Christoph Rottwilm

Newsletter "Der Tag" Der Tag mit dem neuen Metro-Herrscher

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit einem Rundblick vom Feldherrenhügel, dem augenblicklich wohl heißesten Rennen der Wirtschaft sowie Einblicken in die diskrete Welt der Aufsichtsräte.

"Das Virus verhandelt nicht. Es gibt dir keinen Kredit dafür, dass du letzte Woche vorsichtig warst. Es folgt einfach seiner Biologie und verbeugt sich nicht vor Präsidenten oder dem Aktienmarkt."

In der laufenden Diskussion um Lockdown- oder Shutdown-Einschränkungen mag mitunter hitzig und emotional gestritten werden. Die obigen Sätze sind ein Imperativ zum Handeln. Sie stammen nicht aus der Politik. Es ist vielmehr das Credo, mit dem Mark Schneider, Chef des weltgrößten Lebensmittelkonzerns Nestlé, sein Unternehmen durch diese Großkrise lenkt. Sie bestimmen seinen Führungskurs in der Pandemie, den Umgang mit 300.000 Mitarbeitern, mit Lieferanten, Kunden und Aktionären.

Meine Kollegen Martin Mehringer und Martin Noé haben Schneider zu einem ausführlichen Gespräch getroffen. Er erklärte, was ihn leitet und wie es um die Versorgung mit Lebensmitteln bestellt ist. Der frühere Fresenius-Chef sprach aber auch über die ambitionierten Pläne, die er mit Nestlé für die Zukunft hat, über Wachstum und Zukäufe, über die Rolle des Konzerns beim Klimaschutz und über das Image als "Wasserräuber". Lesen Sie hier das komplette Gespräch: Mark Schneider über "eines der härtesten Jahre" seiner Karriere .

Harte Zeiten: Mark Schneider lenkt Nestlé durch die Corona-Krise

Harte Zeiten: Mark Schneider lenkt Nestlé durch die Corona-Krise

Foto: Maurice Haas für manager magazin

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • Weiter geht das Rennen um eine geeignete Medizin gegen das neuartige Coronavirus: Die Biotech-Firma BioNTech aus Mainz sorgt zusammen mit dem US-Pharmakonzern Pfizer seit Tagen für Schlagzeilen. So auch heute: Das Duo stellt Antrag für eine Notfallzulassung in den USA. Derweil wird bekannt, dass die EU den beiden Unternehmen und ihrem Konkurrenten CureVac fast neun Milliarden Euro für ihre Impfstoffe zahlen will (wenn sie denn hier zugelassen sind).

  • Nicht so gut läuft es dagegen für das US-Pharmaunternehmen Gilead: Von der Anwendung des Gilead-Wirkstoffs Remdesivir, der bereits sehr früh als mögliches Mittel gegen Covid-19 identifiziert wurde (und das Donald Trump bei seiner Infektion verabreicht wurde), rät die Weltgesundheitsorganisation nun plötzlich explizit ab.

  • Wer sein Geld auf ein noch weniger etabliertes Unternehmen setzen möchte, das sich ebenfalls im Kampf gegen Covid-19 engagiert, bekommt dazu womöglich bald die Gelegenheit: Das Pharma-Start-up AbCellera strebt mit Tempo an den Aktienmarkt. Neben Promis wie Hollywood-Star Uma Thurman (50) ist auch Starinvestor Peter Thiel (53) bereits als Investor an Bord - erkundigen Sie sich hier, ob das auch etwas für Sie sein könnte .

  • Was macht eigentlich Jennifer Morgan (49), bis April dieses Jahres Kurzzeit-Co-Chefin des Software-Konzerns SAP? Eine Antwort darauf gibt es hier: Morgan heuert beim Investmentriesen Blackstone an, dessen Portfolio-Unternehmen sie beim digitalen Wandel unterstützen soll.

Was heute sonst noch wichtig war:

Anschleicher: Der tschechische Investor Daniel Křetínský

Anschleicher: Der tschechische Investor Daniel Křetínský

Foto: Joel Saget / AFP

Meine Empfehlungen für das Wochenende:

Veteran des Aufsichtsrats: Ex-BBC-Geschäftsführer John Tusa

Veteran des Aufsichtsrats: Ex-BBC-Geschäftsführer John Tusa

Foto: Roberto Ricciuti / Getty Images
  • Das ist ein echtes Schmankerl: Wer wäre nicht gerne mal dabei, wenn Aufsichtsräte Vorstände grillen? Oder wenn umgekehrt ein CEO versucht, seine Kontrolleure vom neuesten Strategieschwenk zu überzeugen? Der Brite Sir John Tusa ist nicht nur altgedienter Radio- und Fernsehjournalist sowie Kunstmanager auf der Insel. Als früherer Geschäftsführer der BBC kennt er das Leben in Aufsichtsgremien der Unternehmens-, Kunst- und Museumswelt vielmehr auch aus jahrelanger Erfahrung von innen. Er weiß also Bescheid über die Ränkespiele wirtschaftlicher Macht, über politische Fallstricke und ungeschriebene Regeln - und er teilt seine Lehren daraus, wie Sie in diesem aktuellen Text aus dem "Economist" lesen können: "How to play the board game" .

  • Wer es lieber akustisch hat: Hier finden Sie unseren neuen Podcast "Das Thema". Unsere Chefredakteure Martin Noé und Sven Clausen diskutieren mit unserer Finanzkorrespondentin Katharina Slodczyk, inwiefern angesichts immer neuer Rufe nach der helfenden öffentlichen Hand die deutsche Wirtschaft zur Staatswirtschaft zu werden droht.

Beste Grüße, Ihr Christoph Rottwilm

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