Corinna Scheying

Newsletter "Der Tag" Im Internet der Zukunft

Liebe Leserin, lieber Leser,

jeden Abend fassen wir die wichtigsten Wirtschaftsnews des Tages zusammen. Heute mit dem Kampf um die Vorherrschaft im Metaverse, einem Duell bei Volkswagen und möglichen Auswirkungen eines Abbaus klimaschädlicher Subventionen.

Für Menschen, die ihre Freizeit nicht mit Computerspielen verbringen, ist es eher schwierig, sich die große Vision vom Internet der Zukunft vorzustellen. Die Techkonzerne träumen von einer Welt, in der reales und virtuelles Leben miteinander verschmelzen, in der Menschen über ein Netzwerk aus 3-D-Welten und Simulationen miteinander interagieren, spielen, lernen, arbeiten, einkaufen oder einfach die Zeit verbringen können. Und in der sie freilich echtes Geld ausgeben.

Für die neue digitale Dimension hat sich bereits ein Name gefunden, "Metaverse" nach einem Begriff des Science-Fiction-Autors Neal Stephenson aus den 90er Jahren. In der Gaming-Branche ist das Metaverse bereits Realität – oder zumindest das Tauschen von Geld gegen virtuelle Güter: Spieler kaufen Kleidungsstücke, Waffen oder andere Gegenstände für ihre Avatare. Es ist ein Milliardenmarkt.

Voll virtuell: Mark Zuckerberg bei der Meta-Präsentation

Voll virtuell: Mark Zuckerberg bei der Meta-Präsentation

Foto: Meta/dpa

Keiner der großen Techkonzerne kommt mehr an dem Trend vorbei – zu verheißungsvoll ist das Geschäft. Entsprechend haben so ziemlich alle mindestens einen virtuellen Fuß in der Tür. Der Kampf um das Metaverse ist eröffnet und Facebook, das sich gerade zukunftsweisend in Meta umbenannt hat, ist fest entschlossen, ihn zu gewinnen. Wer Mark Zuckerbergs härteste Rivalen sind und ob sein Plan aufgehen kann, erklärt meine Kollegin Mirjam Hecking. 

Die Wirtschaftsnews des Tages:

Cavallo, Diess: Showdown in Halle 11

Cavallo, Diess: Showdown in Halle 11

Foto: Swen Pförtner; Carsten Koall / picture alliance/dpa
  • Der brodelnde Zwist zwischen Volkswagen-Boss Herbert Diess und Betriebsratschefin Daniela Cavallo wurde heute auf großer Bühne weitergeführt. Bei einer Mitarbeiterversammlung in Wolfsburg traten die beiden zum Schlagabtausch vor 7000 anwesenden Beschäftigten an. Cavallo gab sich kämpferisch gegen jeglichen weiteren Stellenabbau und machte das Management für die schwache Auslastung des Stammwerks verantwortlich. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil stimmte, mit milderen Tönen, ein. Diess nannte nun keine konkreten Zahlen mehr zum geplanten Jobabbau, beschwor stattdessen den Zusammenhalt gegen den äußeren Gegner: "Wir dürfen uns unseren Standort, unsere Konzernzentrale, nicht von Tesla kaputtmachen lassen!" Mit dem für Wolfsburg versprochenen Tesla-Fighter "Trinity" geben sich Arbeitnehmer und Land jedoch nicht zufrieden. Mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier: Darum geht es beim Duell Diess gegen Cavallo.

  • Die jüngsten Beschlüsse der US-Notenbank und die starken Vorgaben der New Yorker Börsen treiben auch den deutschen Aktienmarkt an: So kletterte der Dax heute auf ein Rekordhoch. Der deutsche Aktienindex notierte deutlich über 16.000 Punkten. Fed-Chef Jerome Powell hatte am Vorabend zwar die Anleihenkäufe wie erwartet gedrosselt, aber Spekulationen um baldige Zinserhöhungen gedämpft – was die Anleger offenbar in Kauflaune versetzt.

  • Der Impfstoffhersteller Moderna hat die Umsatzprognose für sein Covid-19-Vakzin deutlich gekürzt. Das hat teils produktionstechnische Ursachen, sei aber auch auf eine bevorzugte Lieferung an ärmere Länder zurückzuführen. Die Aktie verlor auf die Nachricht hin zweistellig, ein Sturz von astronomischen auf überragende Erwartungen. Im Rahmen unserer Serie der Wirtschaftstransformer hat sich mein Kollege Dietmar Palan das amerikanische Unternehmen und seinen Chef Stéphane Bancel erst kürzlich genauer angeschaut. Bancel gilt als begnadeter Verkäufer, sammelte Unmengen Kapital ein und formt nun aus seinem Start-up einen neuartigen, extrem schlanken Pharmakonzern. Hier lesen Sie mehr über die Wetten des Moderna-Chefs. 

Was uns sonst noch wichtig war:

  • Allen Verkaufsgerüchten zum Trotz will Warsteiner-Inhaberin Catharina Cramer noch einmal angreifen. Dafür tauscht sie das Personal: Der bereits im Sommer degradierte Chef Christian Gieselmann verlässt das Unternehmen nun ganz. Sein Nachfolger Helmut Hörz hat einen langfristigen Vertrag unterschrieben und soll den Bierbrauer zurück zu alter Stärke führen.

Meine Empfehlung für den Abend:

  • Einfach alle klimaschädlichen Subventionen streichen und damit Staatsgeld sparen – das Ziel der Ampelparteien klingt unstreitig. Konkret ist die Sache komplizierter. In den meisten Fällen handelt es sich um Steuerbefreiungen oder -ermäßigungen. Diese abzuschaffen, würden Betroffene als Steuererhöhung wahrnehmen. So hat FDP-Chef Christian Lindner etwa die Pendlerpauschale bereits erfolgreich verteidigt. Welche Punkte stehen jetzt überhaupt noch zur Debatte? Einen Überblick über die möglichen Maßnahmen gibt mein Kollege Arvid Kaiser.

Herzlich, Ihre Corinna Scheying

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