Kai Lange

Der Dienstag im Überblick Drei Mutmacher, Marsalek in Moskau und der Mittelstand im Metaversum

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit drei Mutmachern und einer Monsterwelle, einem Auslieferungs-Ersuchen für Jan Marsalek in Moskau sowie deutschen Mittelständlern, die sich ins Metaversum wagen.

Treffen sich ein Produktscout aus dem Silicon Valley und ein Risiko-Investor aus China auf dem Bahnhof in Itzehoe. Warum sich beide nach Schleswig-Holstein ins Land der Horizonte begeben haben? Sie besuchen dort die beiden deutschen Mittelständler Ulrich Hofmann und Thomas von Wantoch. Die beiden gelten inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus als "Brillen Brains". Auf deutsch: Die beiden ehemaligen Forscher am Fraunhofer-Institut haben mit ihrer Firma Oqmented eine Technologie entwickelt, mit deren Hilfe virtuelle Realität auf kleinstem Raum abgebildet werden kann. Seit Jahren tüfteln die großen Tech-Konzerne weltweit daran, alltagstaugliche Datenbrillen zu bauen. Und der deutsche Mittelstand mischt bei diesem Projekt kräftig mit.

Oqmented aus Itzehoe ist nicht allein. Zahlreiche deutsche Visionäre rüsten sich für das neue Milliardenbusiness. Das Aachener Start-up Oculavis zum Beispiel bietet eine Software an, mit der Maschinenbauer ihre Geräte in den Produktionshallen der Kunden reparieren können - ohne dass ihre Fachleute persönlich vor Ort sein müssen. Die Bremer Firma Ubimax hingegen hat sich mit ihrer Software auf "Augmented Reality" spezialisiert - und wurde inzwischen vom Teamviewer-Konzern gekauft. Unsere Kollegin Mirjam Hecking zeigt in ihrer Story "Metamacher" an konkreten Beispielen, wie der deutsche Mittelstand buchstäblich neue Welten erobert.

Brillen-Brains: Ulrich Hofmann (l.) und Thomas von Wantoch steigen ins Metaversum ein

Brillen-Brains: Ulrich Hofmann (l.) und Thomas von Wantoch steigen ins Metaversum ein

Foto: Matthias B. Scharf

Die Wirtschaftsnews des Tages:

  • IWF senkt globale Wachstumsprognose: Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr deutlich langsamer wachsen. Der Internationale Währungsfonds, der aktuell in Washington tagt, rechnet wegen des Ukraine-Krieges mit einer globalen Wachstumsrate von nur noch 3,6 Prozent. In der Eurozone dürfte das Wachstum in diesem Jahr rund 2,8 Prozent betragen, schätzt der IWF. In Deutschland werden es wahrscheinlich nur noch 2,1 Prozent Wachstum sein. Damit hat sich der Ausblick für das deutsche Wirtschaftswachstum beinahe halbiert.

  • Deutsche Justiz bittet Russland um Auslieferung von Jan Marsalek: Die deutsche Justiz hat sich mit einem Rechtshilfeersuchen an die russische Regierung gewandt. Die Ermittler fordern laut Medienberichten die Auslieferung des ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek. Dieser soll in Moskau untergetaucht sein: In einem Versteck, das der russische Geheimdienst FSB bereitgestellt haben soll. Die Staatsanwaltschaft München teilte mit, sich nicht zu Maßnahmen der internationalen Rechtshilfe zu äußern.

  • Intel-Chef Gelsinger ist Topverdiener in USA: Die durchschnittlichen Gehälter der US-Topmanager sind im Jahr 2021 auf einen Rekordwert gestiegen. Intel-Chef Patrick Gelsinger führt mit einem Einkommen von 178 Millionen Dollar die Liste der 100 Topverdiener der USA an. Auf Platz zwei folgt Apple-Chef Tim Cook mit 99 Millionen Dollar. Broadcom-Chef Hock E. Tan landet mit 60 Millionen Dollar auf Platz drei. Auf der Top-100-Liste sind nur neun Frauen zu finden.

Fahrraddidaktin: Vor fast 40 Jahren hat sich die frühere Analystin Georgena Terry den Rahmenbau selbst beigebracht, weil sie kein bequemes Damendrad fand

Fahrraddidaktin: Vor fast 40 Jahren hat sich die frühere Analystin Georgena Terry den Rahmenbau selbst beigebracht, weil sie kein bequemes Damendrad fand

Foto: Libby March

Die Personalie des Tages:

  • Georgena Terry war nach ihrem Maschinenbaustudium Wertpapieranalystin, dann Händlerin, dann Managerin bei Xerox. Dann brachte sie sich selbst bei, wie man einen Fahrradrahmen baut, und gründete die erste Firma für Frauenfahrräder. Auch heute, mit 71 Jahren, spult die Gründerin von Terry Precision Cycling pro Jahr rund 10.000 Kilometer auf dem Fahrrad ab. Und arbeitet mit gleicher Beharrlichkeit den Auftragsstapel für Fahrrad-Maßanfertigungen ab. Im Interview verrät die nimmermüde Gründerin, wie man seine Lebensträume verwirklicht - und warum sie nie Angst vor dem Scheitern hatte.

Was uns sonst noch beschäftigt hat:

  • Wie man "Greenwashing" erkennt und vermeidet: Viele Unternehmen rühmen sich damit, den Ausstoß von CO2 deutlich zu reduzieren und auf diese Weise etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Doch welche Angaben sind eigentlich nur Fassade, sprich Greenwashing, und welche Zahlen sollte man auf dem Weg eines nachhaltigen Wirtschaftens wirklich ernst nehmen? Die beiden prominenten Forscher Robert S. Kaplan und Karthik Ramanna haben in einer aufsehenerregenden Studie ein System entwickelt, um das bislang übliche, aber fehlerhafte "GHG Protocol" abzulösen. Kaplans und Ramannas alternatives System basiert auf bewährten Buchhaltungsmethoden - und macht es möglich, Treibhausgas-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu erfassen. Unsere Kollegen vom Harvard Business manager stellen Ihnen den Ansatz vor, von dem wir in Zukunft wahrscheinlich noch viel hören werden.

Meine Empfehlung für den Abend:

Nach der Welle ist vor der Welle: Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner weiß, wie man Angst überwindet

Nach der Welle ist vor der Welle: Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner weiß, wie man Angst überwindet

Foto: Pablo Garcia
  • Wie man in Krisenzeiten Mut gewinnt: Wer sich auf einem Surfboard mit 80 Stundenkilometern eine 25-Meter-Welle hinabstürzt, geht ein gewisses Risiko ein. Ein Fehler – und das Meer verschluckt den Mensch minutenlang. "In einer solchen Situation reagiere ich erst einmal gar nicht, bis die Macht des Meeres nachlässt", sagt der Big-Wave-Surfer Sebastian Steudtner. "Alles andere ist verschwendete Energie".

    Auch abseits des Meeres folgt derzeit Monsterwelle auf Monsterwelle. Auf die Corona-Pandemie folgt Russlands Krieg mit Bomben und Raketen in Europa. Angst ist zum Dauerzustand geworden und beherrscht das Leben vieler Menschen. Mut und Zuversicht werden zum seltenen Gut. In unserem Report auf manager-magazin.de beschreiben ein Extremsportler, ein Millionenerbe und einige Spitzenmanager, wie sie in Notsituationen zur Zuversicht zurückfinden: Wichtig ist, zu wissen, wann man handeln sollte und wann auch nicht - wie ein Big Surfer unter der Welle.

Herzlich, Ihr Kai Lange