Lukas Heiny

manage:mobility Ende einer desaströsen Affäre

Liebe Leserin, lieber Leser,

unsere Themen der Woche:

  • Mercedes beendet den Pakt mit Renault

  • Tesla Rekordquartal bringt Elon Musk eine 23-Milliarden-Dollar-Vergütung.

  • Und ein letzter Milliardendeal für Ronald Pofalla.

Ich wünsche viel Spaß mit der neuen Ausgabe unseres wöchentlichen Mobility-Newsletters.

Top-Thema: Ende einer desaströsen Affäre

Boss Buddies: Regelmäßig herzten sich Dieter Zetsche und Carlos Ghosn wie auf der Pariser Automesse 2014

Boss Buddies: Regelmäßig herzten sich Dieter Zetsche und Carlos Ghosn wie auf der Pariser Automesse 2014

Foto: Daniel Karmann / dpa / picture alliance

Die Partnerschaft von Daimler und Renault war auf maximalen Glanz angelegt: Autos, Vans, Motoren, Werke, Batterien – alles wollte man zusammen entwickeln. Ein "Vorbild" für die Branche solle der Pakt sein, öffentlich zelebriert durch inzwischen legendäre Balztänze der CEOs Dieter Zetsche (68) und Carlos Ghosn (68) und kapitalseitig mit einer Überkreuzbeteiligung abgesichert. Aber ach, wahre Liebe hat sich aus der Affäre nie entwickelt. Eine der spektakulärsten Allianzen der europäischen Automobilwirtschaft war gleichzeitig eine desaströsesten. Nun machen Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius (52) und sein Van-Man Mathias Geisen (44) endgültig Schluss: Rien ne va plus. 

Köpfe: Naren Shaam ++ Susanne Henckel ++ Michael Frick

Naren Shaam: Erfolg im Streit mit Deutscher Bahn

Naren Shaam: Erfolg im Streit mit Deutscher Bahn

Foto: PR
  • Naren Shaam (40), Gründer und Chef des Buchungsportals Omio, kann einen wichtigen Erfolg im Streit mit der Deutschen Bahn bejubeln. Das Bundeskartellamt mahnte den Staatskonzern ab, weil dessen Daten-Politik die Mobility-Start-ups behindere.

  • Susanne Henckel (57), bisher Chefin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, ist seit dieser Woche Staatssekretärin  im Bundesverkehrsministerium. Die parteilose Managerin wird im FDP-Haus zuständig sein für Fern- und Wasserstraßen – und für die Eisenbahnen, weswegen sie auch in den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn einziehen wird.

  • Michael Frick (55), eigentlich CFO des Autozulieferers Mahle, ist mal wieder übergangsweise Vorsitzender der Geschäftsführung. Denn Matthias Arleth (54) ist es nach nur drei Monaten nicht mehr.

Unternehmen: Tesla ++ Automarkt ++ Continental ++ BMW

Zielwert 1,5 Millionen Autos 2022: Tesla-Chef Elon Musk

Zielwert 1,5 Millionen Autos 2022: Tesla-Chef Elon Musk

Foto: CHRISTIAN MARQUARDT / POOL / EPA
  • Schon wieder hat Tesla ein Rekordquartal hingelegt und die Analysten-Erwartungen deutlich übertroffen. 18,8 Milliarden Dollar Umsatz und 19,2 Prozent operative Marge sind nicht sooo schlecht – und 2022 will Elon Musk (50) nun vielleicht 60 Prozent mehr Autos verkaufen als im Vorjahr, wie er im nächtlichen Call ankündigte. Für ihn selbst hat es sich allemal gelohnt. Die Performance löst weitere Tranchen seines Vergütungspakets aus – was ihm 23 Milliarden Dollar beschert.

  • Das internationale Autogeschäft hat ein rabenschwarzes erstes Quartal hinter sich. Corona-Lockdown in China, Chipkrise, Rohstoffpreise, Ukraine-Krieg – allein im März brach der Neuwagenverkauf in Europa um mehr als ein Fünftel ein, in den USA ebenfalls. Vieles spreche dafür, prognostiziert EY-Berater Peter Fuß, dass der EU-Neuwagenmarkt auf "einen neuen historischen Tiefstand fallen" wird. Wie genau er "historisch" definiert, wissen wir nicht.

  • Der Autozulieferer Continental fährt sein Geschäft in Russland wieder hoch. Trotz des politischen Drucks und des brutalen Krieges in der Ukraine nimmt der Konzern die zwischenzeitlich gestoppte Reifenproduktion in Kaluga temporär wieder auf. Allerdings hege man "keinerlei Gewinnerzielungsabsicht", die Aktion diene dem Schutz der Mitarbeitenden vor strafrechtlichen Konsequenzen.

  • Das Emirat Katar, bekanntlich mit rund 17 Prozent der Anteile drittgrößter Aktionär des Volkswagen-Konzerns, entsendet  den Chef des Staatsfonds (Qatar Investment Authority) in den Aufsichtsrat. Mansoor Ebrahim Al-Mahmoud (47) nimmt dort einen der beiden Sitze ein, die den Scheichs zustehen.

  • BMW-Vertriebsvorstand Pieter Nota (57) hat das neue Flaggschiff des Konzerns vorgestellt, den i7: voll elektrisch, voll auf China ausgerichtet, mit "sehr guten" Renditeerwartungen.

Mobilität: Deutsche Bahn ++ Flix ++ Lyft

Letzte Runde: Bahnvorstand Ronald Pofalla ist nur noch wenige Tage im Amt

Letzte Runde: Bahnvorstand Ronald Pofalla ist nur noch wenige Tage im Amt

Foto: Christoph Soeder/ dpa
  • Nur wenige Tage vor seinem Abgang als Vorstand der Deutschen Bahn kann Ronald Pofalla (62) einen 15-Milliarden-Euro-Deal in Übersee feiern. In Kanada hat die zuletzt wegen Erfolglosigkeit scharf gerüffelte Tochter DB International Operations im Konsortium mit anderen einen "einmaligen" (Pofalla) Vertrag ergattert: 25 Jahre lang soll der Staatskonzern dort ein Schienennetz modernisieren und betreiben. Für Pofalla muss sich das wie ein Abschiedsgeschenk anfühlen. Er selbst wechselt übrigens aus der Mobilien- in die Immobilienbranche und wird ab Mai Geschäftsführer der Gröner Group.

  • Flix Mobility heißt jetzt  Flix – sonst ändert sich nix.

  • Lyft übernimmt  den Bikesharing-Dienstleister PBSC Urban Solutions. Die US-Firma, die zum Beispiel die Leihfahrradflotte in New York betreibt, will stärker ins Geschäft mit Fahrrädern und Elektrorollern einsteigen.

Meine Zahl der Woche: 6 Prozent

So hoch ist der Anteil von Fords Pick-up-Truck F-150 an allen in den USA herumfahrenden Autos. Wahnsinn! Diese Zahl kam mir diese Woche beim Lesen  unter, genauso wie ein paar andere Superlative, die ich gern als Partywissen mit Ihnen teile. Seit 40 Jahren ist der F-150 jedes Jahr das meistverkaufte Automodell Amerikas. Nach dem iPhone ist er das meistverkaufte US-Produkt der Welt. Und wäre der F-150 eine eigene Firma, würde sie mehr Umsatz machen als Coca-Cola, Nike oder McDonald`s. Warum das wichtig ist? 1. Weil nächste Woche der elektrische F-150 Lightning auf den Markt kommt. 2. Weil endlich Post-Corona-Frühjahrs-Partys stattfinden und Sie vielleicht mit ein paar Fakten glänzen wollen.

Schick im Sattel

Schicker auf dem Sattel: Gründerin Iris Slappendel hat schon als Radprofi Trikots entworfen

Schicker auf dem Sattel: Gründerin Iris Slappendel hat schon als Radprofi Trikots entworfen

Foto:

THOYA VERHEUL

Die Devise ist einfach: Bloß keine "Mamils" – also bloß keine "middle aged men in lycra". Das sind die Herren, die sich beim aktuell schönen Wetter in grellbunte Plastikleibchen mit großen Werbeaufdrucken zwängen, um auf ihren Rennrädern eine Runde zu drehen. Bitte, es geht auch mit Stil! Modelabels wie Rapha oder Café du Cycliste versuchen, die Begeisterung für Highend unterhalb des Sattels auch für darüber zu entfachen. Meine Kollegin Katharina Slodczyk, selbst begeisterte Radfahrerin, hat sich in der Boombranche umgehört.

Geisterfahrer der Woche

Ride like an Egyptian: Am Nil sollen ab 2023 E-Autos gebaut werden

Ride like an Egyptian: Am Nil sollen ab 2023 E-Autos gebaut werden

Foto: Mike Nelson/ picture alliance / dpa

In Ägypten ist die El Nasr Automotive Manufacturing Company, kurz: Nasco, eine Legende. In den 1960er Jahren produzierte man in der ersten Autofabrik der arabischen Welt Fiats in Lizenz, später serbische Karossen – bis es nicht mehr ging. In Besitz des Staates soll die Legende nach mehrjähriger Pause nun wieder auferstehen. Zeitgemäß als Produzent des ersten ägyptischen Elektroautos. Ende 2021 hatte man sich extra ein paar chinesische Dongfeng-Modelle kommen lassen, um auf heimischen Straßen zu testen, welche Spezifikationen ein EV made in Egypt haben müsste. Und jetzt hat Nasco-CEO Hany El-Kholy mit dem deutschen Dienstleister FEV einen Vertrag zur Entwicklung des Mobils geschlossen , auch ein Lieferantennetzwerk sollen die FEV-Leute aufbauen. 2023 soll dann die Produktion in Helwan starten, dem Grünheide am Nil sozusagen.

Ich wünsche Ihnen eine bewegte Woche!

Herzlichst, Ihr Lukas Heiny