüngelei: Die Schweiz liegt bekanntlich weit entfernt vom Meer. Dennoch haben dort viele Reedereien ihren Sitz, unter anderem auch der neue Marktführer MSC. Im Interview mit unserem Kollegen Michael Machatschke erklärt der Schweizer Korruptionsjäger Mark Pieth die Gründe, die hinter der "Seefahrtnation Schweiz" stecken: "Die Reeder agieren praktisch unkontrolliert." Inwiefern MSC-Chef Gianluigi Aponte bei seinem Aufstieg zum größten Reeder der Welt von dem lockeren Rechtsrahmen profitiert hat, können Sie in unserem Porträt noch einmal nachlesen: "Der gnadenlose König der Meere ".

  • Schwacher Euro: Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar innerhalb von knapp einem Jahr mehr als 13 Prozent an Wert verloren. Hauptgrund ist das Zinsgefälle an den Finanzmärkten. Da die Zinsen in den USA höher sind als im Euroraum, bevorzugen Investoren den Dollar-Raum - und treiben damit den Dollar-Kurs in die Höhe. Warum dies die Quittung für die Europäische Zentralbank und ihre zögerliche Haltung gegenüber der stark gestiegenen Inflation ist, beschreibt unser Kollege Christoph Rottwilm in einer ausführlichen Analyse: "Wie die EZB selbst die Inflation antreibt".

Der Veranstaltungstipp des Tages:

  • Zehn Minuten Brainstorming, Zehn Minuten Diskussion, dann entscheiden – wahrscheinlich saßen wir alle schon einmal in solchen Meetings. Und haben uns danach gewundert, warum die Ideen, die dort entstehen, nie so richtig neu und innovativ sind. Unsere Kollegen von manage > forward stellen in einem neuen E-Mail-Kurs gemeinsam mit der Berliner Kreativagentur launchlabs Methoden vor, mit denen es besser geht: Kreativität für Unkreative – hier geht es zur kostenlosen Anmeldung.

Meine Empfehlung für den Abend:

"Im Moment drehen sich 80 Prozent unserer Beratungsgespräche um das Thema Krieg": Gesundheitsberaterin Reinhild Fürstenberg rät Führungskräften, dem Thema Krieg in der Ukraine einen Platz im Team einzuräumen

"Im Moment drehen sich 80 Prozent unserer Beratungsgespräche um das Thema Krieg": Gesundheitsberaterin Reinhild Fürstenberg rät Führungskräften, dem Thema Krieg in der Ukraine einen Platz im Team einzuräumen

  • Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Inflation – ist Ihnen das auch alles manchmal zu viel? Damit sind Sie nicht allein. Viele Menschen entwickeln derzeit Angst- und Belastungsstörungen, und das wirkt sich natürlich auch auf das Miteinander im Büro aus. Reinhild Fürstenberg, Chefin des gleichnamigen Instituts für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, rät daher Führungskräften, für das Thema Angst extra Zeit in Meetings einzuplanen. Dabei könnten sich Kolleginnen und Kollegen gegenseitig Tipps geben, was Ihnen im Umgang mit Ängsten hilft. Welche weiteren Übungen und Routinen dabei helfen, Teams in Zeiten der Angst zu führen, hören Sie im Team A Podcast unserer Kollegen vom Harvard Business manager. Hören Sie doch mal rein! 

Herzliche Grüße und einen schönen Feierabend, Ihre Marleen Gründel